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Das ziemlich profane Geheimnis der Uhr von St. Gangolf

Das ziemlich profane Geheimnis der Uhr von St. Gangolf

Da stimmt doch was nicht! Der Anblick der frisch reparierten Uhr von St. Gangolf am Hauptmarkt bringt den Betrachter zum Grübeln. Des Rätsels Lösung: Die römischen Ziffern IV, V und VI stehen auf dem Kopf.

Trier. (rm.) So golden wie seit vielen Jahren nicht mehr strahlten Zeiger und Ziffern, als das Baugerüst verschwunden und der Blick auf die Uhr frei war. Doch Pastor Hans Wilhelm Ehlen konnte sich nicht so recht erfreuen an dem Anblick.

Was dem im Umgang mit historischen Kirchturmuhren ungeübten Betrachter erst nach einigem Grübeln klar wird, fiel dem Geistlichen gleich ins Auge: "Die Ziffern IV, V und VI sind falsch herum angebracht." Vorausgegangen waren in der Woche vor Ostern aufwendige Reparaturarbeiten. Zur Runderneuerung von Ziffern und Zeigern musste erst ein Baugerüst aufgestellt werden. Eine Spezialfirma demontierte die in rund 40 Metern Höhe angebrachte Uhr, und brachte die Einzelteile in die Werkstatt, wo sie entrostet, gestrichen, geharzt und vergoldet sowie defekte Schrauben ausgetauscht wurden. Alles in allem ein 8500-Euro-Auftrag. Dass die Wiedermontage nicht ganz im Sinne des Auftraggebers erfolgte, fiel erst nach Abbau des Gerüsts auf.

Aber da war er natürlich zu spät für eine sofortige Fehler-Korrektur. Pastor Ehlen trägt's mit "relativer Gelassenheit", denn am kommenden Dienstag rücken die Uhrwerker erneut an. Zum Umdrehen der Ziffern wollen sie einen Fahrkorb einsetzen, der von der Turmgalerie herabgelassen wird.

Diesmal, da ist Ehlen sicher, werden die Monteure den über der Uhr angebrachten lateinischen Text "vigilate et orate" ("Wachet und betet!") zumindest teilweise beherzigen: "Sie werden ganz sicher darüber wachen, dass sie den Ziffern den richtigen Dreh geben. Wenn sie dafür beten - umso besser."