Das Leid mit den Leitplanken

Einem geschenkten Gaul schaut man zwar nicht ins Maul. Ortsgemeinden sind jedoch etwas wählerischer, wenn es darum geht, Kreisstraßen zu übernehmen. Die Ortsgemeinde Newel soll künftig für die Kreisstraße in den Ortsteil Lorich zuständig sein. Die vor der Übergabe erfolgte Sanierung verursacht Kopfschütteln.

Es sieht schon fast aus wie eine Formel-1-Rennstrecke: neuer Straßenbelag, lange Leitplanken und sogar Ölabscheider gibt es. Rund 1,8 Millionen Euro hat der Ausbau der Kreisstraße 26 zwischen der L 43 und dem Neweler Ortsteil Lorich gekostet. Rund 1,4 Millionen davon kommen vom Land.

Warum wird gebaut? Etwas mehr als 450 Kilometer Straßen zwischen Aach und Züsch gehören dem Kreis. Es gibt solche wie die K 134 in Konz (Domänenstraße), auf der täglich mehr als 10 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Und solche wie die K 26, wo man die Autos fast schon an zwei Händen abzählen kann. Die wenig genutzten Straßen versucht der Landkreis an Ortsgemeinden loszuwerden, da sie nicht mehr die Bedeutung haben, die Kreisstraßen haben sollten.
Wohl keine Ortsgemeinde übernimmt jedoch eine Kreisstraße einfach so. Denn die sind meist in einem schlechten Zustand. Im Regelfall bringt der Kreis auf eigene Kosten deshalb eine Strecke in Ordnung. Diese übernimmt dann die Gemeinde, die künftig für alle Reparaturen zuständig ist. So ist das auch im Fall der Kreisstraße 26 geplant gewesen.

Was ist gemacht worden? Die rund 2100 Meter lange Strecke zwischen der L 43 und Lorich war in einem beklagenswerten Zustand gewesen. Deshalb wurde die Strecke ausgebaut. Unter anderem sind dabei Ölabscheider an den Straßenrändern eingebaut worden, da die Strecke durch ein Wasserschutzgebiet verläuft. Zudem sind rechts und links der Fahrbahn Leitplanken errichtet worden. Den Grund dafür nennt Hans-Michael Bartnick, Pressesprecher des Landesbetriebs Mobilität: Die nun ausgebaute Straße "verleitetet zu einem schnelleren Fahren als vorher". Deshalb seien aus Verkehrssicherheitsgründen Schutzplanken vorzusehen, auch wenn dies ästhetisch "wahrlich nicht gelungen aussieht."

Die Kritik: Im sozialen Netzwerk Facebook ist die Tatsache kritisch kommentiert worden, dass die Kapelle an der Kreisstraße nicht mehr zugänglich ist. Eine Leitplanke versperrt den direkten Zugang zum kleinen Gotteshaus, das die damalige Gemeinde Lorich 1946 aus Dankbarkeit dafür hat errichten lassen, dass alle Einwohner den Krieg überlebt haben. "Da war ein ganz schlauer Planer am Werk", schreibt ein Facebook-Nutzer. Ein anderer kommentiert: "Die Leitplanken (an den Stellen, wo überhaupt kein Abhang ist) und vor allem der hohe Bordstein auf der Strecke sind eh' ein Witz."
LBM-Sprecher Hans-Michael Bartnick verteidigt den Bau der Leitplanken. Neben dem Verhindern der Kollision mit der Kapelle sei dort sicher auch der Schutz der Kapellenbesucher vor Fahrzeugen zu sehen.
LBM und Kreisverwaltung haben jedoch offensichtlich eingesehen, dass die Situation vor Ort doch nicht so optimal ist. Deshalb soll hinter der Schutzplanke ein Streifen geschottert werden. Überhängende Äste werden laut LBM nach dem Ende des Rodungsverbots am 1. Oktober durch die Ortsgemeinde entfernt, "so dass der Innenraum der Kapelle für Fußgänger problemlos erreichbar sein wird".

Der fehlende Zugang zur Kapelle ist nicht der einzige Punkt, der TV-Leser Franz M. Pieper aus Newel-Beßlich ärgert. Er bezeichnet das Projekt K 26 als Steuerverschwendung. Er sagt: "Die alte Teerdecke war nur an zwei Stellen marode. Hätte man die gesamte Strecke abgefräst und neu asphaltiert, wäre es auch in Ordnung gewesen." Er spricht von einer Pachtstraße. Und davon, dass an der falschen Stelle Geld ausgegeben worden sei. Denn die L 43 zwischen Aach und Beßlich werde zwar von viel mehr Autos befahren, sei jedoch in einem äußert schlechten Zustand. Der Zustand dieser Strecke ist ähnlich wie bei der L 44 in der Ortslage Aach so schlecht, dass nach Auskunft des Landes dort saniert werden müsste. Bisher fehlt es dafür jedoch am notwendigen Geld.Meinung

Ein Bürger aus Newel-Beßlich kritisiert den Ausbau der Kreisstraße. Stattdessen hätte die stärker befahrene und marode Landesstraße in unmittelbarer Nähe (Foto) repariert werden sollen. Foto: privat Foto: (h_tl )

Zwei Paar Schuhe
Für den Kreis ist die Sache klar: Um die K 26 loswerden zu können, muss er die Straße zuerst sanieren. Das wird auch dank eines fetten Zuschusses vom Land möglich. Und genau dieses Land hat bisher kein Geld, um die Landesstraße in der Nähe zu reparieren. Das klingt widersinnig. Ist es jedoch nicht. Denn bei der einen Verbindung handelt es sich um eine Kreisstraße, bei der anderen um eine Landesstraße. Es sind also zwei Paar Schuhe. Gleichwohl sollte die Aufregung um die K 26 Anlass genug sein, vehement für die Sanierung der L 43 und der L 44 zu kämpfen. Denn viele Bürger brauchen diese Strecken. Anders als die K 26, die nach Ansicht des Kreises noch nicht einmal mehr die Bedeutung einer Kreisstraße hat. h.jansen@volksfreund.de