Das Fest des Lebens

"Stille Nacht, heilige Nacht!", die Strophen des wohl bekanntesten Weihnachtsliedes sang die versammelte Gemeinde zu Beginn der Christmette an Heiligabend mit Diözesanbischof Reinhard Marx in der Hohen Domkirche zu Trier.

Bischof Reinhard Marx (am Altar) feiert mit Konzelebranten und hunderten von Gläubigen im Dom zu Trier die heilige Nacht von Bethlehem. TV-Foto: Ludwig Hoff

Trier. (LH) Die Nacht von Bethlehem sei ein Weckruf, der eines deutlich mache: "Wir kommen aus diesem diffusen religiösen Gefühl, aus einer Religionslandschaft, in der vieles möglich ist und jeder sich das Seine sucht, heraus zur Wahrheit, wenn wir uns auf ihn einlassen, der die Wahrheit ist. Wenn wir aufhören, nur unseren Fantasien zu folgen, unseren Wünschen und Sehnsüchten, wenn wir es wagen, uns ansprechen zu lassen von dem Gott, der vielleicht anders ist, als wir uns das erträumen", sagte Bischof Reinhard Marx in seiner Predigt in der Christmette im Dom zu Trier.Eine Beziehung zu Gott

Das Faszinierende der christlichen Botschaft sei, "einen Gott zu erfahren, der uns einlädt in eine Beziehung und der uns auf eine menschliche Weise entgegenkommt". Zu einer Begegnung mit Gott könne es nur kommen, "wenn er uns den Weg bahnt". Die Nacht von Bethlehem sei auch ein Weckruf, "aus der Unverbindlichkeit herauszutreten, nicht im Unbestimmten zu bleiben, im Nebel zu stochern und sich nie zu entscheiden im Leben". So verlange die heilige Nacht eine Antwort. "Ohne diese Antwort gibt es keinen kraftvollen Glauben, bleibt der Glaube langweilig". Jene Antwort von neuem zu geben, dazu lud Reinhard Marx die im Dom versammelten Gläubigen ein. Die Menschwerdung Gottes sei das Fundament des Glaubens, betonte der Bischof. Damit sei Weihnachten "das Fest des Lebens". Es begründe die Würde des menschlichen Lebens. Gott beherrsche und dominiere nicht den Menschen, sondern er gebe Freiheit. Dabei erfahre der Mensch, dass es zwar eine Grenze für ihn gebe. Diese aber sei kein Widerspruch zur Freiheit: "Sie ist der Raum der Freiheit." Eine Grenzenlosigkeit der Freiheit würde bedeuten, die Welt ausbeuten, uns selber zu Grunde zu richten und nur den eigenen Egoismus vor Augen zu haben. "Dieser Gott setzt uns in Freiheit und begründet so unsere Würde: Weihnachten denkt groß vom Menschen", betonte Reinhard Marx. Keine andere Botschaft denke so groß vom Menschen, wie die der Heiligen Nacht, erklärte er. Sein ausdrücklicher Wunsch für eine gesegnete Weihnacht galt neben den Christen im Dom allen daheim Gebliebenen, Kranken und Einsamen.