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Das hat System in Deutschland

Das hat System in Deutschland

Zum Bericht "Neue Hoffnung für Karstadt - Stadt Trier hilft mit Steuerverzicht" (TV vom 26. Mai):

Es ist schon ein starkes Stück. Einerseits bekommen wir seit Monaten zu hören, wie der Staat - sprich wir kleinen Leute - sparen muss. Und dann muss man lesen, wie auf Steuereinnahmen verzichtet wird. Dann haben die Damen und Herren Stadträte noch die Dreistigkeit, uns mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis vorzuenthalten, wie hoch das Steuergeschenk ist.

Die Stadträte verschenken auch mein Geld. Da habe ich nicht nur das Recht, sondern es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, diese Zahlen erörtert zu bekommen. Dass es sich nicht um eine kleine Summe handelt, liegt auf der Hand. Und die kann die Stadt auch nicht über Friedhofsgebühren kompensieren.

Es kann nicht sein, dass ein Konzern durch Spekulationen Pleite gemacht wird. Die Kommunen verzichten auf Steuergeld, das sie dringend brauchen, um Schulen, Kindergärten und Straßen zu unterhalten. Oder sei es nur, um Schulessen einzuführen. Und dann kauft die Immobilienfirma, die seit Jahren vom Karstadtkonzern viel zu hohe Miete bekommen hat, mit diesem Gewinn den Konzern zurück, von dem sie sich vorher getrennt hatte. Die Mitarbeiter, die bleiben dürfen, werden mit Knebelverträgen ruhiggestellt. Sie verzichten auf vieles, was sie sich hart erarbeitet haben. Ein paar Pfeffersäcke reiben sich den Bauch und spielen Golf. Mir fehlen die Worte. Aber ich fürchte, so wird es kommen. Denn das hat System in Deutschland. Es führt einem vor Augen, warum Politiker immer öfter in die Wirtschaft wechseln. Weil sie neue Horizonte suchen? Mitnichten! Mal sehen, wer sich hier einen Aufsichtsratsposten verdient hat.

Peter Kühn, Temmels

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