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Ihre Meinung: Das klingt nach Hinhaltetaktik

Ihre Meinung : Das klingt nach Hinhaltetaktik

Infrastruktur

Zum Artikel „Kita gesperrt – Kinder aus Trier-Ruwer müssen weiter nach Waldrach“ (TV vom 18. Februar) über die derzeitige Standortverlagerung der Kita Trier-Ruwer:

Als Mutter von zwei Kindern im Alter von drei und sechs Jahren ist meine Familie unmittelbar betroffen. Beide Jungen erleben ihre Kinderzeit mittlerweile in Gänze in der gegenwärtigen Auslagerungssituation. Quasi von heute auf morgen mussten die Kinder im Februar 2015 ihre vertrauten Räumlichkeiten aufgrund von Schimmelbefall verlassen. Ein Problem, das sich bereits mit den diversen Umbauten am Gebäude des Kindergartens Fachleuten und zuständigen Verantwortlichen hätte andeuten müssen.

Das Ausweichquartier in Waldrach: ein Bau aus den 70ern, die Räume bei Weitem zu klein für 76 Kinder, der Schallschutz katastrophal, die sanitären Anlagen längst sanierungsbedürftig. Die Gestaltung des Außengeländes ist in weiten Teilen der Initiative des Kita-Fördervereins zu verdanken, ebenso der Kauf dringend benötigter Teppiche, die zur Grundausstattung eines Kindergartens gehören. Dieser Kindergarten liegt –  wohl wortwörtlich – im Schatten der Pfarrkirche St. Laurentius in Waldrach, in Sichtweite des Pfarrers.

Was als Übergangslösung kommuniziert wurde, ist nun schon seit vier Jahren Realität. Es werden noch weitere fünf Jahre sein, so die Einschätzung einer ortsansässigen Politikerin. Eine Fertigstellung  des Neubaus in Ruwer im „ersten Halbjahr 2021“ klingt nach der üblichen Beruhigungs- und Hinhaltetaktik der Verantwortlichen des Bistums und der Stadt, wie sie die betroffenen Familien schon seit Jahren zu hören bekommen.

Statt transparenter Informationspolitik und zielführenden Handelns erfahren wir auf unsere zahlreichen Anfragen nur gegenseitige Schuld- und Zuständigkeitszuweisungen.

Das Ergebnis ist Stillstand und Schulterzucken. Am Ende bleiben Eltern, die tagtäglich 12 Kilometer zur Kita fahren müssen, und drei- bis sechsjährige Kinder, die bei schlechter Witterung schon mal vergeblich auf den Bus warten.

Wir selbst mussten uns für die Fahrt von Ruwer zum „beinahe in Sichtweite“ gelegenen Waldracher Kindergarten extra einen Zweitwagen anschaffen. Kosten, die in keiner städtischen Haushaltsdebatte auftauchen – klar, weil diese Art Kosten von duldsamen Eltern geschultert werden.

Der Fall des Kindergartens in Ruwer steht symptomatisch für eine kurzsichtige Sparpolitik und  jahrelange Vernachlässigung der Kindergärten und Schulen. Aber er ist auch ein Armutszeugnis für das Bistum Trier, das als eines der reichsten in Deutschland gilt.