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"Das ist gelebte Gemeinschaft"

"Das ist gelebte Gemeinschaft"

TRIER-HEILIGKREUZ. Gelebte Gemeinschaft: In Heiligkreuz halten immer wieder neue Impulse das Leben am Laufen. Auch wenn noch nicht viel von Seiten der Stadt umgesetzt wurde, so hat sich seit der Bürgerbeteiligung zum Stadtteilrahmenplan sehr viel in Trier-Heiligkreuz getan. Was unterscheidet die Bürgerbeteiligung zum Stadtteilrahmenplan von anderen Trierer Ortsteilen?

In Irsch herrscht derzeit die Meinung, dass die gemeinsame Arbeit zum Stadtteilrahmenplan "im Sande verlief" (der TV berichtete). In Heiligkreuz läuft die Bürgerbeteiligung heute noch - allerdings hat sie sich verselbstständigt. Aus den damaligen Arbeitsgruppen - zu den Themen Mobilität, Gemeinwesen und Arbeiten, Wohnen und Gewerbe - entstanden neue Gemeinschaften. Da wurden Baumpatenschaften auf dem ehemaligen Landesforschungsanstaltsgelände übernommen, eine Anti-Graffiti-Gruppe entstand und vor allem gründete sich der Bürgerverein, in dessen Satzung das Ziel gesetzt wurde, die Vorschläge aus dem Bürgergutachten umzusetzen.Zufrieden? Jein!

Georg Kohr, 2003 in der Arbeitsgruppe Mobilität und heute im Vorstand des Bürgervereins, antwortet auf die Frage, ob er zufrieden mit der Umsetzung der damaligen Vorschläge sei, "mit einem klaren Jein". Er erläutert: "Ich war ganz erstaunt, dass unsere Vorschläge fast eins zu eins in den späteren Stadtteilrahmenplan einflossen. Es gab nur geringfügigste Änderungen." Er sieht das Problem vor allem darin, dass alles, was mit Verkehr zu tun hat, Geld kostet. "Hier müssen wir realistisch bleiben. Es mag im Rahmenplan stehen - aber wirklich umgesetzt wurde eigentlich noch nichts." Im Gegenteil: Das Bürgergutachten damals wies ausdrücklich auf die desolate Verkehrslage hin. Und die würde nun leider durch die Ansiedlung des Aldis in der Wiesportstraße noch schlechter. "Nichts gegen Aldi", überlegt Kohr, "ich freue mich selbst darüber. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Gerade die Situation an den großen Straßen Straßburger-, Metzer- und Hans-Böckler-Allee, die wir entschärfen wollten, wird nun schlimmer." Es kämen ja nicht nur Fußgänger zum Aldi, sondern zusätzliche Käufer aus den benachbarten Stadtteilen. Heiligkreuz hat ungewöhnlich viele ältere Einwohner. Während im gesamten Trierer Stadtgebiet der Anteil der über 60-Jährigen 2003 bei 23,2 Prozent liegt, beträg er hier 33,1 Prozent. Das warf besondere altersspezifische und generationenübergreifende Fragen auf. In der Folge wurden zwei weitere Projekte von den Heiligkreuzern aus der Taufe gehoben: das Stadtteilcafé sowie die Kontaktbörsenpinnwand. Maßgeblichen Anteil an diesen beiden "Kindern der Bürgerbeteiligung" hat Ulrike Konz. Die 49-Jährige erklärt: "All das lässt sich nur im Team verwirklichen. Und hier haben sich eben viele Leute mit viel Engagement eingebracht. Man kann in Heiligkreuz wunderbar leben, dann tut man doch auch etwas für den Stadtteil, den man liebt." Die Kontaktbörsenpinnwand, die in Schulen, Kindergärten, Cafés und Schreibwarenläden aushängt, soll Menschen zusammenbringen, die sich sonst nur per Zufall getroffen hätten. "Da ist es egal, ob man jemanden sucht, der zum Walken mitgeht oder Strümpfe stricken kann", erzählt Konz. Das Gleiche gelte für das Bürgercafé. Sein Angebot geht von Kräuterwanderungen über Solarenergie, Lesungen, Musik, Traumdeutung, Scherenschnitte bis zu Stadtteilführungen. "Das ist gelebte Gemeinschaft", so Konz. "Der größte Erfolg der Bürgerbeteiligung ist, dass die Bürger interessierter werden, auch wenn die Beteiligung nicht sofort in ein konkretes Projekt seitens der Stadt führt." Die Erfahrungen mit dem Bürgerverein gebe man auch gerne weiter. Der Bürgerverein ist im Internet unter www.bv-heiligkreuz.de präsent. Wie kann man 100 000 Euro Eigenmittel loseisen? In der nächsten Folge blickt der Trierische Volksfreund auf die Bürgerbeteiligung in Trier-Zewen.