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Das lokale Bündnis aus Kitas, dem Verein für Familienbildung, der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg gehört zu den Finalisten für den Deutschen Kita-Preis.

Kostenpflichtiger Inhalt: Auszeichnung : Die Zaubersprache lernen dank Fidibus

Das lokale Bündnis aus Kitas, dem Verein für Familienbildung, der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg gehört zu den Finalisten für den Deutschen Kita-Preis. Wer aufs Podest kommt, entscheidet sich am 7. Mai in Berlin.

„Ich finde das Recht auf einen Arzt am besten.“ Der siebenjährige Arman aus Armenien weiß, wovon er redet. Ohne medizinische Hilfe würde er heute nicht mehr leben. „Es ist wichtig, dass alle zu trinken bekommen“, findet Linus (6). „Ich möchte einfach dabei sein“, sagt Anastasia (6), die besonderen Förderbedarf hat. Dass die Kinder ihre Rechte kennen, verdanken sie dem Bündnis „Fidibus – mobile inklusive Familienbildung für alle“ mit dem Projekt „Faire Kinderrechte für alle“.

Und das ist preiswürdig. Deshalb hat sich das Netzwerk für den Deutschen Kita-Preis beworben, zusammen mit weiteren 1528 Bewerbern, davon 140 in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“, die anderen für die „Kita des Jahres“. Fidibus hat es unter die Top 10 geschafft. Wer den Preis gewinnt – der Sieg ist mit 25 000 Euro dotiert, die Plätze zwei bis fünf mit je 10 000 Euro –, entscheidet die Jury aus Wissenschaftlern, Verbänden und Ministerien im Finale am 7. Mai in Berlin.

„Es war zutiefst bewegend, was die Kinder zum Thema Kinderrechte erzählt haben“, sagt Silvia Willwertz, Vorsitzende des Trierer Vereins Fidibus, der gemeinsam mit den Kitas Am Bach, Haus Tobias und Spatzennest in Trier, der Kita St. Martin Zemmer-Schleidweiler sowie den Jugendämtern von Stadt Trier und Kreis Trier-Saarburg das Bündnis „Fidibus – mobile inklusive Familienbildung für alle“ bildet, das seit 2008 in wechselnder Zusammensetzung existiert. Im Angebot waren Workshops,  Ausstellungen – etwa auf der Gartenfeldbrücke – sowie eine Broschüre mit Texten, Bildern und Liedern.

„Wir sind gerade mit dem Projekt gestartet und legen einen starken Fokus auf die Familienbildung“, sagt Tina Bretz von der Kita Spatzennest. „Für uns ist die Musik eine gute Grundlage, damit Kinder sich offen bilden können“, ergänzt Adelheid Weber-Schleder, Integrative Kita Haus Tobias. Auch für Eelco Zwanikken, Leiter der Integrativen Kita am Bach, ist es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu finden. „Wir haben die Gebärdensprache gelernt. ‚Guten Morgen‘ können wir alle, selbst die Eltern.“ Für die Kinder sei dies die „Zaubersprache“, mit der sie sich auch im Spiel verständigen, erzählt Willwertz. „Das ist ein Stück gelebte Inklusion.“ Und zeige, wie ein Zusammenleben trotz aller Unterschiedlichkeiten gelingen kann. „Daraus entwickeln wir die Angebote.“

Die Arbeit ist jenseits von dem, was Kitas sonst leisten können. „Das Bündnis ist ein Impulsgeber. Es ist räumlich und inhaltlich sehr mobil“, bekräftigt Joachim Christmann, Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Es gehe viele Themen im ganzen Kreis an. „Es ist ein gutes Miteinander“, bestätigt Sozialraumplaner Simeon Friedrich, Stadt Trier. „Wir haben engagierte Partner, die über einen längeren Zeitraum Angebote in den Sozialräumen schaffen.“

 Genau dieses Wirken in der Fläche, die Partizipation, die lernende Organisation sowie die Ausrichtung auf Kinder seien die vier Qualitätskriterien für den Kita-Preis, erklärt Stefan Clotz. Er reist zurzeit zusammen mit Julia Schneider für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung durch Deutschland, um sich die Preisträger vor Ort anzusehen und Interviews mit Kitaleitung, Erziehern und Eltern zu führen. „Dabei treffen wir tolle Menschen, die sich für Kinder engagieren.“ Nachmittags gibt es einen Workshop, „damit wir sehen, wie die Teilnehmer Aufgaben lösen, wie sie zusammenarbeiten und zu welchen Ergebnissen sie kommen“. Zudem wurde ein Film gedreht, der die Arbeit mit den Kindern zeigt.

Die Trierer Partner sind schon aufgeregt. „Wir reisen mit einer Delegation nach Berlin“, sagt Willwertz. „Und hier im Fidibus gibt es Public Viewing.“ Unter den Top 10 zu sein, sei toll. „Ein Preisgeld wäre die Krönung unserer Arbeit!“ Mit ihm könnte das Trierer Netzwerk Projekte weiterführen und neue angehen. Denn, so Christmann: „Fidibus ist ein kleines, aber helles Licht.“

Der Deutsche Kita-Preis würdigt das Engagement der Menschen, die tagtäglich in Kitas zeigen, wie gute Qualität vor Ort gelingt. Er ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Partnerschaft mit der Karg-, der Gisela-Sdorra-, der Heinz- und Heide-Dürr-Stiftung, dem Didacta-Verband sowie dem Eltern-Magazin.