Das Erbe des Schalks Weißebach: Palastgarten statt Krematorium

Das Erbe des Schalks Weißebach: Palastgarten statt Krematorium

Die Gedenktafel an der Mittelalter-Stadtmauer zeigt Franz Weißebach (1860-1925) als Mann mit großer Nase. Auch im übertragenen Sinne hatte er einen guten Riecher: Er vermachte sein Vermögen der Stadt, die davon den Palastgarten anlegte. Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

Trier. Weißebach war ein echtes Unikum. Junggeselle, reich und mit sympathischem Schalk im Nacken. Vorher Kaufmann, avancierte er als Teilerbe eines Kanzemer Weingutes (das heute Othegraven heißt und Fernsehmoderator Günther Jauch gehört) früh zum Privatier. Dem Wirtschaftsleben frönte er fortan auf eigene Weise: Mittagessen im Hotel Porta Nigra, ausgiebiger Dämmerschoppen auf dem Kockelsberg.
Als Weißebach 1925 starb, hatte er seine Heimatstadt zum Erben eines beträchtlichen Vermögens bestimmt - allerdings mit einem gewaltigen Haken: Die Annahme war an die Bedingung geknüpft, das Geld für den Bau einer "Leichenverbrennungsstätte" auf dem Hauptfriedhof zu verwenden oder - sofern der Stadtrat in fünf aufeinanerfolgenden Jahren dieses Ansinnen ablehnt - einen Volksgarten anzulegen.
Ein Krematorium im erzkatholischen Trier - da war das "Nein" des Stadtrates so sicher wie das Amen in der Kirche. Also trafen sich die Stadtverordneten von 1926 bis 1930 alle Jahre wieder zur "Krematoriumsdebatte" und lehnten ab. Ganz im Sinne des Schalks Weißebach, der für sich eine Erdbestattung gewünscht hatte und in einem Ehrengrab beigesetzt wurde. Von 1936 bis 1940 wandelte die Stadt mit Weißebachs Geld den zum Exerzierplatz degradierten ehemaligen Garten des Kurfürstlichen Palais in einen öffentlichen Park um.
An Franz Weißebach erinnern das von Bildhauer-Professor Paul Siegert (1905-1982) angefertigte Kalkstein-Gesichtsrelief im Palastgarten und der Verein Trierer Prinzenzunft, der seit 1988 jährlich den Weißebach-Preis vergibt - an Persönlichkeiten mit schalkhaftem Humor und sozialem Engagement. Aktueller Preisträger: OB Klaus Jensen. rm.

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