Das Rathaus und der Pöbel

Seit Trier nur noch aus Baustellen und Staus besteht, reden mein Freund Pitter und ich über nichts anderes mehr. Denn die Autos, die nicht mehr vorwärts oder rückwärts kommen, sind mit Frust und Zorn der Fahrer geheizt, und dieser Zorn braucht ein Ventil - das Rathaus.

Dort sitzt ein Mitarbeiter, das hat mir Pitter unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt, der hielt es nicht mehr aus, ständig wegen der paar Staus kritisiert zu werden. Dieser Mitarbeiter holte - schriftlich - zum großen Gegenschlag aus und schrieb eine wüste E-Mail an den TV. Zuerst beschimpfte er die Presse, die kritisch über die Baustellen-Planung berichtet. Nichts als Schmierfinken und Besserwisser, wütete er. Naja, sagte ich zu Pitter, lass ihn doch schimpfen. Die Zeitungsleute müssen das aushalten, außerdem schlagen die ja auch manchmal heftig zu. Um die Presse geht's hier auch gar nicht, sagte Pitter, sondern um Otto Normalbürger. Der kam in dem Schreiben des Rathaus-Mitarbeiters ebenfalls vor. Mit ihrer Berichterstattung, so schrieb der zornbebende Verwaltungsmann, wolle die Presse ja schließlich nur "Beifall vom Pöbel heischen". Die Trierer Bürger und Besucher, die sich über den Verkehrsinfarkt aufregen - alles lästiger Pöbel. Eine schöne Arbeitseinstellung. Und weil diese nicht so deutlich nach außen dringen soll, hat man den Mann Rathaus-intern offenbar dazu verdonnert, den Pöbel schnell wieder zurückzunehmen. Sonst könnten die Schmierfinken von der Presse Wind davon bekommen und den Autofahrern in Trier verkünden, was die Stadtverwaltung, die so gerne ein toller Dienstleister wäre, wirklich von ihnen hält.

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