Das Tor zum Posthof regt auf

Der neu gestaltete Durchgang der ehemaligen Hauptpost am Kornmarkt wird zum Stadtgespräch. Mit der "Leitwand" will der Eigentümer mehr Publikum in die Geschäfte im Innenhof bringen. Verschönerung oder Verunstaltung? Die Meinungen dazu sind geteilt.

Trier. Kaum ein Passant, der auf der Fleischstraße in Richtung Viehmarkt unterwegs ist, kann den Blick abwenden, wenn er zum Durchgang kommt, der in den Posthof führt. Seit einigen Tagen steht dort, wo zuvor ein historisierendes Gittertor wenig Aufmerksamkeit auf sich zog, eine modern gestaltete Wand aus Metall. Ausgestanzte Blättermotive und der Schriftzug Posthof sind von innen beleuchtet. Die Unternehmensgruppe Gilbers & Baasch, Inhaber des historischen Hauptpostgebäudes, will damit die Aufmerksamkeit in den Hof lenken, wo einige Geschäfte auf mehr Besucherfrequenz hoffen. "Wir wollen die Neugier bei Touristen und Besuchern wecken, den Innenhof zu betreten", sagt Jens Baasch auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds. Er weiß von der polarisierenden Wirkung der Neugestaltung des Tores. "Wir haben aber auch eine Vielzahl positiver Rückmeldungen bekommen. Man spricht darüber, und das ist auch gut so." Die Gestaltung stamme aus einer Gesamtentwicklung, die vor zwei Jahren begonnen habe. Für die Umsetzung bis zur Baugenehmigung habe es mehrere Abstimmungsgespräche mit dem Denkmalpflegeamt und der Bauverwaltung gegeben. "Der Architektur- und Städtebeirat hat die Leitwand in ihrer Funktion als Eyecatcher als positives Beispiel akzeptiert, weil nicht in die Substanz des Gebäudes eingegriffen wird." Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani spricht von einer zweijährigen konstruktiven Zusammenarbeit. "Dabei ist es darum gegangen, alle Regeln einzuhalten und dennoch den Ansprüchen des Investors gerecht zu werden." Der im Juli 2013 eingereichte Bauantrag habe schließlich alle Voraussetzungen erfüllt, um genehmigt zu werden. "Deshalb habe ich so entschieden."Kritische Stimmen gab es durchaus in den zwei Jahren davor. Besonders der Denkmalpflegebeirat konnte sich nicht wirklich mit der geplanten Neugestaltung anfreunden. Das bestätigt Dominik Heinrich. Der Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld ist selbst Architekt und Mitglied im Denkmalpflege- sowie im Architektur- und Städtebaubeirat. "Es war gut, dass der Investor ernsthaft versucht hat, die Dinge mit den beiden Gremien abzustimmen", sagt Heinrich. "Den Entwurf an sich halte ich zudem architektonisch gesehen für gelungen. Mit Blick auf das denkmalgeschützte Gebäude gefällt mir das aber nicht." Eisentor eingelagert

