Das Seniorenbüro Trier wird barrierefrei und stellt seine Zukunftspläne vor

Gesellschaft : Das Seniorenbüro wird barrierefrei

Unterstützung für Menschen ab 60: Der im Haus Franziskus angesiedelte Verein Seniorenbüro erreicht mit 95 Mitgliedern 25 000 Menschen. Er sucht nach weiteren Helfern – und der Lösung für ein Lärm-Problem.

Seit das Seniorenbüro Trier 2016 den beengten Verhältnissen im Turm Jerusalem entflohen und  in das damals frei gewordene Haus Franziskus an der Ecke Koch-/Christophstraße gezogen ist, gibt es zwar keine Raumnot mehr – dafür aber neue Probleme.

Am neuen Standort sind im Obergeschoss des Kutscherhauses die Büros der hauptamtlichen Mitarbeiterin und der ehrenamtlichen Helfer untergebracht. In Parterre befinden sich das Besucherbüro und sowie ein Veranstaltungsraum. Die offene Bauweise, sagt Andreas Rump, Vorsitzender des Trägervereins Seniorenbüro Trier, mache Veranstaltungen dort unmöglich, denn es fehle der Lärmschutz. Und eine barrierefreie Erschließung des Obergeschosses per Treppenlift sei wegen der Feuerschutzvorschriften nicht gestattet. Auch die Räume im Haupthaus seien nicht barrierefrei.

„Für einen Schallschutz liegt uns seit 2017 ein Angebot für 8500 Euro vor, sagt Rump. Diese Kosten könne der Verein nicht selbst tragen. Die Reh-Stiftung, der das Gebäude gehört, habe 5000 Euro zugesagt. Den Restbetrag habe man im Frühjahr 2018 bei der Stadt beantragt, sagt Rump. „Auf eine Entscheidung warten wir noch heute.“

Die Aufstockung des Betriebskostenzuschusses um 500 Euro für eine zweite Mitarbeiterin auf 450-Euro-Basis sei abgelehnt worden. Immerhin bewege sich etwas in Sachen „Barrierefreiheit“: Der Stadtrat habe dafür 5000 Euro in den Haushalt 2019/2020 eingestellt.  „Wir konnten inzwischen eine Lösung finden, die Gehbehinderten den Zugang zu den oberen Räumen ermöglicht.“ Es handele sich um einen mobilen Treppensteiger zum Preis von 6500 Euro. Die zusätzlichen Kosten von 1500 Euro übernehme wieder die Reh-Stiftung.

25 000 Senioren nehmen nach Angaben Rumps derzeit die Angebote der Einrichtung wahr – und die Tendenz sei  steigend.„Wir müssen immer wieder feststellen, dass wir trotz dieser Zahlen in der breiten Öffentlichkeit eher wenig bekannt sind“, sagte der Vorsitzende bei einer Pressekonferenz, bei der der Vorstand des Trägervereins Seniorenbüro Trier über seine Arbeit, seine Sorgen und seine Zukunftspläne informierte.

Nach Angaben von Schatzmeisterin Vera Prochnow beträgt der jährliche Betriebskostenzuschuss durch die Stadt derzeit 44 000 Euro. Die Gesamtausgaben für Miete, Mitarbeiterin, Ehrenamtspauschalen und Material belaufen sich auf rund 72 000 Euro, so dass der Verein derzeit 26 000 Euro selbst durch Spenden, Veranstaltungen und den Verkauf von Seniorenkarten aufbringen müsse. Vorsitzender Rump sagt: „Gesucht werden noch Sponsoren.“

Und er hat eine Vision: Im Obergeschoss des Hauses könnte eine Wohnung für Studierende eingerichtet werden, die dann bei freier Kost und Logis als feste Helfer mitwirken würden.

Zu den Angeboten und Projekten des Seniorenbüros gehört die Seniorenkarte. Sie kostet 15 Euro, gilt für ein Jahr und bringt Vergünstigungen bei einer steigenden Zahl von Partnerbetrieben und öffentlichen Einrichtungen, etwa den Trierer Freibädern. Im Zweijahreszyklus erscheint in Zusammenarbeit mit der Stadt der Trierer Wegweiser für Senioren. Er informiert detailliert über alle Angebote und Einrichtungen. Alle zwei Monate bringt das Seniorenbüro ein Programmheft über seine Veranstaltungen heraus. Das Spektrum reicht vom Kulturkarussel, Vorträgen, Spielenachmittagen, dem Café Zeitlos, Beratungsangeboten, Kinobesuchen, Lesungen bis zu Wandertagen. Neben Sport sind auch Technikangebote in Planung. Ein Schwerpunkt ist die Digitalisierung, mit der Ältere oft Probleme haben. Das PC- und Tabletangebot soll weiter ausgebaut werden. Dazu zählen „digitale Stammtische“ mit Experten und das Projekt „Digital-Kompass“, das Senioren den Einstieg in die Nutzung von Smartphone, PC und Tablet erleichtern soll. Dazu gesucht werden noch ehrenamtliche Helfer als Internet-Lotsen mit PC-Erfahrung.

Als „Alleinstellungsmerkmal für Trier“ nennt der Verein seine Senioren-Vertrauenspersonen (SVP) in den 19 Trierer Stadtteilen, die als Außenstellen des Seniorenbüros tätig sind. Deren Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten soll vertieft werden. Die SVP sind die Ansprechpartner und Vermittler für Senioren in den Stadtteilen. Unterstützt werden sie von Maria Dumrese und Elisabeth Ruschel, die auch bei den Quartiersmanagements in Trier-West, Trier-Nord und Ehrang-Quint mit am Tisch sitzen.

Rump erinnert bei dem Pressegespräch an die Entstehung 1993. Damals nahm der neu gegründete Seniorenrat der Stadt Trier seine ehrenamtliche Arbeit auf. Er war Träger des ersten Seniorenbüros, das im Turm Jerusalem eingerichtet wurde. 2015 mietete die Stadt von der Franz-und-Veronika-Reh-Stiftung das Haus Franziskus an. Fast zeitgleich wurde der Seniorenrat auf Beschluss seiner Mitglieder in den gemeinnützigen Verein Seniorenbüro Trier e.V. umgewandelt, um sich von einem politischen Gremium zu unterscheiden.

2016 bezog das Büro seine neuen Räumlichkeiten im sogenannten Kutscherhaus des Hauses Franziskus. „Wir haben 95 Mitglieder, von denen ein großer Teil ehrenamtlich für uns tätig ist“, sagt Vorsitzender Andreas Rump zum aktuellen Stand des Vereins. „Hinzu kommt eine hauptamtliche Mitarbeiterin. Und erwähnt werden muss der Ortsvorsteher von Kürenz, Bernd Michels, der ständig seinen Erfahrungsschatz einbringt, um den Verein zu fördern.“

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