Das Problem mit den Gummiblumen

Das Problem mit den Gummiblumen

Das Freibad Ruwertal wird 50 Jahre alt. Gefeiert wird mit Schnuppertauchen, Aquazumba, Musik und großer Pool-Party. Ein Mann der ersten Stunde blickt zurück.

Mertesdorf Weit mehr als drei Millionen Gäste haben sich seit 1967 im Mertesdorfer Freibad getummelt: die Sonne angebetet, im kühlenden Nass geplanscht oder eifrig ihre Bahnen gezogen. Das halbe Jahrhundert wird nun ausgiebig gefeiert. Ab kommendem Sonntag können die Gäste bei Sport, Spaß, Spiel und Musik eine Woche lang so einiges erleben.
Doch wie war es im Freibad Ruwertal in den späten 1960er Jahren? Auskunft darüber geben derzeit einige historische Aufnahmen, die im Schwimmbad in einer kleinen Ausstellung präsentiert werden. Auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme sind unzählige schwarze Punkte zu sehen. Günter Lorscheider aus Kasel, der erster Schwimmmeister des Bades war, betrachtet das Bild und erinnert sich. "Es ist ein Bild von der Eröffnungsfeier im April 1967, die Punkte sind die schwarzen Anzüge und Kostüme der Gäste. Das Thermometer zeigte an diesem Tag 24 Grad Celsius an", weiß der drahtige 75-jährige Mann noch ganz genau. "Es war das erste Freibad im Kreis Trier und viele Gäste kamen zum Schwimmen von weit her. Ich erinnere mich an einen Mann aus Leiwen, den ich aus dem Wasser ziehen musste, weil er fast ertrunken wäre", sagt er.
Als kleiner Junge lernte Lorscheider das Schwimmen, wie viele andere seiner Altersgenossen auch, in der Ruwer. Die Feuerwehr habe den Fluss gestaut, bis das Wasser tief genug war, um das Schwimmen dort zu erlernen. Ein weiteres Foto aus den 1970er Jahren zeigt eine junge Frau im braunen Bikini mit großer Hose und Oberteil mit spitz zulaufenden Körbchen. "Die Bikinis waren damals größer als heute und oben ohne, um Gottes Willen, das gab es bei uns gar nicht."
Natürlich hätten alle Badekappen getragen, da es keine Haarfilter in den 1960er Jahren gegeben habe. Die Technik sei schließlich primitiv gewesen. Und als dann die Haare der Männer in den 70er Jahren immer länger wurden, hätte er immer mit denjenigen diskutieren müssen, die nicht ganz so lange Haare hatten und deswegen partout keine Badekappen tragen wollten. Eine Herausforderung seien auch die Gummiblumen an den Badehauben der Damen gewesen, die er oft aus dem Wasser habe rausfischen müssen.
An ein ganz besonderes Erlebnis erinnert sich der vitale und braun gebrannte Senior noch ganz genau: "Es war am 15. April 1969: Die beiden Thiel-Mädchen von der Bewirtschaftung sind in Bikinis mit dem Schlitten den Hang hinunter gerodelt. Über Nacht waren 25 Zentimeter Neuschnee gefallen, das Schwimmbad hatte trotz des ungewöhnlich späten Wintereinbruchs geöffnet. Darüber wäre sogar im Fernsehen berichtet worden", sagt er. "Die Leute waren damals viel sonnenhungriger als heute. Kein Wunder. Die Sonne brannte auch noch nicht so sehr. Die Bäume wurden ja gerade erst gepflanzt, es gab noch nicht so viel Schatten wie heute", sagt er.
Als Schwimmmeister und späterer Sportlehrer an der Grund- und Hauptschule Waldrach hat Lorscheider unzähligen Erwachsenen und Kindern das Schwimmen beigebracht. Zu seinen Zeiten kamen die Kinder direkt nach der Schule ins Schwimmbad. Ungefähr 30 bis 40 Prozent von ihnen konnten nicht schwimmen.
Während er von früheren Erlebnissen berichtet, gesellt sich Dietmar Theis, der an diesem Tag diensthabender Schwimmmeister ist, zu seinem ehemaligen Kollegen. "Heute ist es ungefähr wie in den 1960er Jahren: 30 bis 40 Prozent der Grundschüler können nicht mehr schwimmen. Heute kommen viele Ganztagsschüler entweder nach 17 Uhr oder gar nicht", sagt Theis, der bereits seit 1988 Schwimmmeister in Mertesdorf ist.
Auch von seinem harten Arbeitsalltag erzählt Günter Lorscheider: "Ich hatte 14-Stunden-Schichten. Es war alles neu für mich und auch für die Verwaltung. Schließlich war ich der erste Schwimmmeister. Die Technik war primitiv, ich musste mich um alles kümmern, auch um die Hygiene. Ich musste mir alles selbst aneignen. Im Winter machte ich dann die Wartungsarbeiten."
Trotz seiner langen Schichten hat er, schenkt man dem Verfasser eines Artikels im Jahrbuch der Kreisverwaltung aus den späten 1960er Jahren Glauben, stets einen freundlichen Blick. "Kein Mensch hat jemals ein böses Gesicht bei ihm gesehen. Selbst die Lausbuben und die Biwaken, die auch in jedem Freibad wachsen."
Theis und Lorscheider freuen sich auf die bevorstehende Jubiläumswoche (Programm: siehe Info). Ein halbes Jahrhundert - das muss schließlich gefeiert werden, zumal es nicht immer nur rosige Zeiten gab.
So bedeckte im Jahr 1993 eine zentimeterdicke Schlammschicht den gesamten Schwimmbadbereich. Die nahe gelegene Ruwer war über die Ufer getreten. Im Jahr 2002 war die Anlage so marode geworden, dass täglich 200 Kubikmeter Wasser verloren gingen. Das Bad musste umfangreich saniert werden, und das trotz leerer Kassen. Im Jahr 2004 erfolgte dann die Neueröffnung.Extra: PROGRAMM DER JUBILÄUMSWOCHE


Sonntag, 25. Juni, 11 Uhr: Grußworte und Eröffnung der Jubiläumswoche begleitet vom Jugendorchester Tarforst und der Morscheider Brass Band; 27. Juni und 29. Juni, 18 Uhr: Schnuppertauchen; 30. Juni, 14 Uhr und 18 Uhr: Aquazumba; Samstag, 1. Juli, 11 bis 17 Uhr: große Pool-Party, anschließend Rock and Pop mit Backstage, Ende 20.30 Uhr.Extra: AUCH STADT TRIER MIT IM BOOT

Foto: Silke Jessen (sj) ("TV-Upload Jessen"


Beim Freibad Mertesdorf sitzt die Stadt Trier auch finanziell mit im Boot. Denn geplant wurde das Bad von den Gemeinden Ruwer, Eitelsbach, Mertesdorf, Kasel und Waldrach. Die Verbandsgemeinde Ruwer übernahm später die Trägerschaft für ihre Ortsgemeinden und hält 79 Prozent am Zweckverband Freibad Ruwertal. 21 Prozent hält Trier als Folge der Eingemeindung von Ruwer und Eitelsbach.