Das Geheimnis der Hungerburg in Trier-Olewig

Geschichte : Das Geheimnis der Hungerburg in Trier-Olewig (Video)

Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Olewig werden mehr als 90 Wohnungen gebaut. Bevor es damit losgeht, haben aber die Archäologen das Sagen. Bis Ende Juni begeben sie sich auf Spurensuche nach dem Geheimnis der Hungerburg.

Es müssen nicht immer römische Funde sein, die Geschichte in Trier interessant machen. Ein Beweis dafür ist derzeit auf dem Gelände des ehemaligen Klosters in Trier-Olewig zu finden. Dort wühlen Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums – zumindest nach Regenfällen – wortwörtlich im Schlamm, um das Geheimnis der Hungerburg zu lüften. Möglich macht das ein Projekt der Eifel-Haus-Gruppe, die in den denkmalgeschützten Gebäuden und in zwei geplanten Neubauten insgesamt 92 Wohnungen schaffen will.

„Weil dafür eine Tiefgarage gebaut wird, haben wir von der Landesarchäologie die Chance, das geschichtlich interessante Areal davor intensiv zu untersuchen“, sagt Joachim Hupe. Der Chefarchäologe in Trier und sein Team sind überzeugt, mehr über die Hungerburg zu erfahren, die in einer Urkunde aus dem Jahr 1440 erstmals erwähnt wird. Demnach war der „Turm zu Geißberg“ mit dem danebenliegenden Gehöft und einem Weiher, Weingärten, Felder, einer Mühle und Gärten damals Teil eines größeren Anwesens. Das wird erstmals sogar schon 1355 erwähnt, als in der Nähe des „Hungersberg“ gelegen. Der sei identisch mit der unter dem Namen Geißberg bekannten Anhöhe gegenüber dem Klostergebäude, ist Hupe überzeugt.

Das Geheimnis der Hungerburg

Der Archäologe glaubt, dass die Bezeichnung Hungerburg sich am Namen eines frühen Verwalters oder Besitzer des Flurstücks orientiert. „In den Quellen findet im 15. Jahrhundert ein Geschlecht ,von der Hungerburg’ Erwähnung, das den städtischen Führungsschichten zuzuordnen ist. Ein Mühlenbetrieb ist auch für die Jahre 1530 und 1620 belegt.“ Das erzbischöfliche Lehnsgut sei im Zuge der Säkularisation in Privateigentum übergegangen. „Nach mehreren Besitzerwechseln wurde es 1832 zum Eigentum der Familie Endres aus Trier, die es schließlich an die Schwestern des Heiligen Borromäus vermacht hat.“ Das heute noch stehende Klostergebäude wurde 1885 als Alten- und Pflegeheim errichtet.

Soweit ist die Geschichte klar. Reste des mittelalterlichen Wohnturms sind im östlichen Flügel des Klostergebäudes verbaut. Auch das erkennen die Experten beim Abgleich mit alten Abbildungen – vor allem der französische Stadtplan Triers aus dem Jahr 1708 ist aufschlussreich – auf den zweiten Blick. Doch wie ist es mit dem darauf sichtbaren Weiher und dem Gebäude, das mitten in dem Gewässer eingezeichnet ist?

Grabungsleiterin Theresa Jürgens ist davon begeistert, was vor allem in den drei vergangenen Wochen ans Tageslicht kam. „Wir untersuchen insgesamt 3650 Quadratmeter des Geländes und waren zunächst etwas enttäuscht, weil zunächst nur ein neuzeitlicher Kanal gefunden wurde, in dem alte Steine verbaut sind. Aber nun haben wir die Reste eines Wehrs ebenso ergraben wie den mit Steinen eingefassten Lauf des Bachs, der im Mittelalter den Weiher gespeist hat.“ Das Fundament des quadratischen Gebäudes inmitten des kleinen Sees ist massiv und liegt geografisch genau dort, wo es in dem alten Stadtplan eingezeichnet ist. Nicht vermerkt ist darin allerdings ein anderes Gebäude, dessen Mauerüberreste nun ans Tageslicht kamen.

Grabungsleiterin Theresa Jürgens und Joachim Hupe begutachten einen Sandsteinblock, der einst wichtiger Teil der Mühle gewesen sein könnte. Foto: Rainer Neubert

„Der Grundriss misst sechs mal sechs Meter“, sagt die 30-Jährige. „Der Boden ist mit Schiefer ausgelegt, was auf eine Nutzung mit Wasser hindeutet.“ Nicht sehr hoch, aber sehr massiv müsse das Gebäude gewesen sein, das den Archäologen Rätsel aufgibt. Denn die Lage stimmt nicht mit dem Gebäude überein, von dem es noch keine Spur gibt: die alte Mühle. Auch Joachim Hupe freut sich über solche unerwarteten Funde. „Wir wussten nicht, was uns erwartet. Die Ergebnisse überraschen. Das rechtfertigt unsere Arbeit, denn so können wir die bisherigen Quellen zur Geschichte neu deuten.“

Foto: TV/Schmitz, Alexandra

Bis das passiert ist, wird noch einige Zeit vergehen. Hupe: „Dank der Unterstützung durch den Investor können wir noch bis Ende Juni graben.“ Mindestens 50 Zentimeter tiefer soll es in dieser Zeit mit Bagger und viel Handarbeit noch gehen. Profile müssen gezeichnet, Fotoaufnahmen so bearbeitet werden, dass jedes Maß dem Original entspricht. Der zusammenfassende Bericht zu den viermonatigen Grabungen wird dann vermutlich im nächsten oder übernächsten Jahresheft des Landesmuseums nachzulesen sein. Möglicherweise wird darin auch das Geheimnis der Hungerburg von Trier-Olewig gelüftet. Von den alten Steinen wird dann aber nicht mehr viel zu sehen sein. Grabungsleiterin Theresa Jürgens: „Bis auf wenige Blöcke wird nach uns vermutlich alles abgeräumt.“

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