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Das traurige Ende einer verzweifelten Hilfsaktion

Das traurige Ende einer verzweifelten Hilfsaktion

Drei Tage lang haben Hilfskräfte sich bemüht, das Leben Zigtausender Jungfische zu retten, die in einem austrocknenden Arm der Sauer gefangen sind. Dennoch werden Tausende verenden. An der Sauer, wo derzeit bei Rosport ein Stauwehr saniert wird, ist vieles schiefgelaufen.

Rosport/Mainz/Trier. Auf deutscher Seite ist bereits alles zu spät. Der schlickige Boden, der mit Wasser bedeckt sein sollte, ist übersät mit toten Fischen. Wie viele Tiere in dem leergelaufenen Seitenarm der Sauer verendet sind, seit die Luxemburger den Wasserpegel des Grenzflusses um zwei Meter abgesenkt haben, kann niemand genau sagen. Tausende sicher. Vielleicht Zehntausende. Vielleicht noch mehr.
Dennoch versuchen Mitarbeiter der luxemburgischen Bauverwaltung auf Drängen deutscher Behörden zu retten, was noch zu retten ist und suchen in den verbleibenden Tümpeln nach überlebenden Jungfischen und Muscheln. Das machen sie allerdings erst seit Mittwoch.
Erst seitdem publik wurde, was an der Sauer alles schiefgelaufen ist: Offenbar ohne die deutschen Behörden zu informieren und ohne dafür eine Genehmigung einzuholen, hat die luxemburgische Bauverwaltung entschieden, den Sauerpegel um zwei Meter abzusenken, damit das Stauwehr bei Rosport saniert werden kann. Nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums haben die Luxemburger die Auswirkungen dieses Handelns völlig unterschätzt.
Die Folge: Der deutsche Seitenarm der Sauer, der Fischen als Brutstätte diente, lief leer. Unzählige Tiere verendeten. Auf der gegenüberliegenden luxemburgischen Seite hingegen, wo sich bei Steinheim auch ein solcher Laicharm befindet, hatten luxemburgische Angler mit Unterstützung der Wasserwirtschaftsverwaltung eine Hilfsaktion organisiert: Mithilfe einer Pumpe und eines provisorischen Damms war es den Anglern am Dienstag gelungen, den Wasserpegel konstant zu halten. Am Dienstagabend waren dann noch deutsche Hilfskräfte hinzugekommen, die Wasser in den Seitenarm pumpten und den Damm verstärkten.
Nach Auskunft des luxemburgischen Wasserwirtschaftsamtes war der Pegel am nächsten Morgen dennoch gesunken, weil der Damm immer wieder unterspült wurde. "Noch zehn Tage hätten wir das nicht geschafft", sagt Jean-Paul Lickes von der Wasserwirtschaftsverwaltung. Daher habe man entschieden, den Damm zu öffnen, um möglichst viele Fische in die Sauer schwimmen zu lassen. Fest steht: Ein Teil wird zurückbleiben und verenden.
Am Mittwochnachmittag ist der Pegel in dem Seitenarm bereits deutlich gesunken. Tümpel beginnen, sich zu bilden. Und die bewegte Wasseroberfläche zeigt deutlich, dass sie voller Leben sind. Die Jungfische, die es nicht in die Sauer schaffen, haben keine Überlebenschance. Denn selbst wenn es Helfern gelänge, durch den tiefen Schlick zu ihnen zu kommen, wären ihre Netze zu grobmaschig, um die winzigen Fische zu fangen. Sie werden ersticken. Wie viele von ihnen, kann Lickes nicht sagen. Tausende? "Sicher", sagt er nickend. "Die ideale Lösung haben wir nicht gefunden."
Da dürfte Pierre Merten ihm beipflichten. Der Grenzgewässerkommissar des luxemburgischen Fischereiverbands ist aufgewühlt, traurig über das "langsame Fischsterben", das nun kommen wird. Und wütend auf die Behörden, die seiner Meinung nach eine grobe Fehlentscheidung getroffen haben. "Eine Pumpe hätte genügt", sagt er. Damit hätte man den Wasserstand halten können. Er glaubt, dass den Behörden das zu teuer war. Sein Verband erwägt nun zu klagen. Ist doch nach Ansicht Mertens der Fischbestand in der Sauer auf einer Länge von 30 Kilometern auf Jahre dezimiert.
Welchen wirtschaftlichen Schaden das nach sich zieht, lässt sich nicht einschätzen. Alfred Weinandy von der zuständigen deutschen Wasserbehörde versucht zu relativieren: "Diese lokale Katastrophe hat zerstört, was wir in zwei Jahren aufgebaut haben", sagt er. Denn die beiden Seitenarme seien erst 2009 angelegt worden. Die Hoffnung ist daher, dass sie in zwei Jahren wieder voller Leben sein werden. kah