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Das Freibad Schweich leidet unter dem ungebetenen Besuch der Wasservögel. Auch in der Vorsaison muss die Anlage ständig mit großem Aufwand gereinigt werden.

Tiere : Wenn Nilgänse das Freibad toll finden

Das Freibad Schweich leidet unter dem ungebetenen Besuch der Wasservögel. Auch in der Vorsaison muss die Anlage ständig mit großem Aufwand gereinigt werden.

Ganz neu ist das Problem nicht: Kommunen mit Freibädern und Grünanlagen in Gewässernähe klagen seit Jahren über die zunehmende Invasion von Nilgänsen. Einst wurden sie als Ziervögel von Afrika nach Europa gebracht. Ent­flogene Exemplare passten sich dem mitteleuropäischen Klima schnell an.

Inzwischen bevölkern Tausende der exotischen Wasservögel die Randzonen vom Rhein und seinen Nebenflüssen. Sie verdrängen dort in aggressiver Weise Graugänse und Stockenten, indem sie sogar deren Jungbrut töten. Anders als diese heimischen Wasservögel fühlen sich Nilgänse auch in Parks und Freibädern wohl, wo sie Mengen von Dreck hinterlassen. Inzwischen hat auch das Schweicher Freibad ein Problem mit diesen Dauergästen.

„Ich arbeite seit fünf Jahren hier im Freibad – da waren die ersten Nilgänse schon da. Es werden aber immer mehr, und sie verhalten sich immer dreister“, sagt Bademeister David Schomer. Anfangs seien meist nur zwei Vögel gekommen, 2017 schon bis zu sieben Exemplare.

Anfang Mai wird das Erlebnisbad in die Saison starten, eine Reinigungskolonne arbeitet in den abgelassenen Edelstahlbecken mit Hochdruckgeräten und Spezialreinigern. Die Nilgänse sind an diesem Morgen nicht da, sie sitzen noch am Schweicher Moselufer. Wer welche sehen will, findet sie meist unterhalb der Brücke oder im Jachthafen.

Kommen sie von dort rüber in das nahe Schwimmbad, geht der Ärger los: Sie bevorzugen die wassernahen Flächen unmittelbar an den Beckenrändern. Dort hinterlassen sie dann im wörtlichen Sinne haufenweise ihren grünen Dreck. Schomer: „Bei wenig Badebetrieb im Sommer muss ich zwei- bis dreimal am Tag den Dreck wieder entfernen. Bei starkem Besucherandrang bleiben die Vögel weg. Dafür kommen sie anschließend in der Nacht. Und dann, am Morgen ...“

Bei der Verbandsgemeinde (VG) Schweich, Eigentümerin und Betreiberin des Erlebnisbades, gelten die Nilgänse längst als Dauerproblem, dessen Intensität von Jahr zu Jahr zunimmt. In einigen Bädern und Parks in Hessen und Rheinhessen wird schon mit dem Jagdgewehr gegen die Eindringlinge vorgegangen.

Für die VG Schweich sei dies noch keine Option, erklärt Büroleiter Wolfgang Deutsch von der Verwaltung – „wir haben derzeit nicht vor, zu schießen“. Eine Jagd auf die Nilgänse ginge im befriedeten Gebiet des Freibades auf jeden Fall mit großen rechtlichen Problemen einher, erklärt Deutsch. Man wolle es daher zunächst mit friedlichen Mitteln versuchen.

Allerdings haben sich die „friedlichen Mittel“ bisher als unwirksam erwiesen. Das gilt auch für den eigens angeschafften „Raubvogel“. Das ist eine Art Kinderdrachen mit Habichtkonturen. Er flattert lustig im Wind neben dem Hauptbecken an einer Drachenschnur, die an einem Mast befestigt ist. Diese Spezial-Vogelscheuche hat die abschreckende Wirkung aller Vogelscheuchen – nämlich gar keine. „Ein paar Minuten lang haben die Nilgänse die Raubvogelimitation aus der Distanz beobachtet. Dann war der Schwindel durchschaut – Wirkung gleich null“, heißt es.

Im nächsten Schritt will die VG eine ferngesteuerte Drohne einsetzen, die den Vögeln aus der Luft aufs Gefieder rücken soll. Deutsch: „Damit soll versucht werden, die Nilgänse ständig zu stören und ihnen den Aufenthalt hier zu vermiesen.“

Die Chancen dazu stehen eher schlecht – denn es gibt schon negative Erfahrungen mit Drohnen. Ein Versuch in Koblenz scheiterte 2016. Im Freibad Koblenz-Oberwerth hatte die Koblenzer Stadtverwaltung im Juli 2016 versucht, der steigenden Nilgansplage mit Drohnen Herr zu werden.

Mehrere Fluggeräte, gesteuert von erfahrenen Piloten im Schichtdienst, verfolgten die Vögel ganztägig. Die aber merkten schnell, dass von der ferngelenkten Fliegerkonkurrenz keine Gefahr drohte. Im Oktober 2017 rückten dann in Oberwerth die Jäger mit der Flinte an. „Tierfreunde“ zeterten – die Mehrheit applaudierte.

Zurück nach Schweich: Betroffen von der Gansplage sind auch Gastronomie, Wohnmobilplatz und der Hafen am Moselufer. Allerdings schränkt Pächter Manfred Kreusch auf Anfrage ein: „Ich habe nicht den Eindruck, dass es in dem Jahr mehr Nilgänse geworden sind. Zurzeit haben wir eher Probleme mit der Masse von Enten auf den Anlegern.“

 Die Verursacher: Ein Nilganspaar dieser Tage am Schweicher Ufer.
Die Verursacher: Ein Nilganspaar dieser Tage am Schweicher Ufer. Foto: Friedhelm Knopp

Und bei den Campinggästen gebe es zwei „Parteien“: Die einen ärgerten sich über den Dreck, und andere fänden die Vögel niedlich. Kreusch: „Trotz ständiger Hinweise und Appelle werden die Tiere immer wieder von uneinsichtigen Gästen gefüttert und zusätzlich angelockt.“