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Das Homburger Frauenkabarett  hat  450 Zuschauer in der Kenner Mehrzweckhalle begeistert. Doch es gab eine Schreckminute.

Kultur : Gewitztheit sprüht aus jedem Wort

Das Homburger Frauenkabarett hat 450 Zuschauer in der Kenner Mehrzweckhalle begeistert. Doch es gab eine Schreckminute.

In der 130. Minute wird es ernst, sehr ernst. In eigener Sache teilen die fünf Künstlerinnen  mit, dass sie auch mal gerne abends auf dem Sofa sitzen und während Veranstaltungen in der Pause ungezügelt Sekt trinken würden. War die Halle eben noch mit schallendem Gelächter erfüllt, machte sich schlagartig  Mucksmäuschenstille breit. Hören sie auf? War es wirklich das letzte Mal?

Denn die fünf  Saarländerinnen – Heidi Hennen, Silke Müller, Gisela Walter, Ursula Pfeiffer-Anslinger und Birgit Schöndorf –  sind genial: Sie witzeln, rappen, spotten, singen  und machen sich im wahrsten Sinne des Wortes ihren eigenen Reim auf Politik und Alltägliches. Zum 13. Mal waren die Kabarettistinnen  auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Kreis Trier-Saarburg (Vorsitzende Yvonne Mich) zeitnah zum Weltfrauentag  in die Region Schweich gekommen, der Kartenvorverkauf war  ein Selbstläufer.

Die mittlerweile riesige Fan-Schar an der Mosel, darunter Bundesjustizministerin Katarina Barley, weiß um einen grandiosen Abend: Da tratschen und klatschen Gerda und Hedwig (Ursula Pfeiffer-Anslinger, Birgit Schöndorf) himmlisch-bitterbös. Im neuen Programm über das Schäferstündchen der Nachbarin mit Dachdecker Bach.  Bekannte Schlager  werden witzig verdreht: Aus Udo Jürgens „Merci Chérie“ etwa wurde „Merci,  Siri“ –  ein herrlich-spöttisches  Lied über „die  junge, gutaussehende, allwissende Frau mit blecherner Stimme, die in ihrem Smartphone wohnt“ (Silke Müller im weißen Bademantel).  Zum neuen Programm gehören auch die beiden über „exkrementielle Fragen“ wie „Life after After“, „Was, wenn ein  Crémant-Tsunami in den Dickdarm gelangt?“ oder „Nah-Klo-Erlebnisse“ philosophierende Darmbakterien (Silke Müller und Gisela Walter) und ein liebevoller Brief von Gisela Walter an Wabbel, „dem dicken Polster für wertvolle innere Organe“.

Für ihre immer mal wieder in scharfsinnige Reime verpackten Wortspielereien  liebt das Publikum die gewitzten Saarländerinnen: „Hartmut mag Almut wegen ihrer Anmut? Nein, wegen seinem Saatgut.“ Und beim 40-jährigen Klassentreffen wird über alle gelästert, was der Reim hält:  Dorothee hat Hammerzeh, Ann-Kathrein ein Raucherbein, Christiane kam schon mit Fahne. Auch Politiker bekamen ihr Fett weg, allerdings dosierter  als in den Jahren zuvor. Gesellschaftskritisch rappten „Alt“ und „Jung“ („Alter kostet, Jugend rostet“, „Jugend wirft alles weg, Alter hebt auf jeden Dreck“ oder „Jugend verschwendet, Alter verendet“).

Gag jagte Gag, das Publikum krümmte sich vor Lachen. Und die erlösende Nachricht nach der Schreckminute: Das Homburger Frauenkabarett macht weiter. Sie könnten nicht ohne das Publikum, begründeten sie  – und das Publikum nicht ohne sie.

Nach im Stehen dargebrachtem  Beifall, einem Dank an Iris Hess und die AG sowie an „Lieblingstechniker“ Alwin Thieltges bejubelten die Männer und Frauen „Die Sach mit dem Herrn Bach und der Frau Flach“. Denn ohne Zugabe und den Klassiker ließen die „Kenner und Kennerinnen“ die fünf nicht von der Bühne.

Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Frauennotruf Trier zugute. Frauen, die von sexueller Gewalt bedroht sind oder sexuelle Gewalt erfahren haben, können sich an den Frauennotruf wenden.
Weitere Informationen:
www. frauennotruf-trier.de