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Das Freibad Mertesdorf wird trotz gelockerter Corona-Bestimmungen in dieser Saison nicht mehr geöffnet.

Trotz Corona-Lockerungen : Freibad Mertesdorf - Das Aus für die Badesaison im Ruwertal

Das Freibad Mertesdorf wird trotz gelockerter Corona-Bestimmungen in dieser Saison nicht mehr geöffnet.

Osburg. Die Sondersitzung des Verbandsgemeinderats Ruwer in der Mehrzweckhalle Osburg hat nur einen Tagesordnungspunkt: „Freibadsaison 2020“. Wegen der Corona-Krise liegt die weiträumige Mertesdorfer Freizeitanlage im Dornröschenschlaf – trotz besten Badewetters.

Die Becken sind leer. Schwimmmeister Dietmar Theis kümmert sich um Pflegearbeiten. Viel mehr gibt es nicht zu tun. Das hätte sich nun ändern können, nachdem das Land auch die Sperrung für Freibäder ab dem 27. Mai unter Auflagen aufgehoben hatte. „Sollen wir öffnen oder nicht“, lautet die große Frage in der Osburger Halle?

Als Entscheidungshilfe präsentiert Bürgermeisterin Stephanie Nickels eine umfassende Darstellung der aktuellen Rahmenbedingungen und das entsprechende Hygienekonzept für Freibäder. Zuvor, so Nickels, habe man mit den Trägern der regionalen Bäder und unter Federführung der Bädergesellschaft die Thematik eingehend vorberaten.

Nickels: „Wir stehen heute vor einer sehr sensiblen und verantwortungsvollen Entscheidung, bei der es weder ein richtig oder falsch gibt.“ Aber sie warnt auch vor überhöhten Hoffnungen: „Nach allen Einschränkungen, Auflagen und geplatzten Urlaubsplänen besteht der tiefe Wunsch nach einem unbeschwerten und ausgelassenen Badbesuch. Diesen Wunsch können können wir nach den aktuellen Rahmenbedingungen so nicht bieten.“

Warum, zeigt der Blick in das für Mertesdorf erstellte, „vorschriftsmäßige“ Öffnungskonzept. Da sind, um nur einige Punkte zu nennen, eine erforderliche Online-Buchung, maximal 120 Beckennutzer gleichzeitig und begrenzte Aufenthaltsdauer, möglicherweise in zwei Schichten, dazwischen wieder Reinigung und Desinfektion.

Sprungturm und Wasserrutsche bleiben gesperrt, Kiosköffnung fraglich. Dazu Abstandsgebote und Einbahnverkehr auf den Wiesen und Wegen, Mundschutz, Eingangskontrolle und Erfassen von Kontaktdaten. Schwimmen ist nur in einer Richtung in markierten Bahnen möglich. Es herrscht Überholverbot, und der/die langsamste vorne gibt das Tempo an. Reinigung und Aufsicht erfordern zusätzliches Personal, das die Stadtwerke Trier aus ihrem geschlossenen Hallenbad stellen könnten. Dem Zweckverband Freibad Ruwertal würden für rund zwei Monate Restsaison Mehrkosten von rund 263 000 Euro entstehen, 186 000 Euro für die Verbandsgemeinde (VG) 76 000 Euro für die Stadt Trier.

Die folgende Aussprache war von wenigen ausführlichen Beiträgen geprägt. Für die SPD plädierten Dirk Bootz und Sybille Rahner für die Öffnung. Das Bad sei eine Daseinsfürsorger für die Menschen, von denen viele auf ihre Urlaubsfreuden hätten verzichten müssen. Dies gelte es in den Fokus zu stellen.

Bootz: „Wir werden nicht die einzigen im Land sein, die ihr Bad wieder öffnen.“ Paul Neumann (CDU) schilderte dagegen einen fiktiven Badbesuch unter den neuen Regeln, beginnend beim Online-Erwerb der Karte, die dann zu einem total gemaßregelten und eingeschränkte Aufenthalt unter ständiger Überwachung berechtige.

Neumann: „Sie wollen rutschen, springen, beachten oder 1000 Meter schwimmen, alles Fehlanzeige.“ Anzumerken sei noch, dass die Öffnung 2020 für nur noch zwei Monate möglich werde. Ob sich dieser Aufwand lohne? Wilfried Forster (FWG) gab das verbleibende hohe Restrisiko einer Öffnung zu bedenken. Forster: „Da ist zweifelhaft, ob dies der Freude und Erholung dient. Und das bei gewaltigen Mehrkosten für gerade zwei Monate.“ Das Abstimmungsergebnis: Gegen die Öffnung 20 Stimmen, acht Stimmen für die Öffnung und zwei Enthaltungen.