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Das sagen Physiotherapeuten aus Trier und Umgebung zur Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Keine Angst : Ohne Berührung geht es nicht - Das sagen Physiotherapeuten zu Behandlungen während der Corona-Krise

Bänderriss, Ruptur der Achillessehne, Bandscheibenvorfall – hier hilft Physiotherapie. In der Corona-Krise haben viele Patienten Angst vor zu viel Nähe bei den Behandlungen. Unnötig, sagen Therapeuten aus Trier und Umgebung.

Wer gerne zur Massage geht, kann das seit einigen Tagen wieder tun, auch ohne Rezept vom Arzt. Nach dem Lockdown hatten physiotherapeutische Praxen zunächst wochenlang nur Patienten mit einer ärztlichen Verordnung offen gestanden. Und selbst die kamen kaum noch.

Wie soll der vorgeschriebene Abstand bei einer „körpernahen Dienstleistung“ wie der Physiotherapie eingehalten werden? Das fragten sich viele und ließen ihre Termine ausfallen. Ende März sei das besonders ausgeprägt gewesen, sagt Christian Klein, der in Trier-Euren eine Praxis für Physiotherapie hat. Auch Jinan Al-Shok, der mit Peter Reiland zwei physiotherapeutische Praxen in Trier betreibt, berichtet, dass er und seine Mitarbeiter am Montag nach Bekanntgabe der Ausgangsbeschränkungen ohne Patienten dagestanden hätten. „Sie blieben einfach weg – die meisten haben noch nicht einmal abgesagt.“

Als Grund vermuten die Physiotherapeuten ein Kommunikationsproblem. Während sie als Anbieter ärztlich verordneter Anwendungen weiterarbeiteten, mussten reine Massagestudios nach dem Lockdown schließen. Der Unterschied zwischen medizinisch verordneten Leistungen und Unternehmen, die reine Wellnessbehandlungen anbieten, sei nicht deutlich genug erklärt worden, kritisieren Al-Shok und Klein.

Auch die Trierer Praxis Jörg Thomas Krankengymnastik blieb zunächst leer, wie Sabrina Thomas berichtet. Sie hat wie ihre Berufskollegen Kurzarbeit für die Mitarbeiter angemeldet. Christian Klein beziffert den Rückgang seiner Termine auf 80 Prozent.

Auch wenn die Therapeuten um eine Behandlung „direkt am Menschen“ nicht herum kämen, sei das Risiko einer Ansteckung minimal. Klein verweist auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln und Abstandsregelungen im Anmelde- und Wartebereich. 800 Stoffmasken hat er nähen lassen, die er zum Selbstkostenpreis weitergibt. Klein empfiehlt allen, denen eine physiotherapeutische Behandlung verordnet wurde, diese unbedingt wahrzunehmen – andernfalls überwiege das Risiko gesundheitlicher Folgen die Corona-Gefahr deutlich.

Mittlerweile hätten die meisten seiner Patienten ihre Angst überwunden, die Terminbücher füllten sich stetig, sagt Klein. Er sei dankbar, dass die Patienten wieder mutiger seien und sich behandeln ließen. Sabrina Thomas geht es ähnlich: „Wir sind ganz stolz, dass unsere Patienten unseren Hygienemaßnahmen vertrauen.“

Auch Rita Kindorff, die eine physiotherapeutische Praxis in Trierweiler betreibt, ist optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir bald unter Beachtung der Bestimmungen wieder mit voller Stundenzahl arbeiten können.“