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Das Geheimnis des Orpheus-Spötters

Das Geheimnis des Orpheus-Spötters

Er steht auf der Roten Liste bedrohter Tierarten: Der Orpheus-Spötter, in Nordafrika und Südeuropa beheimatet, kommt immer häufiger zum Brüten in unsere Region. Warum, erforschen Trierer Wissenschaftler der Universität Trier. Der TV hat sie auf einer Exkursion begleitet.

Trier-Zewen. Ortwin Elle legt den MP3-Player unter das schwarze Fangnetz. Aus dem Gerät kommt eine Vogelstimme. "Es ist dieses typische zick-zick'. Ich würde den Gesang nie verwechseln", sagt der promovierte Geograf. Elle kennt den grünlich-gelben Singvogel gut: Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Fach Biogeografie an der Uni Trier beschäftigt seit 20 Jahren mit dem Orpheus-Spötter.

Singvogel st seit 1983 in der Trierer Gegend



An diesem Tag will der Ornithologe ihn im Industriegebiet von Trier-Zewen anlocken und fangen - für wissenschaftliche Zwecke natürlich. Elle untersucht, warum einige Vögel auf ihrer Rückkehr zu den Sommerquartieren weit nach Nordosten vorpreschen und in Gebieten wie dem Trierer Raum brüten. Der in der Roten Liste geführte Zugvogel kommt seit 1983 regelmäßig von Mai bis Ende Juli in unsere Gegend.

"Auf die Aufzeichnung reagieren überwiegend die Männchen. Sie wollen ihr Territorium verteidigen", erklärt Jan Engler (25), Biogeografie-Student und einer der Projekt-Teilnehmer. Er hat die Untersuchung vor zwei Jahren initiiert.

Jetzt heißt es abwarten: Mit angehaltenem Atem schaut Elle ins Fernglas, ob der Vogel reagiert. "Hoffentlich haben wir hier mehr Glück als vor zwei Stunden in den Weinbergsbrachen bei Igel. Dort haben die Forscher keinen Vogel gefangen.

"Es ist eine sehr mühsame Arbeit. Manchmal fangen wir in zehn bis 14 Stunden nur drei Vögel", berichtet Elle.

Engler will dem Vogel Blutproben für genetische Untersuchungen entnehmen. "So stellen wir fest, inwieweit die Vögel verschiedener Standorte miteinander verwandt sind."

Endlich: 30 Minuten später zappelt der Orpheusspötter im Netz. Engler nimmt Blut ab. Anschließend wird der Vogel gewogen und gemessen.

Michael Boetzell (27), ebenfalls Geografie-Student, verpasst dem Orpheus-Spötter Ringe mit einer individuellen Farb-Kombination: So ist der Vogel aus der Ferne zu erkennen. Dann darf das Tier wieder davonfliegen.

"Wir haben heute mehrere Farbring-Codes bei Orpheus-Spöttern abgelesen, die wir in den Vorjahren beringt haben", berichtet Elle. Derzeit sei jeder Tag im Feld für das Team wichtig.

Bis die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, brauchen die Forscher noch viel Geduld: Bis es soweit sei, sagt Elle, gingen wohl noch vier bis fünf Jahre ins Land.