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Das Trierer Burgunderviertel - Geisterdorf in bester Lage

Das Trierer Burgunderviertel - Geisterdorf in bester Lage

Als wegen der Baustelle am Kohlenstraßenkreisel der Verkehr durchs Burgunderviertel umgeleitet wurde, wunderten sich Tausende Trierer über die ausgestorbene Siedlung. Nun scheint endlich festzustehen, wie es mit dem Geisterdorf weitergeht.

Einfamilienhäuser sind kaum auf dem Markt, Baugrundstücke noch knapper, obwohl überall in der Stadt nachverdichtet wird. Und auch freie Mietwohnungen in guter Lage haben Seltenheitswert: In ganz Trier ist der Wohnraum knapp. In ganz Trier? Nein. Auf dem Petrisberg - in bester Lage - steht ein ganzes Quartier mit rund 220 Wohnungen leer. Im so genannten Burgunderviertel lebten ehemals Angehörige des französischen Militärs (siehe Extratext unten).
Seit Jahren sind fast alle der schön gebauten und angeordneten Mehrfamilienhäuser dem Verfall preisgegeben. Trotz zerbrochener Scheiben, verrammelter Türen und Graffiti verströmt das Viertel mit seinen geschwungenen Straßen und dem vielen Grün Charme. Lebendig ist das Quartier allerdings nur noch gleich am Anfang der Burgunderstraße, wo der deutsch-französische Kindergarten steht, und an seinem westlichen Rand. Dort hat die Stadt sechs der alten Häuser soweit instand gesetzt, dass in die insgesamt 24 Wohnungen Flüchtlingsfamilien einziehen konnten. Fünf weitere Häuser mit je vier Wohnungen sind zumindest als vorübergehende Unterkünfte für weitere Asylbewerber vorgesehen.Schwierige Verhandlungen

Jahrelang hat die Stadt mit dem Bund, dem das Areal gehört, über dessen Verkauf verhandelt. Nun zeichnet sich nach TV-Informationen das Ergebnis ab: Die Trierer Entwicklungsgesellschaft EGP wird das Gelände voraussichtlich erwerben und in ein Wohnviertel verwandeln.
"Unsere Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über den Kaufpreis des Geländes sind soweit abgeschlossen", bestätigt Triers Baudezernent Andreas Ludwig. Ihr Vorkaufsrecht will die Stadt allerdings nicht selbst nutzen, sondern an die EGP abtreten, an der die Stadt zu 35 Prozent beteiligt ist. "Ja, wir wollen das Areal kaufen und entwickeln", bestätigt EGP-Chef Jan Eitel auf TV-Nachfrage. Voraussetzung ist, dass der Stadtrat zustimmt. Wohl in der Märzsitzung des Gremiums soll die Entscheidung fallen.
Zum Kaufpreis will Eitel sich nicht äußern. Nach TV-Informationen beläuft sich dieser für das rund 6,5 Hektar große Gelände allerdings auf einen einstelligen Millionenbetrag im oberen Bereich. Es ist damit deutlich teurer als das ehemalige Militärgelände Castelnau in Trier-Feyen, dass die EGP 2010 für etwa drei Millionen gekauft und mittlerweile in ein blühendes Wohn- und Geschäftsviertel verwandelt hat.
Das Burgunderviertel unterscheidet sich auch in anderer Hinsicht von den bisherigen EGP-Projekten: "Beim ehemaligen Landesgartenschaugelände und bei Castelnau konnten wir von der Pike auf die spätere Nutzung planen", sagt Eitel. Fürs Burgunderviertel hat die Stadt dagegen bereits 2012 einen detaillierten Rahmenplan aufgestellt und dabei das Gelände auf den Namen Belvedère getauft. Laut diesem Plan sollen rund die Hälfte der alten Häuser im südöstlichen Viertel mit etwa 90 Wohnungen erhalten werden. Der restliche Altbestand soll abgerissen werden. 130 Wohneinheiten sollen in neuen Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern entstehen. Mindestens 25 Prozent der Wohnungen sollen so genannte Sozialwohnungen für Familien mit geringem bis mittlerem Einkommen sein. Mehr Sozialwohnungen?

 2010 haben die letzten Franzosen die ehemalige Militärsiedlung an der Burgunderstraße in Trier-Kürenz auf dem Petrisberg verlassen. Seitdem steht das Quartier leer. TV-Foto: Christiane Wolff
2010 haben die letzten Franzosen die ehemalige Militärsiedlung an der Burgunderstraße in Trier-Kürenz auf dem Petrisberg verlassen. Seitdem steht das Quartier leer. TV-Foto: Christiane Wolff
 2010 haben die letzten Franzosen die ehemalige Militärsiedlung an der Burgunderstraße in Trier-Kürenz auf dem Petrisberg verlassen. Seitdem steht das Quartier leer. TV-Foto: Christiane Wolff
2010 haben die letzten Franzosen die ehemalige Militärsiedlung an der Burgunderstraße in Trier-Kürenz auf dem Petrisberg verlassen. Seitdem steht das Quartier leer. TV-Foto: Christiane Wolff

Nicht vorgesehen ist im Rahmenplan von 2012 der Bedarf für Flüchtlingsunterkünfte. Mit dem Bund hat die Stadt nun vereinbart, dass die rund 1,5 Hektar große Teilfläche des Burgunderviertels, auf dem die Häuser für Asylbewerber stehen, im Besitz des Bundes bleibt.
"Das erleichtert die Rückerstattung der Kosten, die uns durch die Renovierung der Häuser und die Unterbringung entstehen, durch den Bund", erklärt Baudezernent Ludwig.
"Auch für den übrigen Bereich von Belvedère sollte der Rahmenplan dem heutigen Bedarf angepasst werden", schlägt EGP-Chef Eitel vor. "Mehr Wohnungen sollten dabei nicht geplant werden - das würde eine zu große Verkehrsbelastung für das Avelertal bedeuten. Aber wir würden die Quote der sozial geförderten Wohnungen gerne deutlich erhöhen", sagt Eitel.
Einen rechtsgültigen Bebauungsplant gibt es ohnehin noch nicht. Frühestens Ende 2018 könnte Baurecht bestehen und dem Geisterdorf neues Leben eingehaucht werden.

Extra
Das Burgunderviertel entstand zwischen 1955 und den 1970er Jahren. 2010 verließen die letzten Franzosen die ehemalige Militärsiedlung. Bis auf wenige Privathäuser an der Louis-Pasteur-Straße, dem deutsch-französischen Kindergarten und den im vorigen Jahr als Flüchtlingsunterkünfte hergerichteten Häusern steht das Viertel seitdem leer.