Das ist der Hammer

Immer was zu tun: Das steht auf einem Hammer, den ich an Weihnachten im letzten Jahr geschenkt bekommen habe. Da liefen die Werbeartikel rund um Luther und das 500. Jahr der Reformation schon auf Hochtouren.

Ein freundlicher Zeitgenosse kam auf die Idee, mir so einen Hammer zu schenken. Er leistet gute Dienste beim Heimwerken, ist stabil und durch die Aufschrift natürlich etwas Besonderes. Und er erinnert natürlich an den berühmten "Anschlag" der 95 Thesen Martin Luthers am 31.10.1517 in Wittenberg.Der Reformator hat darin seiner Kirche mal so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Auch wenn er wohl keinen Hammer benutzt hat. Denn die Thesen wurden an diesem Tag einfach veröffentlicht. Aber was er zu sagen hatte, war für damalige Verhältnisse schon der Hammer. Es hat die Kirche in Aufruhr gebracht und wachgerüttelt. Dass sich auch nach 500 Jahren viele mit eigenen Thesen überlegen, was sie von der Kirche heute erwarten, ist gut so.Und mein Weihnachtsgeschenk geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Ich finde, der Aufdruck passt nicht. Er ist mindestens missverständlich. Wir haben zwar auch heute noch mit der Erneuerung der Kirche tun. Aber immer was zu tun ist doch nicht evangelisch. Also nicht im Sinne des Evangeliums, dem guten Wort vom guten Gott. Gegen Leistungen, die einen als Mensch definieren, hat Luther doch damals angekämpft. Und deutlich gemacht, dass der Mensch mehr ist als das, was er tun oder leisten kann.Und das gilt heute auf andere Weise genau so wie früher. Meist gilt: Nur wenn ich gute Leistungen bringe, werde ich wahrgenommen. In der Schule, im Beruf, sogar im Privatleben. Wer die besten Noten hat, das meiste Geld verdient, die meisten Likes hat, ist gut dran. All das macht mich aber nicht zum Menschen. Schon gar nicht bei Gott. Die Entdeckung vor 500 Jahren war die: Ich bin auch ohne meine Noten, mein Geld, meine Likes ein Mensch. Gott liebt mich, so wie ich bin. Diese Botschaft ist der eigentliche Hammer. Kolumne Glaube im Alltag