Das Land Rheinland-Pfalz ermittelt zurzeit, wie viel der Verkauf der Weinbaudomäne Avelsbach einbringen kann.

Weinbau : Weinbaudomäne Avelsbach: „Nicht um jeden Preis verscherbeln“

Wie hoch ist der Wert der Weinbaudomäne Avelsbach? Das Land Rheinland-Pfalz ermittelt zurzeit, wie viel der Verkauf des staatlichen Betriebs einbringen kann. Ein Plan, der von vielen Seiten hart kritisiert wird.

Die staatliche Weinbaudomäne Avelsbach steht zum Verkauf. Sie ist in der Region Trier die letzte Einrichtung ihrer Art, die ehemaligen Staatsdomänen Ockfen und Serrig in der Verbandsgemeinde Saarburg sind längst in privaten Händen. „Aktuell wird noch die Wertermittlung für die landwirtschaftlichen Ertragsflächen der Domäne Avelsbach durch einen unabhängigen Gutachter durchgeführt“, sagt Markus Ramp, ein Sprecher des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung in Mainz. „Dieser bestimmt den Wert der einzelnen Weinbergsflächen anhand des Alters und Zustands der Rebstöcke, der Neupflanzungen und  jeweiligen Rebsorten.“

Die staatliche Weinbaudomäne Avelsbach umfasst 31 Hektar Weinberge vor allem in den Trierer Stadtteilen Kürenz und Olewig. Dazu gehören der Trierer Deutschherrenberg, der Trierer St. Maximiner Kreuzberg und der Avelsbacher Hammerstein. Die dominierende Rebsorte ist der Riesling. „Wir gehen davon aus, dass das Exposé in diesem Jahr fertiggestellt wird“, sagt Ramp. „Danach wird das Bieterverfahren eingeleitet.“

Der Verkauf des 1896 gegründeten Musterbetriebs, der durch fortschrittliche und rationelle Methoden Trends im Weinbau und in der Kellerwirtschaft setzen sollte, scheint trotz aller Kritik unaufhaltsam. Das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich hat die Domäne zwar seit 2016 gepachtet, will aber raus aus diesem Vertrag, und zwar so schnell wie möglich. „Das ist so und wird auch so bleiben“, sagt Prokurist Volker Emmrich dem TV. Der Hauptgrund: Die Umstellung auf eine ökologische Produktion und Biowein, seit 2013 ein erklärtes Ziel des Landes Rheinland-Pfalz, ist nicht rentabel, die Domäne verursacht nach Angaben des Sozialwerks Verluste in mittlerer sechsstelliger Höhe pro Jahr.

Der Pächter will raus, das Land will verkaufen – doch die Kritik an diesem Plan ist massiv. Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) und Walter Clüsserath, der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes, haben bereits Mitte Juli in einem gemeinsamen Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) protestiert (der TV berichtete). Offenbar ohne Erfolg. Viele Reaktionen von TV-Lesern zeigen seitdem, dass die Domäne Avelsbach ein sehr emotionales Thema ist.

Rentabilität und Umsatzhöhe, so der Tenor der Debatte, dürfen eben nicht die einzigen entscheidenden Größen in einem staatlichen Musterbetrieb sein. „Zieht sich der Staat mehr und mehr aus der Verantwortung und seiner Führungsaufgabe zurück, wird sich der Bürger irgendwann fragen: Warum brauche ich diese Institution noch?“, schreibt Norbert Weirich aus Ensch. „Wann werden unsere gewählten Diätenbezieher endlich erkennen, dass es immaterielle und ideelle Werte gibt wie Bildung, Pflege, Forschung und Betreuung, die nicht mit der Logik der Finanzmärkte gemessen werden können?“, fragt Agnes Busemeyer aus Mertesdorf. Zwei von vielen Stimmen.

Zu diesen Stimmen gehört auch die von Bernd Michels. Der Kriminalbeamte im Ruhestand und CDU-Ortsvorsteher des Stadtteils Kürenz setzt seine Hoffnung in den noch aktuellen Pächter, das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich.

„Der Pächter hatte unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, die Domäne erfolgversprechend zu betreiben“, sagt Michels. Der Bioweinbau sei dagegen gescheitert. „Es ist sicherlich kein Fehler, sich davon zu verabschieden, um eine wirtschaftlich tragfähige Lösung zu finden.“

Falls das Sozialwerk jedoch wirklich aus der Domäne aussteigen will, und danach sieht es zurzeit aus, fordert Michels: „Die Domäne Avelsbach hat eine einzigartige landes- und kulturgeschichtliche Bedeutung, man darf sie nicht um jeden Preis verscherbeln. Alle Verkaufsverhandlungen müssen mit dem eindeutigen Ziel geführt werden, die Domäne als Gesamteinrichtung zu erhalten und weinbaulich zu nutzen.“ Das Bieterverfahren wird wohl 2019 beginnen – dann wird sich zeigen, wer Interesse an den Lagen der Domäne hat und was er mit diesen anstellen will.

Eine Idee dazu hat TV-Leser Harald Schöffling aus Trier. „Jetzt bietet sich der Weinstadt Trier die Gelegenheit, ein Stadtweingut einzurichten, das vor Jahren schon einmal im Fokus stand. Als Geschenk von Hand zu Hand würde die Stadt den Kaufpreis von einem Euro gerne aufbringen.“ Die Stadt Trier hat sich dazu noch nicht geäußert. Der Verkauf des staatlichen Betriebs ist zwar Sache des Landes, aber Trier ist dennoch betroffen – denn noch steht nicht fest, ob ein Käufer und Investor die Flächen der Domäne in Olewig und Kürenz weiter für den Weinbau nutzen oder daraus etwas völlig anderes machen kann.

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