Das Trierer Exhaus hat ein neues Zuhause

Soziales : Das Exhaus hat ein neues Zuhause

Nach dem Schock der Schließung keimt wieder Hoffnung. Die ehemalige Geschwister-Scholl-Schule dient für den Trägerverein und die offene Jugendarbeit vorläufig als Ersatzstandort.

Die Erinnerung an den 7. Februar ist noch frisch. „Bei uns haben an diesem Tag gestandene Männer geweint“, sagt Cornelius Günther, Vorsitzender des Trägervereins des Jugendkulturzentrums Exhaus. An jenem Donnerstag musste das denkmalgeschützte Gebäude in Trier-Nord geräumt werden, weil bei der bereits laufenden Brandschutzsanierung weitere gravierende Gebäudeschäden entdeckt worden waren.

Nach dem bereits gesperrten Mittelteil des Jugendzentrums mussten wegen Einsturzgefahr auch der Nord- und der Südflügel geschlossen werden. Das anvisierte Ziel, noch im Sommer 2019 die Renovierung zumindest in wesentlichen Teilen abzuschließen, rückte an diesem Tag in weite Ferne.

Carsten Lang, Leiter des Jugendamts Trier, beschreibt das Gefühl bildhaft: „Das war, als hätte man gerade den Kopf aus dem Wasser gestreckt und bekommt dann eine Bratpfanne übergezogen.“

Denn nicht nur für die Kulturszene war die Nachricht von der Schließung ein Schock. „Das Exhaus ist auch für die Jugendarbeit im Stadtteil Trier-Nord, in Ehrang und für die ganze Stadt von großer Bedeutung“, sagt Lang und verweist unter anderem auf den Kinderhort, die offene Jugendarbeit mit Medien-Projekt und Hausaufgaben-Betreuung, das lokale Fanprojekt und die Streetworkarbeit für Jugendliche und junge Erwachsene. Zudem betreibt der Exhaus-Verein in Trier-Ehrang den Jugendclub Blue.

Die beiden Exhaus-Streetworker sind im gesamten Stadtgebiet aktiv. „Die agieren immer kooperativ mit den Angeboten in den Stadtteilen“, erläutert Lang. Es geht darum, deeskalierend zu wirken, wenn Gruppen von Jugendlichen ihre Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen auszuleben versuchen. „Das kann ein Treffpunkt im Lotto-Forum auf dem Petrisberg sein. Manchmal wird auch nur eine Parkbank besetzt.“

Der Kinderhort mit seinen 45 Plätzen war bereits vor zwei Monaten in Räume der Ambrosius-Grundschule ausgelagert worden. „Das war kein Signal für eine Vorahnung, dass schlimmere Schäden entdeckt werden könnten. Wegen der neuen Fluchtwege für den Gewölbekeller Exil gab es im Exhaushof eine große Baugrube, die für die Kinder zu gefährlich war.“ Lang betont, dass viele Leistungen des Exhauses im Kinder- und Jugendbedarfsplan der Stadt festgeschrieben sind. „Damit sind das keine freiwilligen Leistungen mehr, sondern Pflichtleistungen, für die wir in jedem Einzelfall eine Lösung finden müssen.“

Gut sei das bislang gelungen, freut sich Sozialdezernentin Elvira Garbes (Bündnis 90/Die Grünen). „Alle arbeiten mit Hochdruck daran, Lösungen zu finden.“ Und auch Cornelius Günther ist zufrieden. „Die komplette Schließung des Gebäudes war tatsächlich eine Zäsur mit großer Symbolik. Aber inzwischen herrscht wieder Zuversicht.“

Die Büros des Exhaus-Vereins sind übergangsweise in die ehemalige Geschwister-Scholl-Schule in Trier-Nord umgezogen. Dorthin kommen nun auch die jungen Gäste der offenen Jugendarbeit („Das ist eine unserer wichtigsten originären Aufgaben“). Eine Lösung zeichnet sich für das Fanprojekt ab, in dem zwei pä–dagogische Fachkräfte als Mediatoren und Ansprechpartner für lokale Fangruppen aktiv sind, darunter auch die Ultras von Eintracht Trier. Im Umfeld des Stadions seien bereits mehrere mögliche Standorte für den Treffpunkt besichtigt worden. Günther: „Wir versuchen die derzeitige Situation auch als Chance zu nutzen, noch besser mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“

Bundesweit haben die Hiobsbotschaften zum Exhaus in der Kulturszene für Aufmerksamkeit gesorgt. „Die Schließung ist überall in den Fachmagazinen“, sagt Cornelius Günther, der die Presseberichte sammelt. „Wir profitieren auch in Trier davon, dass wir viele Freunde haben.“ So seien inzwischen Ersatzspielorte für nahezu alle Konzerte gefunden. Lediglich für das Mitte August ursprünglich im Innenhof des Exhauses geplante Summer­blast-Festival gebe es noch keine Lösung. Die anderen Konzerte gastieren unter dem Motto „Exhaus bei Freunden“ zum Beispiel im Mergener Hof, in der Kultkneipe Lucky’s Luke oder in der Villa Wuller.

Herrscht also Zweckoptimismus auf dem sinkenden Schiff? Vorsitzender Günther bestreitet das. „Wir tun alles, damit der Verein überleben kann.“ Jugendamtsleiter Lang verweist auf die große Bedeutung des Exhaus-Angebots für die Stadt. „Eine verlässliche Planung ist für uns sehr wichtig.“

Nun geht es darum, möglichst rasch einen Grundsatzbeschluss für die Sanierung des Exhauses zu fassen. „Geplant ist das für den 17. April, der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl“, sagt Sozialdezernentin Elvira Garbes. Der Beschluss sei Voraussetzung für die konkrete Ermittlung der Renovierungskosten. Die bislang überwiegend positiven Signale der Ratsfraktionen stimmen sie optimistisch.

Sie glaubt den Grund für die große Kooperationsbereitschaft zu kennen: „Das Exhaus wurde von Generationen von Trierern besucht. Irgendwie ist jeder damit verbunden. Es ist das kollektive Gedächtnis der Stadt.“

Jugendamtsleiter Carsten Lang formuliert es etwas pragmatischer: „Den Spruch ,Ohne Exhaus hätten wir keine Kinder’ habe ich schon häufiger gehört.“

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