Der Abbau des schmiedeeisernen Tores sei bedauerlich, auch wenn dieses nicht wirklich historisch, sondern aus den 80er Jahren sei. Das Tor ist nach Aussage von Gilbers&Baasch eingelagert worden. Die neue Gestaltung des Durchgangs entspricht den Vorgaben der aktuellen Werbesatzung. Wer sich nun selbst ein Bild davon machen will, was das bedeutet, wird die Werbeaufsteller nicht übersehen, die vor dem und im Tor stehen. "Diese Stopper stören enorm", sagt Dominik Heinrich. Und auch Baudezernentin Kaes-Torchiani macht zumindest Andeutungen, dass über das Gesamtbild des Eingangsbereiches noch einmal gesprochen werden müsse. Die geplante Überarbeitung der Sondernutzungssatzung mit restriktiveren Vorgaben für Außenwerbung und Außengastronomie wäre dafür eine Grundlage. Nach Meinung von Ortsvorsteher Dominik Heinrich zeigt die Werbung im Straßenraum, dass den Mietern im Posthof die neue Gestaltung nicht ausreicht, um mehr Kunden anzulocken. Er selbst würde lieber heute als morgen die neue Sondernutzungssatzung in Kraft gesetzt sehen. Über diese muss allerdings der neue Stadtrat abstimmen. Einen Zeitplan dafür gibt es noch nicht. Die Inhaber Jens Baasch und Gregor Gilbers freuen sich derweil über die angeregte Diskussion, die vor dem Tor und in den sozialen Netzwerken geführt wird: "Wir sind mit der Neugestaltung grundsätzlich sehr zufrieden und sehen durch die Reaktion der Menschen, dass sie richtig war." Es sei inzwischen gelungen, den "Dornröschenschlaf" des Posthofs zu beenden. "Die Menschen haben nun die Möglichkeit, den Innenhof zu betreten und zu erleben. Alle Sanierungsarbeiten wurden dabei nicht mit möglichst geringem finanziellen Aufwand, sondern einem hohen Qualitätsanspruch durchgeführt." Wie teuer die Neugestaltung war, verraten sie nicht. Die kontroverse Diskussion über den neu gestalteten Durchgang ist noch nicht beendet. In Stadtvorstand, Stadtrat und den Gremien wird das Kernthema der Gespräche allerdings ein anderes sein: Welches Gewicht hat die Meinung des Denkmalpflegebeirats? Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani hat dazu eine klare Meinung: "Das ist ein beratendes Gremium ohne Entscheidungsbefugnis."Wie ist Ihre Meinung zum neuen Posthof-Durchgang? Mailen Sie uns an echo@volksfreund.deBitte vergessen Sie nicht Namen und Anschrift.Meinung

Die Aufsteller müssen wegWie immer, wenn sich an einem prägnanten Gebäude oder Platz in Trier etwas verändert, wird das zum Aufreger. Dagegen ist nichts zu sagen, denn Architektur und Kunst sind durchaus Themenfelder, die Reibungspunkte bieten. Natürlich ist es dann besser, über das Für und Wider einer hochwertigen Gestaltung zu diskutieren, wie im Fall Posthof. Der Eigentümer hat sich hier viel Mühe gemacht, zwei Jahre lang Entwürfe mit der Stadt und den beteiligten Gremien abgestimmt und verändert. Das Ergebnis - auch wenn der Denkmalpflegebeirat davon nicht begeistert ist - kann sich sehen lassen. Verheerend sind allerdings die billigen Werbeaufsteller, die im Zusammenhang mit der Leitwand ein chaotisches Bild erzeugen. Das ist weder dem hochwertig restaurierten Postgebäude noch den Geschäften im Innenhof angemessen, die auf mehr Frequenz hoffen. Dieses Sammelsurium muss verschwinden. Ganz nebenbei bietet sich bei der Suche nach einer Lösung dafür an, noch einmal grundsätzlich über die Bedeutung des Denkmalpflegebeirats für Trier zu diskutieren. r.neubert@volksfreund.deExtra

Der Denkmalpflegebeirat ist ein unabhängiges Gremium, das sich aus Wissenschaftlern, Vertretern der Stadtverwaltung und des Rats sowie Repräsentanten von Verbänden und Vereinen zusammensetzt. Seine Aufgabe ist es, zu anstehenden wichtigen Problemen der Denkmalpflege Stellung zu nehmen und Empfehlungen auszusprechen. Das betrifft sowohl Einzelobjekte und Ensembles als auch das charakteristische Stadtbild. Das Gremium trifft sich dazu mindestens zweimal im Jahr zu nichtöffentlichen Sitzungen. Der Beirat ist nicht an Beschlüsse des Stadtrats oder seiner Ausschüsse gebunden. Entscheidungen werden mit Zwei-Drittel-Mehrheit getroffen. Diese Entscheidungen haben für die Stadtverwaltung und den Stadtrat keinen verpflichtenden Charakter. red Quelle: Stadt Trier