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Daumen hoch für das Spiel der Spiele: So bereitet sich die Region aufs WM-Finale am Sonntag vor

Daumen hoch für das Spiel der Spiele: So bereitet sich die Region aufs WM-Finale am Sonntag vor

Die Region Trier im Finalfieber: Wegen Deutschlands erstem Fußball-Weltmeisterschafts-Endspiel seit 2002 ist am Sonntag vieles anders als sonst. Der Ausnahmezustand zeigt Auswirkungen auch noch am Montag.

Trier/Konz/Schweich/Saarburg/Hermeskeil. So geht die Region ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft:

Public Viewing: Nachdem das Freiluft-Rudelgucken am Dienstagabend weitgehend ins Wasser gefallen ist (nur 600 auf dem Viehmarkt, aber 3500 in der Arena) rüsten die Veranstalter fürs Finale. Dritter im Fanmeilen-Bunde ist das Zurlaubener Ufer. Das Electronic-River-Festival im Rahmen des Moselfestes (siehe auch Artikel unten) wird am Sonntag ab 20.30 Uhr unterbrochen. Die Veranstalter wollen eine Übertragung per LED-Wall oder Beamer-Projektion auf Großbild-Leinwand bieten.
Die Arena plant Übertragungen drinnen und draußen. Das Rahmenprogramm startet um 18 Uhr; gewinnt Deutschland, gibt es nach dem Spiel Bier zu "Happy-Hour-Preisen". Auch auf dem Viehmarkt geht es um 18 Uhr los, mit Livemusik der Band Gooseflesh. Veranstalter Eric Naunheim plant bei einem deutschen Finalsieg, am Montag mit einer "After-WM-Party" auf Triers größter Fanmeile (bis 6000 Besucher) nachzulegen. Eine Genehmigung hat er gestern beantragt.
Kneipen: Von wegen Ruhetag! Trierer Gastronomen WM-fiebern kräftig mit. So haben unter anderem die Kult-Kneipen de Winkel (Johannisstraße) und Schwach & Sinn (Thebäerstraße) am Sonntag ausnahmsweise geöffnet und zeigen das Endspiel.
Jugendherberge: Die Jugendherberge am Trierer Moselufer hat am Wochenende auch Gäste aus den Niederlanden. Ob die Grund zum Jubeln haben werden? Mitarbeiterin Kerstin Schneider gibt sich diplomatisch: "Von unserem Fußballguck-Angebot mit Fernseher und Beamer-Projektion waren die Gäste bisher sehr begeistert." Allerdings kamen die überwiegend aus deutschen Landen.

Wetter: Daumen drücken! Und zwar nicht nur für den Sieg im Finale, sondern auch dafür, dass das Wetter am Sonntagabend hält. Richtig gut sind die Aussichten nämlich (noch) nicht. "Die Chancen, dass es am Sonntagabend in der Region Trier regnet oder nicht, stehen fifty-fifty", prognostiziert TV-Wetterexperte Dominik Jung. Auch wer am Sonntagnachmittag grillen möchte, kann sich nicht auf Sonnenschein verlassen. "Am Mittag wird\'s zwar noch recht trocken bleiben mit Temperaturen um die 24 Grad, aber bereits zum Nachmittag hin beginnt es dann zu brodeln", sagt der Meteorologe. Wer dem Regen draußen trotzen will, sollte sich warm anziehen: Bis zum Spielende gegen 23 Uhr fällt das Thermometer auf etwa 16 Grad.

