Das letzte Treffen vor dem Werkstor: Lichter aus für Kirsch GmbH in Trier-Biewer

Das letzte Treffen vor dem Werkstor: Lichter aus für Kirsch GmbH in Trier-Biewer

Die Lichter sind aus, die Türen zu: Die Kirsch GmbH in Trier-Biewer ist geschlossen. Die Ex-Mitarbeiter kämpfen um einen Sozialplan.

Trier Michael Cramer von der IG Metall Trier hat gemeinsam mit den Kirsch-Betriebsräten Jürgen Heinen und Thomas Meyer gestern eine Zusammenkunft vor dem geschlossenen Werkstor der Firma in der Biewerer Straße organisiert. "Als symbolische Geste", betont Cramer. Diese Geste ist nicht als Abschluss gedacht, denn noch gebe es viel zu tun. "Alle Verhandlungen über einen Sozialplan sind bisher gescheitert. Er liegt noch gar nichts auf dem Tisch, wir sind bei null."

Ein Sozialplan ist eine schriftliche Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat über den Ausgleich oder die Milderung der wirtschaftlichen Nachteile, die den Mitarbeitern durch Betriebsänderungen, Auslagerungen oder Schließungen entstehen. Im Fall der Kirsch GmbH geht es um die Höhe der Abfindungen.

Die lange Geschichte der Kirsch GmbH begann 1945 und endete am 31. August. Das als Reparaturbetrieb gegründete Unternehmen war mit Stromerzeugungsaggregaten international erfolgreich und auch ein geschätzter Arbeitgeber in Trier. Viele der ehemaligen Beschäftigten haben mehrere Jahrzehnte für Kirsch gearbeitet.
Die Kirsch-Anlagen fanden ihren Einsatz bei Feuerwehren und Katastrophenschutz-Organisationen, beim Militär und anderen Betreibern von Sonderfahrzeugen. Anfang des Jahrtausends setzte Kirsch dann auch auf die Entwicklung von Miniblockheizkraftwerken.

Die Unternehmensgruppe Prettl aus Baden-Württemberg hat die Kirsch GmbH 2008 übernommen und Mitte März die Schließung angekündigt (der TV berichtete mehrmals). Die Begründung: Wegen des massiven Preisverfalls und dem harten internationalen Konkurrenzdruck vor allem aus China sei der Standort Trier nicht mehr wettbewerbsfähig.
Die Kritik der Belegschaft an der Prettl-Gruppe ist hart. "Es ist schrecklich, mitansehen zu müssen, wie eine so gute Firma wie Kirsch derart heruntergewirtschaftet werden kann", sagt Betriebsrat Thomas Meyer.

Viele der ehemaligen Kirsch-Mitarbeiter sind gefragte Fachleute mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Ich bin zwar schon 55, aber ich habe zurzeit drei Stellenangebote auf dem Tisch und könnte dort sofort anfangen", sagt ein Teilnehmer der Zusammenkunft. Er ist nicht der Einzige. Nach TV-Informationen haben 44 der 74 gekündigten Kirsch-Beschäftigten schon neue Jobs gefunden oder konkret in Aussicht. Für 30 Kollegen sieht es jedoch schlechter aus.

"Es ist ja auch eine Frage des Alters", sagt ein Mann, der nach eigenen Angaben 40 Jahre lang für die Kirsch GmbH gearbeitet hat. "Ich bin 60 Jahre alt. Nach der Überbrückung mit zwei Jahren Arbeitslosengeld bin ich noch zu jung für die Rente, aber zu alt für einen neuen Job." Deshalb sei die Höhe der Abfindung als Puffer so wichtig.
Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Heinen kündigt an, es gebe neue Verhandlungstermine ab dem 9. September. Prettl-Sprecher Daniel Stuckert war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Meinung

Der Sozialplan ist ein Muss
Die Schließung der Kirsch GmbH ist ein schmerzhafter Verlust für den Arbeitsmarkt und generell die Unternehmenskultur in Trier. Der Besitzer, die Prettl-Gruppe, hat den Stecker gezogen. Unabhängig von der berechtigten Frage, ob dieser drastische Schritt notwendig war oder nicht, ist der Konzern jetzt in der Pflicht, ein tragfähiges Angebot auf den Tisch zu legen. Es ist absolut inakzeptabel, dass sich Mitarbeiter nach drei oder vier Jahrzehnten Werkstreue jetzt Sorgen über ihre finanzielle Versorgung machen müssen. Ein stabiler Sozialplan ist ein Muss, an dem kein Weg vorbeiführt. j.pistorius@volksfreund.de