Neues Urteil: „Das war Drogenschmuggel im ganz großen Stil“

Neues Urteil : „Das war Drogenschmuggel im ganz großen Stil“

Das Landgericht Trier verurteilt zwei geständige Marihuana-Kuriere am Freitag zu langen Freiheitsstrafen. Doch sie sind keine Drahtzieher, sondern nach den Worten eines Verteidigers nur „die Ärmsten der Armen“.

Die beiden Männer auf der Anklagebank zeigen keine Reaktion, als Richterin Petra Schmitz das Urteil verkündet: Fünf Jahre und sechs Monate für den ersten Angeklagten, vier Jahre und sechs Monate für den Zweiten. Die in Norddeutschland lebenden Türken waren nach Überzeugung des Gerichts und der Staatsanwaltschaft als Transporteure im Auftrag eines internationalen Drogenrings unterwegs, der Rauschmittel im großen Stil per LKW von Spanien in die Bundesrepublik bringen ließ.

Doch die Fahnder waren ihnen auf der Spur und schlugen im Herbst 2017 zu: Auf dem Rastplatz Markusberg an der A 64 stoppten sie den Laster, in dem die beiden Angeklagten saßen, und fanden 221 Kilo Marihuana in 52 Paketen, die zwischen der legalen Ladung versteckt waren (der TV berichtete). Seitdem sitzen die Männer in Untersuchungshaft und warten auf das Ende ihres Prozesses.

Nach ihrer Verhaftung hatten die Angeklagten zunächst bestritten, irgendetwas über Drogen in ihrer Ladung gewusst zu haben. Doch später legten sie Geständnisse ab. Mit Hilfe ihrer beiden Anwälte zeichneten sie im Verlauf des Prozesses das Bild von Männern, die auf der Suche nach ehrlicher Arbeit waren, dabei aber  in die Fänge der organisierten Kriminalität gerieten und von dieser auch noch betrogen wurden.Von 221 Kilo Marihuana sei nie die Rede gewesen, lediglich von maximal 20 Kilo. Für deren Transport von Spanien nach Deutschland gab es dann die Bezahlung bar auf die Hand. 1000 Euro waren es, sagt einer der Angeklagten.

Die Verteidigung spricht von mildernden Umständen. Die Ermittler hätten nicht die Organisation erwischt, die Drogen nach Deutschland schmuggelt, sondern nur „die Ärmsten der Armen“. Das sieht Staatsanwalt Eric Samel anders. Zwar räumt auch er ein, dass die Angeklagten „nur Transporteure und ausführende Organe“ waren, „ganz sicher nicht die großen Lichter“. Dennoch wussten sie nach Ansicht des Anklägers genau, was sie taten. „Es ist eine reine Schutzbehauptung, nur von 20 Kilo Drogen gewusst haben zu wollen.“

So sieht auch das Gericht die Lage. „Der Drogentransport ist mit enorm hohem konspirativen Aufwand durchgeführt worden“, sagt Richterin Petra Schmitz. „Das war Drogenschmuggel im ganz großen Stil.“ Der LKW sei von zwei Fahrzeugen begleitet worden, die es jedoch geschafft haben, sich vor der Kontrolle am Markusberg abzusetzen. Die Handys der Angeklagten seien mit einer  teuren und hochwertigen Verschlüsselungssoftware ausgerüstet gewesen. „Einen solchen Aufwand betreibt man nicht wegen 20 Kilo“, betont Schmitz.

Eine zweite Drogenfahrt vom Oktober 2017, mit der 110 weitere Kilo Marihuana von Spanien nach Deutschland gebracht worden sind, steht ebenfalls auf der Liste der Ankläger, kann aber nur einem der beiden Angeklagten nachgewiesen werden. Er erhält die höhere Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten, der zweite Angeklagte wird in diesem Punkt freigesprochen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die beiden Angeklagten können eine Revision beantragen. Dabei würde der Fall nicht noch einmal komplett neu verhandelt, sondern nur überprüft, ob das Urteil des Landgerichts Trier korrekt und ohne Rechtsfehler zustande gekommen ist. Ob die Verurteilten dieses Rechtsmittel einsetzen wollen, ist noch nicht klar. Beide nutzten ihr Recht des letzten Worts, um zu betonen, dass sie einen großen Fehler gemacht haben und es ihnen sehr leid tue.

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