Das Problem liegt in der Luft

Das Problem liegt in der Luft

TRIER. Seine Bestandteile sind mikroskopisch klein. Je kleiner sie sind, um so weiter können sie in den Organismus vordringen und dort Atemwegs-, Kreislauf- und Herzerkrankungen verursachen. Der Feinstaub macht den Trierern Sorgen. Mit einem Aktionsplan will die Stadt die gefährlichen Partikel bekämpfen.

Wieviel Feinstaub hält der Mensch aus? Eine EU-Richtlinie, in Kraft seit Januar 2005, legte fest, dass der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Für Trier könnte es 2006 eng werden: Die Messstation in der Trierer Ostallee meldete bisher an 21 Tagen, dass dieser Grenzwert geknackt wurde. Die zweite Messstation in der Kaiserstraße verzeichnete bisher an 16 Tagen Überschreitungen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr meldete die Ostallee erst Anfang Dezember 26 Überschreitungstage, die 35 wurden nicht erreicht. Das könnte 2006 völlig anders aussehen. Deshalb hat die Stadt Trier mit Unterstützung des Landesumweltamtes einen Aktionsplan zur Reduzierung der Feinstaubbelastung in der Trierer Innenstadt erarbeitet. Der Stadtrat akzeptierte diesen Plan - interessanterweise gegen die Stimmer der Grünen, die mit diesem Werk nicht zufrieden sind. Was ist Feinstaub überhaupt, was macht ihn gefährlich? 1987 führte die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) den Standard ein, für den seit der bereits erwähnten Richtlinie auch in der EU Grenzwerte eingehalten werden müssen. Völlig neu war dabei die Bewertung der Immissionen: Während vorher die Gesamtimmission betrachtet wurde, lag der Fokus nun auf dem Anteil, den man einatmen kann. Die primäre Feinstaub-Quelle in Ballungsgebieten, darin sind sich die Experten einig, ist der Straßenverkehr: Rußpartikel aus dem Auspuff, Abrieb der Reifen, Bremsen und Kupplungsbeläge, aufgewirbelter Straßenstaub. Der erste von vier Bestandteilen des Aktionsplans ist die "Luftreinhaltung auf Baustellen". An jede Baugenehmigung soll ein Merkblatt über "Maßnahmen zur Staubvermeidung" angehängt werden. Der zweite Baustein: "Straßenreinigung und Winterdienst". Feuchtsalz soll Trockensalz ablösen - geringereVerwehungen, weniger Rückstände. Die Straßenreinigung soll staubarme Kehrmaschinen mit einem geschlossenen Lüftungssystem einsetzen. Die Straßenreinigung soll auch bei Temperaturen unter minus fünf Grad stattfinden. Die kommunalen Dieselfahrzeuge sollen mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet werden. Thomas Albrecht (CDU) sprach von "einem lösbaren Problem". Rainer Lehnart (SPD) forderte, "diese Sache ernst zu nehmen". Manfred Maximini (UBM) sah "keinen Grund zur Hysterie", auch Thomas Egger (FDP) signalisierte grünes Licht. Die Grünen indes taten es nicht. "Die Stadt weigert sich, einen Schritt weiter zu gehen", so Anja Matatko. "Man muss den Feinstaub dort bekämpfen, wo er entsteht, und zwar in der Industrie und im Verkehr."

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