Dem Adel die Flügel stutzen

Bald ist sie vorbei, die theaterlose (Sommer-)Zeit. Kurz vor dem Beginn der neuen Spielzeit gab es einen Paukenschlag. Denn mit Mozarts längster Oper "Die Hochzeit des Figaro" bekamen die Gäste des "Theatercafés" im Trierer Theater einen Vorgeschmack auf das Kommende.

Trier. (LH) Gewagt - getan: Nach 15-jähriger Pause geht ab Samstag, 26. September, nicht nur die theaterlose Sommerzeit zu Ende am Stadttheater, sondern auch die selbst auferlegte mozartlose Zeit, zumindest was die Oper "Le Nozze di Figaro" (Die Hochzeit des Figaro) anbelangt. Das "Theatercafé" begann mit mehr als nur einem kleinen Vorgeschmack auf das Kommende.

Figaro übt sich im Ausmessen des Zimmers im gräflichen Schloss, das er nach der Hochzeit mit seiner Braut bewohnen soll. Doch Susanna fürchtet sich vor den draufgängerischen Zudringlichkeiten des Grafen Almaviva. Und weil in der folgenden Handlung gleich eine ganze Reihe Darsteller involviert ist in Liebeleien, Eitelkeiten und Eifersüchteleien, entwickelt sich ein immer mehr um sich greifendes Verwirrspiel mit ach so menschlichen Zügen. Nicht an der Liebe orientiere sich die Oper (in italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln), sondern an der Sehnsucht des Menschen.

Mehrfach stellte der Theater-Moderator die Frage, ob Mozart ein Revoluzzer auf der Opernbühne gewesen sei (Uraufführung 1786 in Wien), denn das ihr zugrunde liegende Beaumarchais-Theaterstück erzählt vom Aufbegehren eines Dieners gegen seinen adligen Herrn. Mozarts Figaro beschreibe keine Revolte, sagte Larsen seinen einhundert Zuhörern, dennoch zeige sie "schon revolutionäre Tendenzen". Weniger ein Erneuerer sei Mozart gewesen als mehr ein Vollender.

Ziel des Cafés ist, sich schon vor dem Theaterbesuch mit dem Stoff zu befassen. Besucherin Irina Michalska aus Trier findet das prima: "Die Infos von heute sind mir wichtig. Jetzt kenne ich das Konzept des Regisseurs und habe die Darsteller aus allernächster Nähe sehen können." Neu im Ensemble des Musiktheaters Alexander Trauth (Bass), der den Figaro singt, sowie der Franzose Francis Bouyer (Bariton) in der Rolle des Grafen Almaviva.

Dinge wie in den Interviews von Peter Larsen mit den Akteuren erfährt der geneigte Theaterbesucher nur im "Theatercafé" mit Tuchfühlung zu den Akteuren: Noch bis vor wenigen Monaten sei er als Beamter in Frankreich tätig gewesen, erzählt Francis Bouyer, um aber postwendend seine erstaunten Zuhörer neidisch werden zu lassen: zuletzt als Angehöriger des Außenministeriums auf dem französischen Karibikeiland Martinique. Eher den klassischen Werdegang nahm der zweite Neue in der Runde, Alexander Trauth, über verschiedene deutsche Bühnen, bis er nach Trier kam. Oper.

Premiere ist am Samstag, 26. September, 19.30 Uhr, im Großen Haus. Karten an der Theaterkasse, Telefon: 0651/718-1818.