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Das Enfant terrible porträtiert den Frommen

Das Enfant terrible porträtiert den Frommen

Eine kleine Privatausstellung vereinigt zwei eigensinnige und eigenwillige Originale: Alois Ludes (1927-2014), porträtiert in den frühen 1990ern von Karl Werner Bauer (1946-1996). Bauers frühere Lebensgefährtin und Muse Irmgard Eiffler zeigt die Zeichnungen und Fotos in ihrem Nähstudio in der Trierer Südstadt.

Trier/Dörbach. Unter den Lebenden weilen beide nicht mehr. Vergessen sind sie keineswegs. Weder Karl Werner "KW" Bauer, 1996 verstorbenes Enfant terrible der Trierer Kunstszene. Und erst recht nicht Alois Ludes, der ein gutes Jahr als vermisst galt, ehe eine Pilzsucherin Anfang Oktober seine sterblichen Überreste im Wald nahe Dörbach fand. Und der exzessive Künstler und der fromme Tippelbruder hatten viel gemeinsam.
Bauer verewigte Ludes, der sich beharrlich der korrekten Schreibweise seines Vornamens verweigerte und stets "Aloys" schrieb, in seinen selbst verlegten Büchern "Aanzish Trier - Trier und seine Originale im Wandel der Zeiten" und "Ons Welt öß Trier - Trierisches aus zwei Jahrhunderten". Kennen gelernt hatte man sich im Astarix, für beide eine der bevorzugten Kneipen. "Daraus entstand eine Freundschaft", erinnert sich Irmgard Eiffler (61), Lebensgefährtin und Muse KW Bauers. Das Änderungsatelier der Schneiderin, das Nähstudio Trier-Süd, wurde dann bald auch ein Treffpunkt für tagsüber. Anfang der 1990er Jahre begann Bauer den Rauschebart-Träger zu porträtieren, mit Bleistift, aber auch fotografisch. Ein immer wieder lohnendes Objekt, denn Ludes wirkte schon damals wie der Erscheinungsbild-Mix aus Karl Marx und Stadtpatron Petrus, der ihn später zum beliebten Fotomotiv für Touristen machte.
Nach KW Bauers Tod blieb das Nähstudio für Ludes eine Art zweite Heimat. Hier konnte der Mann, der immer zu Fuß unterwegs war zwischen dem Wittlicher Land, wo die Verwandten wohnten, und seinem geliebten Trier, sich im Winter aufwärmen und im Sommer laben - bis Juli 2014, als er verschwand. Auf Bildern sehen konnte Eiffler ihn täglich, schließlich hatte KW Bauer ihr ein riesiges Konvolut an Zeichnungen und Skizzen hinterlassen. Die sterblichen Überreste wurden am 11. November auf dem Friedhof in Dörbach beigesetzt. Ein weiteres Sterbeamt soll es am 6. Januar in Dörbach geben. rm.
Die Ausstellung im Nähstudio (Saarstraße 99) soll "bis Anfang 2016" dauern. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr.