Das kleine Viez-ABC

Im kleinen Viez-ABC des Trierischen Volksfreundes erfahren Sie alles, was sie über das Trierer Nationalgetränk wissen sollten. Zudem bietet sich das Viez-ABC nicht für Zugewanderte, sondern auch für gebürtige Trierer als nützliches Nachschlagewerk an.

A wie Apfel

Grundsätzlich kann Viez aus jedem Apfel hergestellt werden. Je nach Sorte variiert aber der Geschmack. Während Tafeläpfel zwar gut zum Verzehr sind, sind typische Mostäpfel säuerlicher, eher klein, und sie haben harte Schalen. Verbreitet zur Viezherstellung in der Region Trier sind sind Holzäpfel wie der Porzenapfel sowie der rote und weiße Trierer Weinapfel.B wie Birne

Reiner Birnenviez wird kaum noch produziert – ihm wird eine stark abführende Wirkung nachgesagt. Es gibt aber nach wie vor Viezproduzenten, die den Äpfeln einen Teil Birnen zusetzen.

C wie Cidre

Die französische Bezeichnung für Apfelwein. Die moussierenden Apfelweine, vor allem aus der Normandie, werden aus verschiedenen Apfelsorten vergoren.

D wie Darm

Zu viel Viez hat mitunter durchschlagende, also abführende Wirkung. Was bei Verstopfung durchaus erwünscht sein kann, kann Ärzten zufolge aber auch bis zum Durchfall führen. Bei Darmerkrankungen sollte man den Viezgenuss besser unterlassen, raten Gesundheitsexperte – das gilt aber auch für alle anderen alkoholischen Getränke.

E wie Eisviez

Eine ungewöhnliche Idee, die 2002 in Fisch bei Saarburg geboren wurde. Michael Winter und Roland Lutz haben analog zum Eiswein schon mehrfahr Eisviez produziert. Sie ließen dazu die Äpfel bis nach dem ersten Frost am Baum hängen und kelterten erst im Dezember. Ergebnis: der Most hatte über 100 Grad Oechsle, fast doppelt so viel wie normaler Most. Der fertig vergorene Viez schmeckt besonders fruchtig.

F wie Feste

Das weit und breit größte Viezfest wird an jedem ersten Oktoberwochenende im saarländischen Merzig gefeiert. Es zieht 40.000 bis 50.000 Besucher an. In der Region Trier ist das mit Abstand größte Viezfest das alle zwei Jahre stattfindende Viezfest in Fisch in der Verbandsgemeinde Saarburg, bei dem in diesem Jahr 4000 Besucher gezählt wurden. In Merzig wird eine Viezkönigin gekürt, in Fisch ein Königspaar (-> Königinnen). Zum Fest gehören außerdem eine Viezprobe und ein Umzug durchs Dorf, der in diesem Jahr über aus 50 Fußgruppen und Motivwagen bestand. Zahlreich sind mittlerweile auch die Viezpartys, die größten gibt es in Klüsserath (VG Schweich), Kesten (VG Bernkastel-Kues) und Landscheid (VG Wittlich-Land)

G wie Gärung

Macht Traubensaft zu Wein oder Apfelmost zum Viez. Gärung ist ein biochemischer Prozess, bei dem Zucker angeregt durch Hefen in Alkohol umgewandelt wird. Je weniger Zucker im Most vorhanden ist, desto schneller läuft die Gärung. Beim Viez dauert sie zwischen drei und sechs Wochen. Im Herbst produzierter Most ist daher zumeist Ende November, Anfang Dezember trinkfertig.

H wie Hefe

Beim Hobby-Viez-Produzenten reichen die natürlichen Hefen im Apfel, um den Gärprozess in Gang zu setzen. Profi-Viez-Bauern setzen wie Winzer auch spezielle Hefen zu (im Weinbau gibt es über 100 verschiedene), die die Gärung beschleunigen. Die Hefe setzt sich während der Gärung im Viezfass ab. Wenn der Viez vergoren ist, wird er von der Hefe genommen, die Hefe also aus dem Fass entfernt.

I wie International

Was dem Trierer sein Viez ist dem Hessen sein Äbbelwoi. Doch auch international gibt es diverse Varianten des Apfelweins. In Nordspanien, vor allem in Katalonien, wird er unter dem Namen Sidra gekeltert im Baskenland heißt er Zagardua. In Frankreich kommt Cidre in den Keller, in Großbritannien, den USA und Irland Cidre. In Österreich und der Schweiz firmiert der vergorene Apfel- und Birnensaft wie in Teilen Süddeutschlands schlicht als Most.

Internet: Im Internet gibt es bisher nur vergleichsweise wenige Informationen über Viez. Einen umfangreicheren Eintrag dazu gibt es im Internet-Lexikon Wikipedia. Außerdem nutzen einige Viezhersteller, die Viezfeste und die Viezpartys das Web, um für sich zu werben. Auch in den Sozialen Netzwerken haben sich schon Viez-Freunde zusammengetan. Im Netzwerk wer-kennt-wen gibt es beispielsweise so illustre Gruppen wie „Dem Viez sei Dank“ (63 Mitglieder), „Eifeler Viez ist Medizin“ (105 Mitglieder) oder „Viez für die Welt“ (640 Mitglieder). Alle Informationen aus der TV-Themenwoche Viez stehen nach Abschluss der Veröffentlichung unter www.volksfreund.de/viez zur Verfügung.

J wie Jahrgang

Gute Jahrgänge, weniger gute Jahrgänge, ein Jahrhundert-Jahrgang - eine ähnliche Unterscheidung wie beim Wein gibt es beim Apfelwein bisher eher nicht. Zwar gibt es sehr unterschiedlich gute oder schlechte Apfeljahre - aber die Unterscheidung bezieht sich meist eher auf die Menge des zur Verfügung stehenden Obstes. Dass man Viez nicht über Jahre vergleichen kann, liegt auch daran, dass er nicht über Jahre gelagert wird, sondern in der Regel gilt: Wenn die Äpfel im Herbst reif werden, ist es höchste Zeit, die Fässer des Vorjahres zu leeren. Bei den hessischen Äbbelwoi-Herstellern ist die Regel überliefert, dass der Apfelwein seinen Geburtstag nicht erleben dürfe.

K wie Kalorien

Viez gilt als besonders kalorienarmes Getränk. Im Schnitt erhält ein Viertelliter 80 bis 100 Kalorien. Zum Vergleich: die gleiche Menge Pils schlägt mit 125 Kalorien zu Buche, ein Mosel-Kabinett mit 167.

Kelter: Das Wort Kelter kommt vom lateinischen calcatorium „Fußtretung“

Königinnen: Im saarländischen Merzig werden beim Viezfest eine Viezkönigin und zwei Viez-Prinzessinnen gekürt. Ganz wie die Kolleginnen Weinmajestäten muss sich die Viezprinzessin in einem Wettkampf mit Fachwissen über Viez und die Region beweisen. Derzeit amtiert die 21-jährige Zahntechnikerin Lisa Serf als Königin mit den Prinzessinnen Maria Chiapparo und Vanessa Bienko. Auch der Trierer Stadtteil Kernscheid hatte lange eine Viezkönigin, die Tradition ist aber wieder eingeschlafen. Weinmajestäten gibt es immer noch in Fisch bei Saarburg, einer echten Viezmetropole. Dort regieren in diesem Jahr die Majestäten Petra und Armin mit dem Apfelzepter.

L wie Limo

Gehört so etwas süßes wie Limo oder gar Cola in den Viez? Puristen sagen nein und verziehen schon beim Viez-Sprudel missbilligend das Gesicht. Gerade für Jüngere macht das Versüßen den Viez aber eigentlich erst trinkbar. Prognose: Ähnlich wie beim hessischen Äbbelwoi, wo heute schon diverse Säfte unter den Wein gemixt werden, wird auch der Viez in immer mehr Varianten genossen werden.

M wie Most

Während in Süddeutschland Most teilweise gleichbedeutend mit Apfelwein ist, ist mit Most in hiesigen Breiten das Ausgangsprodukt des Viezes gemeint, also der aus den Äpfeln gepresste Saft. Erst wenn der Most vergoren ist, wird er zum Viez.

N wie Name

Woher hat der Viez seinen Namen? Viez komme aus dem Lateinischen von „vize“ also „an Stelle von“, lautet die gängigste Erklärung. Begründung: Viez sei fürs Volk der Weinersatz gewesen. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Auch das lateinische „vetus“ wird angeführt. Es bedeutet alt und würde damit einen Gegensatz zum „mustum“, dem jungen Most darstellen. Der Sprachwissenschaftler Johannes Kramer spricht sich aber für das lateinische „faex“ als Ursprung des „Viez“ aus. Faex bezeichnete zunächst die Weinhefe, dann aus Weinhefe per Aufguss hergestellen minderwertigen Wein, dann minderwertigen Wein allgemein und schließlich Obstwein. (mic)

O wie Oechsle

Oechsle: In Grad Oechsle wird das Mostgewicht gemessen, das ist der Anteil der gelösten Stoffe im Most – hauptsächlich des Zuckers. Ein mittlerer Weinjahrgang hat 70 bis 80 Grad Oechsle. Beim Viez liegt das Mostgewicht zwischen 40 und 70 Grad Oechsle.

