Das Theater Trier verzaubert immer mehr Menschen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Neue Zahlen: Das Theater Trier verzaubert immer mehr Menschen

Der Ansturm auf das Theater Trier setzt sich fort. Die glänzende Bilanz der Saison 2018/2019 könnte noch einmal überflügelt werden. Allerdings zeigt der Blick auf die finanziellen Zahlen auch Schatten.

Wenn die neuesten Besucherzahlen für das Theater Trier vorgestellt werden, ist es inzwischen keine große Überraschung mehr, wenn Erwartungen erneut übertroffen werden. So ist es auch am Mittwochabend, als Kulturdezernent Thomas Schmitt im Kulturausschuss Bericht erstattet. 55 598 Tickets seien bis zu diesem Tag in der neuen Saison bereits verkauft worden. Das sind 11 729 mehr als in der vergangenen Saison, die bereits als außergewöhnlich erfolgreich gilt. „Ich hatte eine solche erneute Steigerung fast nicht für möglich gehalten“, freut sich Schmitt.

Theaterintendant Manfred Langner hat das Kulturflaggschiff der Region nach dem stürmischen Gastspiel seines Vorgängers Karl Sibelius wieder in ruhigeres Fahrwasser gelenkt. Auch er ist sichtlich von der Fortsetzung des Trends begeistert. „Wir können wirklich nicht klagen. Mit 115 000 Zuschauern haben wir schon in der vergangenen Saison unser Ziel deutlich übertroffen.“ Beim Blick in die Zukunft mahnt er dennoch zur Vorsicht. „Wir müssen mit Dämpfern rechnen. Derzeit haben wir zum Beispiel vergleichsweise viele Erkrankungen, die ausgeglichen werden müssen.“

Intendant Manfred Langner zur Situation des Theaters Trier

Ersatzbesetzungen bei Schauspiel und Operette schlagen sich zwar nicht sofort auf die Zahl der verkauften Karten nieder. Auswirkungen haben die zusätzlich notwendigen Engagements aber auf die Finanzen. Auch diese Bilanz war beim Blick auf die Verkaufserlöse und Produktionskosten in der vergangenen Saison positiv. Erstmals seit Jahren sorgte der Zuschauerboom hier über alle Sparten gerechnet sogar für einen Gewinn von 160 000 Euro. Der Blick auf die Details zeigt allerdings, dass die erfolgreichsten Stücke nicht unbedingt auch finanziell dazu beitrugen, das Gesamtdefizit des Stadttheaters zu reduzieren, bei dem mehr als 200 Menschen beschäftigt sind. 16 Millionen Euro wird der Theater-Betrieb im Jahr 2019 voraussichtlich kosten. Ein Verlust von 6,9 Millionen Euro ist angesichts der aktuellen Zahlen einkalkuliert. Das wären 75 000 Euro weniger als noch zu Beginn des Jahres prognostiziert. Hinzu kommen Kosten für die intern verrechneten Leistungen anderer Ämter sowie Planungskosten für die Sanierung des Theaters.

Wie groß diese sein werden, ist noch nicht klar. „Wir sind bei diesem Projekt etwa sechs Monate im Rückstand“, bedauert Kulturdezernent Schmitt. Derzeit stehe die Wirtschaftlichkeitsprüfung für den notwendigen Bau der Ersatzspielstätte an dem Kultur- und Kommunikationszentrum Tuchfabrik an. Danach werde über ein konkretes Planungsverfahren entschieden.

Ohne die positiven Verkaufserlöse wäre die Zwischenbilanz für das Haushaltsjahr 2019 negativ. Vor allem das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer von Oz“ hat mit fast 20 000 Besuchern und einem Überschuss von 113 000 Euro zum positiven Trend beigetragen. Intendant Manfred Langner will mit der Nachfolgeproduktion noch mehr Zuschauer begeistern. „Aladin und die Wunderlampe wird wieder eine sehr tolle Sache. Damit wollen wir die Latte von 20 000 Besuchern überspringen.“

Vom Publikum gefeiert worden ist auch das Musical Spamalot, das von 3639 zahlenden Zuschauern gesehen wurde. Mit einem Defizit von 114 000 Euro trug das Monty Python-Stück allerdings wesentlich dazu bei, dass die Summe der Produktionskosten in dem Drei-Sparten-Haus 81 000 Euro über der Kalkulation lag. Aufgrund mangelnder Erfahrungswerte mit Freiluftaufführungen seien die Kosten für das Ritter-Spektakel zu niedrig angesetzt worden, lautet die Erklärung dazu im Controlling-Fachbericht des Stadttheaters.

Weitere Negativposten in der Bilanz sind die Opern „Dido und Aeneas“ (1342 Besucher; minus 41 000 Euro) und „Die lustigen Weiber von Windsor“ (2787; minus 24 000 Euro). Auf Platz 4 der finanziellen Ausreißer steht das Picknick-Konzert Porta3 (3500 Besucher; minus 21 000 Euro), für das allerdings kein Eintritt verlangt wurde. Auf der positiven Seite gelistet sind nach dem Weihnachtsmärchen die Revue „Piaf“ (4698; 48 000 Euro), das Neujahrskonzert (1218; 32 000 Euro) und die Operette „Pariser Leben“ (4037; 22 000 Euro).

Die Operette „Pariser Leben“ von Jaques Offenbach ist mit Blick auf die Finanzen die erfolgreichste Produktion im Bereich Musiktheater. Foto: Marco Piecuch

„Der Erfolg des Theaters ist die Leistung des gesamten Teams“, betont Intendant Manfred Langner. „Wir sind trotz der aktuellen Krankheitsfälle positiv gestimmt. Alle sechs Produktion der neuen Spielsaison werden gut angenommen. So kann es weitergehen.“

Mehr von Volksfreund