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Das Ziel ist ein neues Netzwerk im Sauertal

Das Ziel ist ein neues Netzwerk im Sauertal

Bis zu 36 Menschen werden vermutlich im Sommer in ein derzeit leerstehendes Gebäude in der Nähe der Ralinger Mühle einziehen. Zuvor soll eine Helfergruppe aufgebaut werden, die die Menschen unterstützt, die vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflüchtet sind.

Ralingen. Mag sein, dass es an der Lage liegt. In ein frei stehendes und früher vom Zoll genutztes Gebäude in der Nähe der Ralinger Mühle sollen Asylbegehrende einziehen. Direkte Nachbarn gibt es dort nicht. Doch das bedeutet nicht, dass die neuen Mitbürger den alteingesessenen Ralingern egal sind. Rund 100 sind ins Ralinger Pfarrheim gekommen, um dort zu erfahren, wer denn da im Sauertal eine neue Heimat finden soll (der TV berichtete).
Joachim Christmann von der Kreisverwaltung und
Carsten Stumpenhorst vom Diakonischen Werk spricht über das, was in Ralingen geplant ist. Christmann kann keine Aussage darüber machen, wie sich die Zahl der aufzunehmenden Menschen insgesamt verändern wird. 244 seien es im Januar gewesen, im Mai würden 155 erwartet, im August 55. Christmann: "Je weiter wir in die Zukunft blicken, um so unsicherer werden die Prognosen." Denn die Zahl der Flüchtenden hänge davon ab, wie sich die Lage in den Krisengebieten entwickelt. Was der Mann von der Kreisverwaltung hingegen definitiv sagen kann, ist, dass sich die Zusammensetzung verändert hat. Inzwischen kommt fast niemand mehr aus den Westbalkanstaaten. Syrien, Irak und Iran sind aktuell die am stärksten vertretenen Herkunftsländer.
Überhaupt nicht vorhersagen lässt sich zudem, welchen Familienstand die Menschen haben, die dem Landkreis zugewiesen werden. Es sei überall so, dass am liebsten Familien und keine jungen, alleinreisenden Männer aufgenommen worden. Doch könne die Verwaltung keine Sonderwünsche erfüllen. Denn es sei Aufgabe zusammen mit den Verbandsgemeindeverwaltungen und den Ortsgemeinden eine Unterkunft für alle Menschen zu finden.
Polizei: "Keine Kriminalitätsflut"



Diakonie-Geschäftsführer Stumpenhorst macht deutlich, dass die im früheren Zollgebäude untergebrachten Menschen von einer Fachkraft betreut werden. Diese sei jedoch auch für die Ralinger da, falls es Probleme gebe.
Falls es die gibt, ist natürlich auch die Polizei nicht weit, die mit zwei Beamten bei der Sitzung präsent ist. Polizeihauptkommissar Marc Powierski von der Polizeidirektion Trier versucht deutlich zu machen, dass keine Kriminalitätsflut zu erwarten ist, wenn die Flüchtenden kommen. "In der Diskussion um Flüchtlinge wird vieles hochgekocht", sagt er.
Von den Bürgern werden an diesem Abend viele Fragen gestellt. Diese drehen sich eher um die Frage, wie Hilfe für die Menschen organisiert werden kann. Seien es Sprachkurse oder die Frage, wie man damit umgeht, dass die neuen Einwohner Ralingens nicht ins nahe Luxemburg dürfen. Kritische oder ablehnende Wortmeldungen gibt es hingegen nicht. Dazu passt, dass auf Anhieb 24 Bürger dazu bereit sich, sich in einem Flüchtlingsnetzwerk zu engagieren. Solche Gruppen gibt es unter anderem auch in Zemmer oder in Trierweiler.
Bis vermutlich im Sommer die neuen Bewohner in das alte Gebäude des Zolls einziehen, werden nun zwei Dinge geschehen. Das derzeit leer stehende Haus wird so hergerichtet, dass dort Menschen leben können. Außerdem soll sich in den kommenden Wochen ein Helferkreis bilden, damit im Sommer Ralinger und Neu-Ralinger einen gemeinsamen guten Start haben. har