Das ist kein normales Konzert: Die monatlichen Jazz-Jam-Sessions im Miss Marples tauchen die Musikrichtung in ein ganz neues Licht. Hier darf jeder spielen – und das funktioniert erstaunlich gut.

Musik : Ein Abend wie eine Wundertüte

Das ist kein normales Konzert: Die monatlichen Jazz Jam Sessions im Miss Marples tauchen die Musikrichtung in ein ganz neues Licht. Hier darf jeder spielen – und das funktioniert erstaunlich gut.

Jazz ist dieses Gedudel, das meist im Fahrstuhl läuft oder dezent im Hintergrund bei Omas jährlicher Gartenparty, richtig? Falsch! Wie falsch dieses Vorurteil ist, beweisen die Jazz Jam Sessions, die an jedem letzten Donnerstag des Monats im Miss Marples stattfinden. Hier darf jeder auf die Bühne, der ein Instrument spielen oder singen kann und Spaß am Jazz hat. Organisiert vom Jazzclub Trier, sorgen diese Improvisations-Events regelmäßig für ein volles Haus.

Jens Weisbrod kellnert häufig im Marples. „Jazz zieht immer viele Leute an, und dann sieht es hier so aus.“ Er deutet auf die vollbesetzten Tische und Thekenplätze. Die Gäste unterhalten sich, blicken aber immer wieder in die Ecke, in der sich die Musiker richten, absprechen und ihre Instrumente stimmen.

Bei dieser Session sind Bass, Keyboard, Schlagzeug, Alt-Saxofon und Trompete vertreten. Theoretisch könnte man als Sänger oder Triangel-Spieler selbst dazustoßen. „Die Mischung der Instrumente und die Improvisation machen den Reiz des Jazz aus. Davon lebt er“, sagt Nils Thoma, Vorsitzender des Jazzclubs. „Eine Jazzsession ist wie das Leben: Man weiß nie, was passiert.“

Der Schlagzeuger zählt ein, und wie auf Knopfdruck ergibt sich ein Klanggefüge, das sich harmonisch in die Umgebung und die Kneipe einfügt. Der Saxofonist signalisiert mit einer knappen Kopfbewegung einen Tempowechsel, kurz darauf setzt der Bassist nach einem rückversichernden Blick in die Runde zum Solo an.

Währenddessen strömen immer wieder neue Musiker mit Instrumentenkoffern in verschiedenen Größen herein. Sie alle wollen die nächsten sein. „Das hier ist kein normales Konzert. Da würde man sich vorher kennen und proben. Hier muss alles in dem Moment auf der Bühne passieren“, sagt Hendrik Wisbar, langjähriges Mitglied des Jazzclubs. „Viele der Musiker begleiten wir über Jahre.“ Wisbar schaut zu einem jungen Trompetenspieler hin. „Vincent Pinn kenne ich zum Beispiel schon ewig. Damals konnte er nur zwei Tonleitern spielen. Heute ist er in Saarbrücken an der Hochschule für Musik.“

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Vincent Pinn spielt ein explosives Solo, mal leise herantastend, mal forsch und dominant. In der anschließenden Spielpause erzählt er, worin für ihn der Reiz der Sessions liegt: „Gerade im Jazz hat man große Freiräume, die man mit Ideen füllen kann, und das brauche ich bei meiner Musik. Außerdem lerne ich so immer wieder neue Menschen kennen.“

Als er von der Bühne geht, macht sich schon der nächste Trompeter für seinen Auftritt bereit. Sie alle zeigen dem Publikum, dass Jazz vieles ist – Energie, Kompromiss und Spaß an der Sache, aber sicher nicht nur langweilige Fahrstuhlmusik.

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