Das letzte Mal Winnetou mit Leib und Seele - Der Trierer Reinhold Schomer und die Karl-May-Freunde Pluwig

Karl-May-Freunde : Aufführung in Pluwig - Das letzte Mal Winnetou mit Leib und Seele

Mit der Karl-May-Bühne in Pluwig hat sich Reinhold Schomer aus Trier-Irsch einen Lebenstraum erfüllt. Seit nunmehr 18 Jahren mimt er den edlen Apatschenhäuptling. Damit ist er derzeit der Rekordhalter als Bühnen-Winnetou.

Schon als Kind gab es für Reinhold Schomer nichts Größeres als Winnetou, den edelmütigen Häuptling der Apatschen. Sein Taschengeld investierte er in den 1960er Jahren für den Besuch der Verfilmungen von Karl Mays berühmtesten Werken und sein erstes Fanmaterial. „Die Filme haben mich sehr beeindruckt. Die tollen Landschaften, die Kulissen, die Musik und die tollen Kostüme!“ Stolz zeigt Schomer die Bilder, die in seinem „Winnetou-Wohnzimmer“ hängen und die Helden seiner Kindheit zeigen. Regale voller Bücher, Fotobände und Zeitschriften zieren den Raum. „Auch heute sind sie noch meine Vorbilder. Friede, Freiheit und die Achtung der Menschenrechte. Diese Werte aus der Botschaft Mays sind mir persönlich sehr wichtig.“

Als zehnjähriger Junge nähte ihm seine Mutter sein erstes Indianerkostüm, wofür ein einfacher Sackleinenstoff verwendet wurde. 20 Jahre später, zu seinem 30. Geburtstag, gönnte er sich sein erstes Winnetou-Kostüm. „Es hat mich stolz gemacht, dieses Kostüm zu besitzen“, sagt er. Aber außer an Karneval gab es kaum Gelegenheiten, es zu tragen.

Im Jahr 2000 kam dann die Wende. Bestärkt und mit Unterstützung von Jugendfreunden und Weggefährten verwirklichte er die Idee, in der Region Trier ein Karl-May-Spektakel für den guten Zweck zu initiieren. Mit „Der Schatz im Silbersee“ lockte man, erweitert durch Zusatzveranstaltungen, 3169 Zuschauer an den Silbersee in Hockweiler. Dafür nahm er viel auf sich. Er kaufte ein Pferd, lernte Reiten und kaufte Leder für ein weiteres Kostüm, das Ehefrau Lydia und Tochter Irene in mühevoller Arbeit in ein Replikat des bekannten Filmkostüms der 60er Jahre verwandelten. „Ohne den Rückhalt meiner Familie wäre alles viel schwieriger geworden. Doch wir hielten zusammen, und der Erfolg gab uns recht. Von der Begeisterung und der Nachfrage der ersten Spielzeit in Hockweiler waren wir total überwältigt Schnell wurde damals klar: Es muss weiter gehen.“

Doch das Gelände in Hockweiler stand nur für eine einmalige Nutzung zur Verfügung, weshalb man in das benachbarte Pluwig umzog und dort eine geeignete Lokalität im alten Steinbruch fand. In Windeseile musste innerhalb von drei Monaten aus dem völlig zugewachsenen Steinbruch ein brauchbares Freilichtbühnenareal geschaffen werden. „Im Vergleich zu heute war das alles noch sehr improvisiert“, sagt Schomer.

Ein Höhepunkt in der Karriere von Reinhold Schomer: Pierre Brice besucht 2007 die Pluwiger Bühne und begrüßt den Hauptdarsteller. Foto: Reinhold Schomer/Archiv Reinhold Schomer

Man habe für die aktiven Darsteller nur ein aufgestelltes Zelt als Umkleidebereich zur Verfügung gehabt, als Sanitäranlage wurde eine Baustellentoilette genutzt. Die Verkabelung für die Bühnentechnik lag versteckt hinter Büschen oder unter Sandaufschüttungen. Doch im Lauf der Jahre habe der Verein sich sowohl bühnen- als auch kulissentechnisch stark weiterentwickelt. In einer heutigen Spielzeit haben über 13 000 Karl-May-Interessierte die Gelegenheit, ein Wildwest-Abenteuer anzuschauen.

Gegenwärtig sind unterirdische Strom- und Datenkabel sowie eine Gasleitung für pyrotechnische Zwecke längst Standard, auch für die Zuschauer stehen großzügige Toilettenanlagen neben dem behindertengerechten Zuschauerbereich bereit. „Wir können heute in einigen Details mit den großen, kommerziellen Bühnen mithalten. Nicht nur, was die Kostüme und die Pyrotechnik betrifft. Darauf kann der Verein stolz sein“, sagt er.

In den alle zwei Jahre stattfindenden Spielen wurden mittlerweile fast alle bekannten Wildwestromane Karl Mays auf die Bühne gebracht. „Es war klar, dass jetzt Winnetou III an die Reihe kommt“, erklärt Schomer. Der Höhepunkt der Winnetou-Trilogie sei gleichzeitig auch eines der dramatischsten aller Karl-May-Werke, da es bekanntlich den Tod des großen Apatschenhäuptlings beinhalte. Nach intensiver Überlegung hat sich der mittlerweile 61-jährige Schomer nun entschieden, nach der 2019er Saison die Silberbüchse abzugeben. „Eines steht aber fest: „Solange ich kann, werde ich dem Verein zur Verfügung stehen und in den Spielen mitwirken! Die Karl-May-Bühne ist ein wichtiger Teil meines Lebens.“

Karten für die Aufführungen auf der Freilichtbühne ab dem 28. Juni gibt es unter anderem im Internet unter www.karl-may-freunde.de

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