Dealer bringen Drogen per Auto, Zug und Postpaket: Prozess gegen einen der größten Trierer Rauschgift-Ringe der vergangenen Jahre hat begonnen

Dealer bringen Drogen per Auto, Zug und Postpaket: Prozess gegen einen der größten Trierer Rauschgift-Ringe der vergangenen Jahre hat begonnen

Knapp 40 Kilo Marihuana soll ein Trierer Drogenring zwischen 2012 und 2015 von Köln und aus anderen Städten nach Trier geschafft haben, um den Stoff dort zu verkaufen. Fünf Angeklagte müssen sich dafür seit Montag vor dem Landgericht verantworten.

Als der erste Prozesstag vorbei ist, hat Ahmad C. nur einen Wunsch: "Darf ich kurz mein Kind sehen?", fragt der 23-jährige Trierer den Richter. Und obwohl dieser kurz zuvor erklärt hat, dass angesichts der vielen Angehörigen im Zuschauerraum persönliche Gespräche zwischen den Angeklagten und ihren Familien nicht möglich sind, weil nicht überwacht werden könne, wer dann mit wem was bespricht, wird C. sein Wunsch gewährt. Seine zweijährige Tochter läuft vom Zuschauerraum zu dem Angeklagten. Ihr Vater, seit Januar in Untersuchungshaft, strahlt.

Kiloweise soll Ahmad C. zwischen 2012 und 2015 Marihuana und Amphetamine in Köln, Neuwied und Thionville gekauft und zusammen mit seinen Mittätern nach Trier geschafft haben. Per Auto, im Zug und einmal auch per Postpaket sei der Transport gelaufen. In Trier vertickten die Händler die Ware grammweise an Kleindealer und Endkunden. Auch der mutmaßliche Kölner Großdealer sitzt mit auf der Anklagebank.

Es ist einer der größten Drogenhändler-Ringe, den Polizei und Staatsanwaltschaft in den vergangenen zehn Jahren in Trier haben auffliegen lassen. Wie Großkriminelle sehen die Angeklagten allerdings nicht aus. Bis auf die wegen Beihilfe mitangeklagte Ehefrau des Kölner Dealers haben sie traurige Drogenkarrieren hinter sich.

Mit zwölf raucht Ahmad C. seinen ersten Joint. "Auf einer Party, ein Mädchen hatte das Gras von seinem älteren Bruder mitgebracht", erzählt er vor Gericht. Mit 13 kommen die ersten Amphetamine dazu, mit 14 Ecstasy. "Ich hatte richtig viele Probleme damals und kam mit meinem Leben gar nicht klar." Jedes Mal, wenn er ein bisschen Geld in der Tasche hat, kifft C. sich das Hirn zu. Mit 16 sitzt er im Jugendgefängnis. Frisch entlassen, geht es C. besser. "Ich habe nix konsumiert, kein Alkohol, mich nicht geprügelt." Ein paar Monate lang. Dann gibt's wieder Stress zu Hause und es geht wieder los. 20 bis 30 Euro habe er täglich für den Stoff ausgegeben. "Und dann haben Sie die Drogen am gleichen Tag verbraucht?", fragt Richter Günther Köhler. "Nein", antwortet C., "in der gleichen Stunde."Cannabis, Kokain und Extasy


Dem Trierer Timo O. ergeht's ähnlich: Als er zwölf ist, stirbt sein Vater an Krebs. Den Jungen wirft das aus der Bahn. "Ich hab keinen Sinn mehr in der Schule gesehen", sagt er vor Gericht. Mit 14 beginnt die Flucht in die Drogen. Erst Joints, dann pur über die Bong. Nach dem Hauptschulabschluss bricht O. seine Malerlehre ab. Die Mutter und ihr neuer Lebensgefährte werfen den 18-Jährigen zu Hause raus. Zwei bis drei Gramm Cannabis pro Tag braucht O. damals. An besonderen Tagen kommen Ecstasy und Kokain dazu. "Drogen, Miete, Handy, Zigaretten müssen ja bezahlt werden - da habe ich dann angefangen zu dealen."

Zusammen mit anderen - darunter auch der 23-jährige Muhammed M. aus Trier - wurde daraus einer der größten Trierer Dealerbanden. "Wir haben zwei Jahre ermittelt", sagt der Trierer Staatsanwalt Wolfgang Barrot. Nach TV-Informationen kamen die Ermittler den Drogendealern durch die Überwachung ihrer Telefone auf die Spur.

Mitangeklagt war ursprünglich der Trierer G. Ebenso wie die fünf anderen war er Anfang des Jahres in Untersuchungshaft genommen worden. Weil G. den Drogenhandel eingestand, erwirkte sein Anwalt eine Kronzeugenregelung. G. wurde aus der U-Haft entlassen - und setzte sich prompt ins Ausland ab. Seine Mitangeklagten, die G. mit seinem Geständnis schwer belastet hat, erwarten nun voraussichtlich Haftstrafen von fünf Jahren und mehr.

Wird der Ring wegen bandenmäßigen Handels verurteilt, könnte das die Haftstrafen zusätzlich nach oben treiben.
Für den nächsten Verhandlungstermin am kommenden Montag vor der Ersten Großen Jugendkammer hat Richter Köhler eine Verfahrensabsprache angekündigt - einen sogenannten Deal. Dabei besprechen Gericht, Staatsanwaltschaft und Anwälte den weiteren Verfahrensablauf. Kündigen die Verteidiger dabei umfangreiche Geständnisse der Angeklagten an, sagen Staatsanwaltschaft und Gericht dafür niedrigere Haftstrafen zu.

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