Schulen: Ralph Borschel, Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums Trier, gab an, keine besonderen Vorkehrungen bezüglich der Fußball-WM getroffen zu haben. Für kommenden Montag, Dienstag und Mittwoch seien ohnehin Projekttage geplant, diese würden jedoch nicht speziell stattfinden, um den Schülern den Tag nach dem Endspiel angenehmer zu machen.
Die Realschule plus Saarburg hatte hingegen im Vorfeld beschlossen, dass gestern der Unterricht zumindest in den ersten ein oder zwei Stunden teilweise ausfallen sollte, um den Schülern zu ermöglichen, das WM-Halbfinale in Ruhe anzuschauen.
Armin Huber, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums Trier, berichtete, dass er und das Kollegium beschlossen hätten, an Tagen nach späten WM-Spielen keine Klassenarbeiten oder Tests zu schreiben. Die erste Stunde frei zu geben, sei grundsätzlich nicht möglich.
Schulfrei gibt es auch an den weiterführenden Schulen in Konz nicht. "Wir haben die Schüler heute aber schon mit Samthandschuhen angepackt", sagt Paul Weirich, Direktor des Konzer Gymnasiums, nach dem Halbfinalsieg der Nationalelf gegen Brasilien. Die Konzer Lehrer würden ihre Schüler auch nach einem möglichen Finalsieg nicht drangsalieren. "Müde dürfen sie sein, angetrunken aber nicht", sagt der Direktor.
Jürgen Nisius ist Leiter der Realschule plus in Schweich. Er sagt: "Selbst wenn wir Weltmeister werden und gefeiert wird, können wir natürlich nichts am Schulbetrieb ändern. Bei den Entlassklassen geht es ab der nächsten Woche sowieso etwas entspannter zu. Meistens stehen Proben für Abschlussprojekte auf dem Lehrplan. Klassenarbeiten werden am nächsten Montag keine geschrieben."

Schichtwechsel? Im Trierer Mutterhaus ist das Fußballfieber nicht ausgebrochen. Klinik-Sprecherin Bettina Leuchtenberg: "Hier nimmt selbstverständlich alles seinen gewohnten Gang, die Schichten sind besetzt wie immer, keiner darf später zur Arbeit kommen, und die Patienten können sich darauf verlassen, dass die Stationen besetzt sind, im Notfall operiert werden kann und die Versorgung wie immer vollumfänglich gewährleistet ist." Zwar könnten die Patienten auf den Fernsehgeräten in den Zimmern das Finale anschauen. Ein besonderes Angebot - etwa einen gemeinsamen Fernsehraum für Patienten und Mitarbeiter - werde es allerdings nicht geben.
Marita Petry ist Personalchefin beim Bilstein-Werk in Mandern. Der Automobilzulieferer beschäftigt zurzeit 1040 Menschen und ist damit einer der größten Arbeitgeber in der Region: "Wir werden es wahrscheinlich so machen, dass wir am Sonntag mit der Nachtschicht später anfangen." Normalerweise ist um 22 Uhr Schichtwechsel - also eine Stunde nach Anpfiff des Finales. Petry betont, dass es bei Bilstein während der ganzen WM flexible Regelungen gab. "Wir haben Listen ausgelegt, wer sich dafür interessiert, bestimmte Fußballspiele anzuschauen. In Absprache mit den Vorgesetzten konnten die Mitarbeiter das dann in einem Besprechungsraum mit Großbild-Leinwand machen. Die Frühschicht am Montag beginnt um 6 Uhr. Und das bleibt auch so. "Wenn ein Mitarbeiter vorhat, am Sonntag nach dem Spiel ausgiebig zu feiern, muss er am Montag einen Tag frei nehmen. Das ist ja dann schon Privatvergnügen", sagt Petry.
Kai Müllers, stellvertretender Werkleiter Brohl Wellpappe (Industriepark Region Trier, Föhren): "Bei uns hatten die Mitarbeiter bisher schon die Möglichkeit, die deutschen Spiele bei der WM zu sehen. Das gilt natürlich auch fürs Finale. Die Produktion ruht in dieser Zeit."
Bei der Volvo Construction Equipment GmbH im Gewerbegebiet Konzerbrück (900 Mitarbeiter) wird sonntags nicht gearbeitet. Bisher habe das Unternehmen es nach späten Deutschlandspielen so gehandhabt, dass die Schichten morgens eine Stunde später angefangen hätten, wenn die Mitarbeiter in der Produktion es sich gewünscht hätten, sagt Personalleiterin Sabine Krümmel. Auch vor dem Finale werde noch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern geklärt, ob die Frühschicht am Montag um 7.15 statt um 6.15 Uhr beginnt. Bei den Angestellten in den Büros seien die Arbeitszeiten ohnehin flexibel, sagt Krümmel.