Dauerbrenner-Duell in Neuauflage

Dauerbrenner-Duell in Neuauflage

TRIER-SÜD. Für Spannung ist gesorgt in der Südstadt: Bleibt Triers letzte "rote Bastion" erhalten oder setzt sich Gilbert Felten (CDU) in seinem vierten Anlauf auf den Ortsvorsteher-Posten gegen Amtsinhaber Werner Schulz (SPD) durch? Grünen-Kandidat Aaron M. Braun komplettiert das Bewerber-Trio.

Wer behauptet, Stadtteil-Politik sei eine dröge, langweilige Sache, der hat nie eine Ortsbeirats-Sitzung in Trier-Süd erlebt. Da kann es schon mal lauter zugehen. Die Herren Schulz (Ortsvorsteher seit 1989) und Felten (verhinderter Ortsvorsteher) pflegen gelegentlich einen etwas rustikalen Umgang miteinander. Der basiert zum einen auf ideologischen Unterschieden, aber auch aus kniffligen Mehrheitsverhältnissen. Bei der ersten Ortsvorsteher-Direktwahl 1999 verbuchte Christdemokrat Felten in Wahlgang eins mit 42,51 Prozent die meisten Stimmen der drei Bewerber. In der Stichwahl zwei Wochen später verhalf aber die Wahlempfehlung der Grünen (deren Bewerber Clement Atzberger stattliche fast 19 Prozent erreicht hatte) Amtsinhaber Schulz zur Titelverteidigung mit 52,3 zu 47,7 Prozent der Stimmen.UBM-Kandidaten nur für den Ortsbeirat

Auch bei der Wahl des Vize-Ortsvorstehers zog Felten bislang im Ortsbeirat stets den Kürzeren. Zuletzt (2002) allerdings durch Los-Pech. Damals löste SPD-Mann Michael Knauff (38) den in einen anderen Stadtteil gezogenen Clement Atzberger (38) als stellvertretenden Ortschef ab. Das immergrüne Duell der Dauer-Kontrahenten Werner Schulz (60) gegen Gilbert Felten (67) bestimmt auch wieder die Stadtteil-Wahlen am 13. Juni. Sie führen wie gehabt die Ortsbeiratskandidaten-Listen ihrer Parteien an. Im Stadtrat aber werden sich die beiden nicht mehr über den Weg laufen. Felten, Nummer drei der CDU, geht so gut wie sicher in seine fünfte Rats-Periode. Schulz hingegen verzichtete beim Parteitag im Januar nach fünf Jahren Stadtrat überraschend auf eine neuerliche Nominierung. Das passt zum Bild des eigenwilligen Kommunalpolitikers, der Jubilarsgratulationen (Goldene, Diamantene und Eiserne Hochzeiten; "runde" Geburtstage ab 80 Jahre) fernbleibt - längst nicht immer zur Freude der Senioren. Dritter im Bunde der Bewerber um das Ortsvorsteher-Amt ist Aaron Maximilian Braun (32), Listenführer der Grünen. Der 15-köpfige Ortsbeirat wird, soviel steht jetzt schon fest, einige neue Gesichter aufweisen. So kandidieren bei der SPD erstmals Jutta Föhr (45) und der im Februar in Ruhestand gegangene Ex-Verkehrsplaner Raimund Scholzen (65) in aussichtsreichen Positionen. Die CDU bietet auf Platz 5 erstmals die Studentin Annika Milbradt (25) auf, die entgegen anders lautender Gerüchte nicht verwandt ist mit Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt. Auch den jüngsten aller 38 Bewerber in Trier-Süd stellen die Christdemokraten: Christoph Longen (19). Bis auf Dirk Spicker (39) neu ist das achtköpfige Personalangebot von Bündnis 90/Die Grünen in ihrer Hochburg Trier-Süd. Nur in Euren kandidieren mehr Grüne, nämlich neun. Bei der Unabhängigen Bürgervertretung Maximini (UBM) hoffen drei Bewerber auf den erstmaligen Einzug in den Ortsbeirat: Reiner Bidinger (65), Alexander Schmitz (25) und Karl-Heinz Naumann (60). Herausforderungen und Aufgaben warten reichlich in dem 9500-Einwohner-Stadtteil. Ein Dauerbrenner-Thema: die Aulstraße. Deren Ausbau stockt, nachdem auf einem Teilstück der Kanal verlegt worden ist. Dieses Jahr wird es voraussichtlich nicht mehr weitergehen. Auch das Rheinische Landesmuseum, das Anfang Mai mit Grabungen beginnen wollte, hat die Arbeit noch nicht aufgenommen. Zudem ist die Südstadt durch den plötzlichen Tod von Ingrid Marzi-Kiefer vor einigen Jahren ärmer geworden. Ihr Laden in der Saarstraße ist der Anlauf- und Treffpunkt für viele Stadtteil-Bewohner. Vorläufig führt Witwer Peter Kiefer das Geschäft weiter. Der Ruf nach einem Bürgerhaus für Trier-Süd wird dennoch wieder lauter werden.In der Wochenend-Ausgabe: Die Kommunalwahl im Stadtteil Euren-Herresthal.