Das Hobby zum Beruf gemacht

Das A und O im Leben ist für Marita Hand die Kommunikation. "Mit einem ordentlichen Gespräch lässt sich jedes Problem lösen." Und weil sie mit jedem spricht, ist Marita Hand ein beliebter "bunter Hund" im Stadtteil Pfalzel.

So kennen und lieben die Pfalzeler „ihre Marita“: fröhlich lachend in ihrem „Hobbyraum“. TV-Foto: Christine Cüppers

Pfalzel. (c.c.) Vom Fahrrad herunter ruft sie ein fröhliches "Guten Morgen!" nach links und rechts. Und das, obwohl sie mit ordentlichem Tempo unterwegs ist. Schließlich will Marita noch "was schaffen", bevor in einer halben Stunde die ersten Kunden in den Laden kommen. "Schreibwaren Hand" besteht seit zehn Jahren, Anfang Mai steht das Jubiläum an. Für die Pfalzeler ist dieser soziale Treffpunkt kaum mehr wegzudenken.

"Das Geschäft ist mein größtes und inzwischen fast einziges Hobby", sagt Marita Hand. So selbstverständlich ist die nahezu ungeteilte Beliebtheit der quirligen 47-Jährigen im Ort gar nicht. Schließlich erblickte sie in Ehrang das Licht der Welt. Nach dem Schulabschluss begann sie ihre Ausbildung zur Großhandelskauffrau im Bereich Mineralöl. Sie arbeitete in einer Tankstelle, zapfte Benzin und Diesel, verkaufte Getränke und Zigaretten und prüfte Luftdruck und Ölstand, "wenn Herren das nicht konnten". Nachdem aus einer Übernahme nichts wurde, orientierte sich das Multitalent einfach um und nahm die Arbeitsstellen an, die gerade zu haben waren.

1983 heiratete Marita ihre große Liebe Günther, den sie schon seit Realschulzeiten kannte. "Vier Jahre später fand ich dann mit drei Katzen, einem dicken Babybauch und einem gerade arbeitslosen Mann Asyl in Pfalzel", erzählt sie schmunzelnd. Inzwischen kennt sie nicht nur die allermeisten Einwohner, sondern viele ihrer Vorlieben und Wünsche zum Thema Lieblinszeitschrift, Zigarettenmarke oder Bastelbedarf.

Nach zwölf Jahren Dasein für ihre beiden Töchter Anne und Lisa drehte Marita Hand am 3. Mai 1999 "von null auf tausend". Durch den Vater vorgeprägt, eröffnete sie ihr eigenes Schreibwarengeschäft mit angeschlossener Postagentur. Seither hat sie - zeitweise unterstützt von ihren treuen Hilfen Andrea Busin, Silvia Gouverneur und Brigitte Heß - Zeit und offene Ohren für die Kundschaft. Und die reicht quasi von frühester Kindheit bis hinein ins hohe Alter. Die Kleinen bringen ihr Taschengeld zu Marita und lassen sich gerne beraten, welche Sammelkarten gerade besonders in und cool sind. Und die älteren Herren, der besondere Fankreis der lustigen Kauffrau, sparen selbst am frühen Morgen nicht mit einfallsreichen Komplimenten.

Wenn nach etwa 100 Kunden am Tag, Umräumen der jeweiligen Saisonware, Sortieren und Ordnen noch etwas Zeit übrig ist, dann steigt Marita Hand schon mal in ihre Motorrad-Kluft und auf die flotte Suzuki SV 650. Wie beim Arbeiten lautet aber auch beim Motorradfahren die Maxime: "Zügig, nicht trendelig, aber vor allem mit Kopf."