Das sind die Hintergründe zum drohenden Aus des Zurlaubener Uferfests

Kostenpflichtiger Inhalt: Insolvenzverfahren : Das sind die Hintergründe zum drohenden Aus des Zurlaubener Uferfests

Die Summe, die die Veranstalter des Moselfestes an die Gema bezahlen muss, beläuft sich alleine für das Jahr 2019 auf ein Viertel der Gesamtkosten des Veranstaltung. Der TV hat nachgefragt, ob sich die Stadt Trier vorstellen kann, das Fest zu übernehmen.

Rund 100 000 Euro Fixkosten fallen für die Organisation des Zurlaubener Heimatfests an. Nun hat die Gema, die Gesellschaft, die Gebühren für das öffentliche Abspielen von Musik eintreibt, dem privaten Veranstalter (siehe Info) eine zusätzliche Rechnung über rund 23 000 Euro gestellt. „Das bricht uns das Genick“, sagt Peter Kretzschmar vom Verein M’r wieweln noch in Zalawen. Hier Einzelheiten zur Zahlungsunfähigkeit und der möglichen Zukunft des Traditionsfests:

Gema Die Summe, die die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ eintreibt, berechnet sich nach der Größe des Festgeländes. „Die Gema hat uns dabei 17 000 Quadratmeter in Rechnung gestellt“, berichtet Kretzschmar. Pro angefangenen 500 Quadratmetern fallen laut Gema-Satzung 85 Euro an. Macht bei 17 000 Quadratmetern 2890 Euro – pro Veranstaltungstag. Vom Fassanstich am Freitag bis zum Heimatabend am Montag sind das 11 560 Euro. Dazu hat die Gema einen 100-prozentigen Strafaufschlag berechnet, weil das Moselfest 2019 angeblich nicht angemeldet worden war. Insgesamt beläuft sich die Rechnung damit auf rund 23 000 Euro. „Dabei hatten wir die Gema telefonisch darüber informiert, dass das Fest wie jedes Jahr stattfindet“, sagt Kretzschmar.

Die Gema stellt außerdem Nachforderungen von etlichen Tausend Euro. Nach TV-Informationen weil der Rahmenvertrag, der einst mit der Gema für das Moselfest geschlossen wurde, angeblich schon vor Jahren ausgelaufen ist. „Aus unserer Sicht hatte der Vertrag noch Bestand – weshalb wir weiter mit dem bis dato üblichen niedrigen vierstelligen Betrag kalkuliert hatten“, erklärt Kretzschmar. Dazu komme, dass das Moselfestgelände laut Sicherheitskonzept nur 9386 Quadratmeter groß ist und nicht – wie von der Gema veranschlagt – 17 000 Quadratmeter.

Moselfest am Zurlaubener Ufer 2019 Trier

Die unterschiedlichen Auffassungen über Rahmenvertrag und Größe des Festgeländes müssten nun geklärt werden. „Vorher kann ich mich nicht zu weiteren Einzelheiten äußern“, sagt Kretzschmar. Die Gema selbst ließ am Montag eine TV-Anfrage unbeantwortet.

Weitere Kosten Sicherheitsdienst, Absperrungen, Sanitäter, Gas, Wasser, Strom, Versicherung, die tägliche Reinigung des Geländes: Die Ausgaben für das Moselfest sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen – auf rund 100 000 Euro. Ein Beispiel: Stellten die Sanitäter Anfang der 2000er Jahre noch rund 300 Euro in Rechnung, waren es 2019 gut 12 000 Euro. Auch die Kosten für den Sicherheitsdienst sind immens gestiegen. Die 100 000 Euro finanziert der Festausschuss durch Mieten, die von den Standbetreibern erhoben werden, und Sponsoren. Mal sei dabei ein leichtes Defizit übrig geblieben, mal ein leichtes Plus. „Es war immer so, dass sich das Fest gerade so tragen konnte. Für die nächsten Jahre hatten wir allerdings durch neue Sponsoren und geplante Änderungen eine stabile schwarze Null angestrebt“, sagt Kretzschmar. Wer meint, dass zumindest die Standbetreiber bei der Sache hohe Gewinne machen, irrt laut Kretzschmar: „Vereine, an deren Ständen Ehrenamtliche arbeiten, haben am Schluss durchaus was übrig in der Kasse. Wer seine Mitarbeiter und die Standgebühr bezahlen muss, macht nicht viel Gewinn – insbesondere nicht bei schlechtem Wetter.“

Musik Das komplette Bühnenprogramm organisiert der Trierer Gastronom Matthias Sonnen. Um die Kosten für Bühnenaufbau und -technik sowie die Gagen der Bands zu finanzieren, betreibt er auf dem Moselfest zehn Getränkestände. Außerdem sponserten die Stadtwerke und die Sparkasse Trier das Bühnenmusikprogramm in diesem Jahr mit insgesamt 6000 Euro. Sonnen selbst war am Montag nicht zu erreichen. Laut Festorganisator Kretzschmar erzielt allerdings auch Sonnen keine größeren Gewinne auf dem Moselfest.

