Das Wegschau-Phänomen

Der Deutsche Multimediapreis mb21 wird übermorgen, Sonntag, in Dresden verliehen. Mit dabei ist auch ein Kunstwerk der beiden Trierer Studenten Matthias Heintz und Jan-Henrik Walter: Das "Konfrontarium", das den Zuschauereffekt simuliert.

Trier. Matthias Heintz und Jan-Henrik Walter sind für den Deutschen Multimediapreis mb21 nominiert. Mit ihrem Werk "Konfrontarium" befinden sich die beiden Studenten aus Trier im Rennen, um einen der Sach- und Geldpreise im Gesamtwert von mehr als 10 000 Euro.
Beide studieren im Fachbereich Intermedia Design der Hochschule Trier.
Ihr Kunstwerk besteht aus acht dunklen Plastikköpfen auf Podesten, die sich ständig wegdrehen, wenn man versucht, Blickkontakt aufzunehmen. Doch wenn man sich von den Figuren abwendet, durchbohren diese sofort den Besucher mit einem stechenden Blick.
"Konfrontarium" simuliert das Phänomen des Zuschauereffektes: Wenn zum Beispiel jemand Hilfe in einer Notsituation braucht, dann helfen nur die wenigsten Menschen, obwohl jeder genau beobachtet, was passiert.
"Konfrontarium" ist einer der 26 Beiträge, die im Rahmen des Medienfestivals in den Technischen Sammlungen Dresden am Wochenende gezeigt werden.
Das Trierer Duo beschreibt seine Intentionen mit dem "Konfrontarium" folgendermaßen: "Ob das Konfrontarium Kunst ist, kann erst einmal jeder für sich entscheiden. Wir haben es in erster Linie als Gestaltung einer Benutzererfahrung gesehen, die von uns ,designt' wird. Das Konfrontarium sollte dabei Betrachterrollen umdrehen und dadurch eine Selbstreflexion auslösen. In jedem Fall sollte der Besucher sich unwohl, angestarrt, beobachtet und hilflos fühlen."
Die Idee kam den beiden Studenten beim Mittagessen, und sie sehen das Kunstwerk als "interaktive Installation" an, die den Besucher emotional berühren soll. Die Meinungen der Besucher sind offenbar sehr positiv: "Das Feedback war sehr gut. Besucher waren verwirrt, unangenehm berührt und teilweise sogar belustigt. Bei vielen schlugen anfängliche Angstgefühle in befreiendes Lachen um, wenn sie dann das System verstanden hatten."
Heintz und Walter geben sich jedoch bescheiden, als sie vom TV gefragt werden, wie sie ihre Erfolgschancen einschätzen: "Dazu können wir natürlich nichts sagen Wir kennen ja die anderen Projekte nicht. Umso mehr freuen wir uns aber auf den Abend der Präsentationen!"
Spätestens am Sonntag ist das Bangen dann vorbei, und die Studenten können ihre Zeit neuen Projekten widmen.