P wie Porz

Was dem Bayer sein Humpen ist dem Trierer seine Porz. Name kommt von Porz-ellan und ist aus ebensolchen. Hält den Apfelwein besonders gut kühl und fasst 0,4 Liter. Größter einheimischer Produzent sind die Gebrüder Plein in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm), die jährlich 7000 Stück herstellen, zu erkennen am GPS-Logo am Boden.
Probe: Weinproben gibt es wie Sand am Meer, Viezproben sind eher selten. Die mit Abstand größte gibt es beim Viezfest in Fisch (Kreis Trier-Saarburg)

Q wie Qualität

Wie beim Wein so gibt es beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel mittlerweile auch Qualitätsprüfungen für Viez. Jeder Produzent kann seinen Apfelwein dazu anmelden. Die DLR-Experten machen eine sensorische Prüfung, bewerten also beispielsweise Geruch, Geschmack und Harmonie auf einer Punkteskala. Die besten der jährlich 40 bis 50 Proben werden ausgezeichnet und können mit der DLR-Qualitätsurkunde für sich werben.

Quant: Trierischer Ausdruck höchster Zufriedenheit, der beim Viez der oben beschriebenen Qualitätsauszeichnung entspricht.

R wie Reife

Für die Viezzubereitung ist der richtige Reifezeitpunkt der Äpfel entscheidend. Runter vom Baum müssen sie, wenn sie vollreif sind – das kann je nach Sorte zwischen August und Oktober sein. Reif sind sie, wenn die ersten Bäume vom Baum fallen, sich die übrigen leicht vom Baum schütteln lassen und sie noch nicht überreif sind.

S wie Straße

Dem Viez ist die Viezstraße gewidmet (Route du Cidre), die von Konz bis nach Saarlouis führt und dabei Viezhochburgen wie die kleine Gemeinde Fisch bei Saarburg oder Merzig berührt. Die Viezstraße ist eine Ferienroute, die verschiedene Sehenswürdigkeiten des Saargaus verbindet und zugleich die von den einheimischen Bauern hergestellten Produkte vorstellt.

T wie Trester

Trester ist der ausgepresste Apfel, also das, was übrig bleibt, wenn die Frucht aus der Kelter fällt. Der Apfeltrester wird zur Düngung in der Landwirtschaft verwandt, teils auch von Bauern verfüttert.

U wie Unternehmen

Darüber, wie viele Unternehmen sich mit Viez beschäftigen oder welche von ihnen vom Viez leben, gibt es keine Zahlen. Das liegt vor allem daran, dass für große wie kleine Safthersteller oder Winzer der Viez meist ein Nebenprodukt ist.

V wie Vitamine

Im Viez enthalten sind die Vitamine A, B1, B2 und C – ein Grund, warum der Apfelwein als (vergleichsweise) gesundes Getränk angesehen wird. Der Anteil der Vitamine variiert von Apfelsorte zu Apfelsorte.

W wie Weingesetz

Weinähnliche Getränke dürfen laut dem aus dem Jahr 1930 stammenden Weingesetz eigentlich nur so bezeichnet werden, dass die darin vorkommenden Stoffe klar werden. Als Viez dürfte dieser also streng genommen gar nicht vermarktet werden, sondern nur als Apfelwein.

Z wie Zucker

Der Zuckergehalt der bei der Viezherstellung verwendeten Äpfel bestimmt den Alkoholgehalt. Denn die Gärung des Viezes ist nichts anderes als Umwandlung von Zucker in Alkohol. Je weniger süß die Äpfel sind, desto schneller ist die Viez-Werdung im Herbst abgeschlossen. Im frisch gepressten Most liegt der Zuckergehalt zwischen 9 und 19 Gramm pro Liter (40 bis 80 Grad Oechsle), nach der Gärung bleiben noch zwei bis vier Gramm übrig – ein Grund, warum der Viez als „Diabetiker-Getränk“ gilt.

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