Das Volk will Brot und Spiele

Das Volk will Brot und Spiele

TRIER. Wenn die römischen Legionen wieder exerzieren, die Gladiatoren im Sand der Arena um Ehre und Leben kämpfen, und das Volk den Sieger bejubelt und den Verlierer zum Tod verurteilt – dann hat "Brot und Spiele" begonnen. Tausende sahen in Trier die fünfte Auflage von Deutschlands größtem und populärstem Römerspektakel im Amphitheater und in den Kaiserthermen.

Langsam schreitet die vermummte Gestalt durch die Arena. Ein schwarzer Umhang und eine Maske verbergen Gesicht und Körper. Das allgegenwärtige Murmeln - im Amphitheater sitzen mehr als 2000 Zuschauer - wird leiser. Die schwarze Gestalt kümmert das nicht. Nur eine einzige Sache interessiert Sharon, den Fährmann. Er ist gekommen, um die Seelen der gefallenen Kämpfer über den Fluss Styx in die Unterwelt zu bringen.Weder verharmlost noch dramatisiert

"Brot und Spiele", entwickelt und konzeptioniert von der Medienfabrik Trier, verharmlost den barbarischen Aspekt der antiken Spiele um Leben und Tod nicht. Aber ganz anders als in Hollywood-Produktionen wie "Gladiator" mit einem Schwerter schwingenden Russel Crowe werden die Spiele und Kämpfe auch nicht dramatisiert und auf Adrenalin-getränkten Voyeurismus reduziert. Was sich zum fünften Mal im Trierer Amphitheater abspielt, ist so real wie nötig und so realistisch wie möglich. Dafür sorgen die Gladiatoren, die keine Schauspieler, Statisten oder Stuntmen sind, sondern eher experimentelle Archäologen des Mailänder Instituts Ars Dimicandi. Da donnern Schilde im Vollkontakt gegen Helme, Lanzen rammen Brustpanzer - Blut fließt, und es ist echt. Die Kämpfe sind nicht choreographiert und vorher abgesprochen. Fitness und Tagesform der Kämpfer aus Mailand entscheiden über den Ausgang. Und das Volk entscheidet, ob der Verlierer leben darf, um an einem anderen Tag erneut zu kämpfen, oder ob er zu einem Fall für Sharon wird. "Vita" oder "Mors" - Leben oder Tod. Die gutherzigen Treverer rufen fast immer "Vita". Die Gladiatorenspiele haben einen völlig neuen Ablauf und erzählen in 90 Minuten die Geschichte des Gladiators Valerius, der von einer unbekannten Nullnummer zum berühmten Kämpfer wurde, dafür allerdings seinen väterlichen Freund und Mentor in der Arena besiegen musste. Dieses Schauspiel ist der spektakulärste Bestandteil von "Brot und Spiele". Doch ebenfalls faszinierend sind die Vorgänge in den Kaiserthermen - vor allem für Kinder. Sie dürfen antiken Schmiedemeistern und Handwerkern bei der Arbeit zusehen und helfen, sie können Legionäre in voller Rüstung bestaunen und sich amüsieren, wenn Papa sich zu einem Sparring mit Kurzschwert und Schild überreden lässt. Und sie können die Kampfübungen zu Pferde der Gruppe "Timetrotter" auf dem großen Exerzierplatz bewundern - der allerdings, mangelhaft gesichert, gefährlich werden kann, wenn die Pferde den Zuschauern zu nahe rücken.