Das Landgericht Trier hat den Prozess gegen einen 35-Jährigen fortgesetzt, dem besonders schwere Brandstiftung in Quint vorgeworfen wird.

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess : Brandstiftung in Trier-Quint: Zeugin schildert Katastrophen-Szenario

Das Landgericht Trier hat den Prozess gegen einen 35-Jährigen fortgesetzt, dem besonders schwere Brandstiftung in Quint vorgeworfen wird.

Eine Schreckensnacht erleben am 5. Februar 2019 zahlreiche Bewohner des  Mehrfamilienhauses  Koblenzer Straße F 1 in Ehrang-Quint. In einer der 15 Wohnungen ist Feuer ausgebrochen und greift schnell um sich. Einer jungen Frau im obersten Stockwerk ist die Flucht durchs verqualmte Treppenhaus verwehrt. Doch bevor sie verzweifelt aus dem Fenster springt, kann sie von der Feuerwehr mit der Drehleiter gerettet werden. Sie und zehn weitere Bewohner erleiden Rauchvergiftungen oder Schockzustände. Nach der Erstversorgung am Brandort  werden  sie auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt.

Die Hauseigentümerin beziffert den reinen Sachschaden ohne die Mietausfälle heute auf rund 120 000 Euro.

Vor der Ersten Großen Strafkammer wird dem 35 Jahre alten O. dafür nun besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.  Er soll an dem Abend seine Wohnung, die er erst 14 Tage zuvor bezogen hatte,  angezündet und damit fast eine Katastrophe herbeigeführt haben. Er selbst schweigt bisher  zur Sache, doch seine Verteidigerin Sylvia Karrenbauer hat für den nächsten Sitzungstag eine Einlassung ihres Mandanten angekündigt. Er soll sich aber noch während der Löscharbeiten als der Brandstifter offenbart haben. Dies berichtet gestern die junge Zeugin, die beinahe aus dem obersten Stock  gesprungen war.

Allerdings hat sie ihr Wissen nur aus zweiter Hand von ihrer Mutter, die auch in der Straße wohnt und zum Brandort gelaufen war. Ihr gegenüber soll O. geäußert haben, dass er das Feuer gelegt habe. Der Grund: Er hätte Angst gehabt, von Mitbewohnern verprügelt zu werden. Zur nächsten Sitzung wird die Frau  nun als zusätzliche Zeugin geladen. Was  ihre Tochter als Zeugin schildert, gleicht Szenen aus einem Katastrophenfilm. „Erst hörte ich irgendwo einen Brandmelder heulen. Dann roch ich Rauch und wollte raus, doch das ging nicht mehr, denn das Treppenhaus war voller Qualm“, sagt sie und schildert weiter,  wie sich ihre Wohnung mit Rauch füllte und sie schließlich in Todesangst oben im offenen Fenster saß, mit einem Fuß am Dach abstützend. Unten hätten sie ihr Matratzen ausgelegt und gerufen, sie solle springen.

Die Zeugin: „Ich hatte zu viel Angst. Erst mit Flammen hinter mir  wäre ich gesprungen.“ Dann habe sie in der Ferne die Feuerwehr gehört – „das kam mir vor wie eine Dreiviertelstunde“. Mit der Drehleiter wurde sie gerettet, kam eine Nacht auf die Intensivstation zur Sauerstoffversorgung. Zurück blieben Angstattacken, die sie heute noch befallen – „auch der Gang heute zum Gericht fiel mir schwer, weil alles so wieder hochkommt.“

Ein Nachbar aus der Straße war gerade zu Besuch im Haus, als es losging.  Er und sein Bekannter waren diejenigen, die der Frau mit den Matratzen helfen wollten. Der Versuch, durchs Treppenhaus zu ihr vorzudringen, endete für ihn auf der Intensivstation. Seitdem leidet er an Asthma. Ein Hausbewohner schildert, wie er von der Feuerwehr unbeschadet mit der so genannten Rettungshaube durchs verqualmte Treppenhaus geführt wurde, eine andere Bewohnerin flüchtete verzweifelt durch den Qualm nach unten. Auch sie kam auf die Intensivstation.

In einer Wartepause zwischen zwei Zeugen verliest die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz das umfangreiche Vorstrafenregister des Angeklagten. Weil beide Eltern erziehungsunfähig waren, sei  er mit zehn Jahren unter Vormundschaft gestellt worden. So begann seine Heimkarriere. „Er widersetzte sich allen Erziehungsmaßnahmen, sein Verhalten war untragbar“, heißt es in der Akte. Dann die Zeit der Jugendstrafen  mit Diebstählen, Einbrüchen und Körperverletzungen. Als junger Erwachsener langt der Mann in Trier richtig zu: Drei Raubüberfälle mit Verletzten in der Innenstadt und mit zwei Promille Blutalkohol eine Passantin grundlos niedergeschlagen.  Die Strafen scheinen wirkungslos.  2013 gibt es vom Landgericht nochmals sechs Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung – es hätte auch Totschlag werden können. Wieder voll betrunken tritt  er in der Deutschherrenstraße Autospiegel ab. Als ihn ein Anwohner zur Rede stellt, sticht er mehrfach mit dem Messer auf ihn ein. Der Mann überlebt nur durch eine Notoperation (der TV berichtete damals).

Als er dann Anfang 2019 die Wohnung in Quint anmietet, steht er noch unter Bewährungsaufsicht.

Die Verhandlung wird am 21. November, 9 Uhr, fortgesetzt.

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