Insolvenz Weil die Festausschuss Zalawen UG die Gema-Rechnung nicht bezahlen könnte, wenn sie in der aktuellen Höhe Bestand hätte, hat die Firma beim Amtsgericht Trier Insolvenz angemeldet. „Wie bei solchen Fällen üblich, haben wir ein Gutachten beauftragt, um zu klären, ob für ein Insolvenzverfahren überhaupt genug Masse vorhanden ist“, erklärt Gerichtsdirektor Albrecht Keimburg. Wäre so wenig Geld vorhanden, dass selbst der Insolvenzverwalter, der anschließend die Geschäfte übernehmen würde, nicht bezahlt werden könnte, käme es nicht zu einem Insolvenzverfahren. Die Gläubiger müssten dann auf anderem Weg ihre Forderungen erheben.

Zuschüsse Die Trierer Stadtverwaltung hatte dem Festausschuss 2018 einen Kulturförderung in Höhe von rund 6000 Euro zukommen lassen. Für dieses Jahr hatte Kulturdezernent Thomas Schmitt einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro zugesagt. Bezahlt werden sollte davon das so genannte Baubuch – eine Art Sicherheitsgutachten – für die neue Musikbühne. Bislang habe der Festausschuss allerdings noch keinen konkreten Zuschussantrag für die Kosten des Baubuchs gestellt. „Und bei einer angemeldeten Insolvenz kann ich den zugesagten Zuschuss nun auch leider nicht mehr gewähren“, bedauert Dezernent Schmitt. „Das Geld würde lediglich in die Insolvenzmasse fließen.“

Die bisherige Unterstützung der Stadt sei stets gut gewesen, betont Kretzschmar. „Die Verwaltung hat uns in der Vergangenheit viele Steine aus dem Weg geräumt und uns immer geholfen“, sagt er. Große finanzielle Zuschüsse habe man als privater Veranstalter nicht erwartet.

Hilfe der Stadtverwaltung Grundsätzlich kann sich Kulturdezernent Schmitt allerdings vorstellen, den Festausschuss Zalawen finanziell zu unterstützen. „Je nachdem, wie hoch die Gema-Rechnung letztlich ausfällt, könnte man überlegen, einen einmaligen Zuschuss zu gewähren, die Insolvenz zu überwinden und damit das Moselfest zu retten“, sagt Schmitt. Voraussetzung sei allerdings, dass die Vereine dann tatsächlich weiter mit einem tragfähigen Konzept das Zurlaubener Uferfest organisieren. „Das ist schließlich das öffentliche Interesse, mit dem die finanzielle Hilfe begründet werden könnte. Es kann nicht bloß darum gehen, den Vereinen aus der finanziellen Not zu helfen.“

Bei allem, was er bislang von den Wiewelern und dem MGV Zurlauben gehört habe, würden sich die beiden Vereine zur ehrenamtlichen Organisation der Riesenfete allerdings nicht mehr in der Lage sehen. Wieweler-Geschäftsführer Kretzschmar bestätigt: „Wir haben in unserem Verein einen einstimmigen Vorstandsbeschluss gefasst, das Fest nicht mehr verantwortlich mit zu organisieren.“ Christian Reichert vom Zurlauben ließ die Anfrage des TV am Montag unbeantwortet.

Übernimmt die Stadt? Als 2009 die privaten Veranstalter des Trierer Altstadtfests – damals Vereine und Straßengemeinschaften – ankündigten, das Volksfest nicht mehr organisieren und stemmen zu können, sprang die Stadt ein. Mittlerweile organisiert es die städtische Trier Tourismus- und Marketinggesellschaft (TTM). „Dass wir auch das Moselfest übernehmen schließe ich nicht kategorisch aus, halte ich aber für die wirklich allerletzte Möglichkeit“, sagt Kulturdezernent Schmitt. Nicht nur, weil auch beim Altstadtfest alljährlich ein fünfstelliges Minus unterm Strich übrig bleibt – die Personalkosten der TTM noch nicht eingerechnet.

Die Organisation solcher Veranstaltungen gehöre daher in private Hand – ähnlich wie das Olewiger Weinfest, das eine knappe schwarze Null schreibt. „Ich will daher weitere Gespräche mit den Festausschuss Zalawen führen und biete auch an, in Sachen Gema zu vermitteln. Vielleicht finden sich ja Wege, das Moselfest zu retten – möglicherweise auch, indem es für andere private Veranstalter ausgeschrieben wird“, sagt Kulturdezernent Schmitt.

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