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Das Leben für Behinderte lebenswerter machen

Das Leben für Behinderte lebenswerter machen

Otmar Breidbach aus Klüsserath ist der erste ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Kreises Trier-Saarburg. Als Vater eines schwerbehinderten Kindes verfügt der 47-Jährige über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung mit den Problemen, denen sich Behinderte und ihre Angehörigen gegenübersehen. Breidbachs Devise heißt: Das Leben für die Behinderten lebenswerter machen.

Klüsserath. Als der Maschinenbautechniker Otmar Breidbach im April die Ausschreibung des Kreises für einen ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten sah, meldete er sich spontan. Und er hatte Gründe für den Entschluss: Im Hause Breidbach an der Klüsserather Hauptstraße leben zwei Kinder - die gesunde zehnjährige Tochter und der 18-jährige Sohn, der von Geburt an schwerstbehindert ist.
Auf viele, zum Teil bittere Erfahrungen, kann Ehepaar Breidbach in den vergangenen 18 Jahren zurückblicken. "Nicht nur im Umgang mit Ämtern muss man sich als Angehöriger eines Behinderten fast alles selbst erarbeiten. Da bist du froh, wenn irgendein Mensch oder ein Verein weiterhilft. Nun habe ich seit 18 Jahren Erfahrungen gesammelt, und die möchte ich heute weitergeben", sagt Breidbach. Anfang November hatte ihn der Kreistag mehrheitlich gewählt. Es gab einen Mitbewerber (der TV berichtete). Nun beginnt Breidbach die Aufbauarbeit, fast bei Punkt null.
"Das ist schon Pionierarbeit, und weniger werden die Aufgaben künftig nicht", sagt er, denn "durch den medizinischen Fortschritt gelangen auch die meisten Behinderten heute ins Rentenalter. Und daraus ergeben sich völlig neue Fragen."
Ein ganz großes Thema sei nach wie vor die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden. "Es muss sichergestellt sein, dass ein Behinderter alle die Stätten erreichen kann, die er erreichen will", sagt er. Grundsätzlich würden ihm künftig die Pläne aller öffentlicher Bauvorhaben frühzeitig zur Prüfung vorgelegt. Unterstützung erhalte er dabei von Fachleuten in den Bauämtern und der Sozialverwaltung. Breidbach: "Ich denke, dass es eine Diskussion wie um die Osburger Halle in Zukunft nicht mehr geben wird."
Auf sachkundige Hilfe in der Kreisverwaltung setzt der Beauftragte auch bei Rechtsproblemen. Doch wenn für einen Betroffenen, den es zu unterstützen gelte, nichts mehr gehe, werde der letzte Schritt immer der zum Rechtsanwalt sein. Sehr hilfreich sei es manchmal auch, die Öffentlichkeit herzustellen - etwa über die Medien, denn "dann sind viele zu Dingen bereit, die sie sonst nicht täten".
Zurzeit sucht Breidbach einen Raum für seine wöchentlich geplanten Sprechstunden. Da die nicht an den Wochenenden stattfinden sollen, ist er auch im Gespräch mit seinem Arbeitgeber. Optimal wäre seiner Meinung nach aber der wöchentliche Wechsel von einer Verbandsgemeinde zur nächsten.
"Ich will das Leben für die Behinderten lebenswerter machen", sagt Breidbach. Doch dazu sei nicht allein Barrierefreiheit erforderlich, sondern ein gewisses Selbstverständnis, ein Umdenken in den Köpfen der Nichtbehinderten.
Breidbach: "Leider ist es heute noch so, dass man Menschen mit Behinderungen nachschaut. Es muss als normal akzeptiert werden, wenn ein Mensch im Rollstuhl sitzt oder wenn ein geistig Behinderter mit Gesten oder akustisch auf sich aufmerksam macht." Es drehe sich auch niemand nach einem Brillenträger um, weil der seine Sehbehinderung mit einem Hilfsmittel ausgleichen müsse.
Schon in der Vergangenheit hatte sich Otmar Breidbach im Bereich der Behindertenförderung und in der Kommunalpolitik engagiert: Breidbach war Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Trier-Saarburg von 2003 bis 2005, Mitglied im Elternbeirat der Schweicher Levana-Schule von 2001 bis 2005, Elternsprecher der Levana-Schule von 2007 bis 2009, Mitglied im Gemeinderat Klüsserath und im Rechnungs- und Prüfungsausschuss von 2007 bis 2009.
Extra

Die Planung für eine Sporthalle in Osburg hatte im Kreis Trier-Saarburg zur Forderung nach einem Behindertenbeauftragten auf Kreisebene geführt. In der ursprünglichen Fassung sollte das zweigeschossige Gebäude keinen behindertengerechten Aufzug zu den Sportlerumkleideräumen im Obergeschoss erhalten. Die von den Planern vorgeschlagene Alternative war ein Rampenzugang über die Rückseite des Baus, für den Rollstuhlfahrer die Halle hätten verlassen und von außen umrunden müssen. Der mit der Prüfung betraute Behindertenbeauftragte der Verbandsgemeinde Konz, Peter Musti, lehnte dies ab und entfachte eine öffentliche Diskussion. Im Ergebnis besitzt die Sporthalle einen Aufzug und weitere Verbesserungen. Der Erfolg des vorläufig beauftragten Peter Musti gab im Kreistag den Ausschlag zur Bestellung eines ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten. Der Anstoß kam von der Fraktion der Grünen. f.k.