Das nackige Dutzend: Die Sixxpaxx strippen in Trier

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Körperwelten mal anders: Die Männer auf der Bühne ziehen sich aus, die Frauen im Publikum haben lautstark Spaß. 350 Zuschauer erleben die Sixxpaxx in der Europahalle Trier.

Drei Mittzwanzigerinnen, ausgestattet mit pinkfarbenen Kronen und bunten Blinklichtern, gehen sehr vorsichtig durch das Foyer der Europahalle. Sie haben sich untergehakt, weil die mittlere von ihnen eine Augenbinde trägt. Sie weiß nicht, wo sie ist.

„Sie denkt, wir gehen in die Sauna“, erzählt Trauzeugin und Organisatorin des Junggesellinnenabschieds, Romina, nachdem sie die künftige Braut an ihrem Platz abgesetzt hat. Ihr insgesamt aus sechs Mädels bestehendes Grüppchen ist aus Saarbrücken angereist. „In der Trierer Innenstadt haben wir ihr die Augenbinde angezogen und zur Europahalle gelotst“, sagt Romina lachend. Was geschieht, wenn Braut Anna entsetzt ist, wenn sie die Augenbinde ausziehen darf und merkt, dass sie sich in der ersten Reihe einer Menstrip-Show der Gruppe Sixxpaxx befindet? „Sie wird es lieben!“, lautet Rominas klare Antwort.

Dann startet die Show mit den elf gut gebauten Männern und dem Sänger Marc Terenzi. Die Ansage, gesprochen mit der Stimme von Bruce Willis, lautet: „Schreibt Euren Männern, dass Ihr die nächsten drei Stunden nicht erreichbar seid!“ Etwa 347 Frauen und gefühlt drei Männer im Publikum rasten aus. Frauen-Gekreische gesellt sich zu lauter Musik – zumindest den Ohren wird es während dieser 180 Minuten ordentlich besorgt. Feuerwehrmänner, die mit ihren Schläuchen spritzen (hihi), Luftpumpen, die auf und ab bewegt werden, und natürlich halbnackte Bauarbeiter, die akrobatische Tanzeinlagen bieten und ihre Muskeln spielen lassen, werden von den elf Mitgliedern der Strippergruppe zu lebenden Klischees.

Ladys aus dem Publikum werden von starken Armen auf die Bühne getragen und in Position gebracht. Auf dem Motorrad, auf dem Stuhl, auf dem Boden – die Kerle lassen keine Gelegenheit aus, sich mit ihren Gemächten an den Frauen zu reiben und mit stoßendem Hüftschwung Geschlechtsverkehr zu simulieren.

Nun könnte man sich im übertragenen Sinne auch daran reiben, ob das angesichts der MeToo-Debatte grenzwertig ist. Oder diskutieren, ob man bei Frauen tatsächlich so derartig mit dem Holzhammer kommen (hihi) muss, um Erotik zu erzeugen. Und ob diese harten Sex-Fantasien eher aus Männer-Pornoschubladen als aus Frauenträumen stammen.

Aber geschenkt, 350 Personen gefällt das – nur das zählt heute Abend. Für die Romantikerinnen singt zwischendurch der zu weiten Teilen bekleidete Marc Terenzi. Doch zurück zu unserer Braut aus dem Saarland: Noch keine halbe Stunde, nachdem ihr klar wird, wo sie sich befindet, wird sie von einem der Muskelmänner mit einem Hundehalsband auf die Bühne geführt und mit Handschellen an ein schwarzes Andreaskreuz gefesselt. Zum zweiten Mal an diesem Abend bekommt sie die Augen verbunden. Die Fifty-Shades-of-Grey-Leserinnen und Filmkennerinnen im Saal flippen aus – also quasi alle. Annas Begleiterinnen kreischen und filmen, was das Zeug hält, während einer der Stripper diverse Positionen mit seinem – nun ja – Opfer durchturnt.

Am Ende steht er völlig nackt vor ihr, sein Fortpflanzungsorgan kann er mit Leichtigkeit mit einer Hand verbergen. Kreisch, kreisch, kreisch. Am Ende der Show sagt Anna, dass das „super“ war und „genau das Richtige“. Muss ja nicht immer Sauna sein, wenn man ins Schwitzen kommen will.

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