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Dem Waldkindergarten droht das Aus

Dem Waldkindergarten droht das Aus

Ein Bauwagen für Spielmaterial und Gummistiefel, ein kleines Holzhaus mit Sanitär- sowie Ruheräumen und drum herum ganz viel Wald: So sollte der erste Trie rer Waldkindergarten im Weißhauswald aussehen. Doch die Stadt verweigert die Baugenehmigung für das Holzhäuschen.

Trier. Zwar besuchen noch keine Kinder den ersten Trierer Waldkindergarten, es gibt ihn aber trotzdem schon: "Seit dem 1. Juni läuft die pädagogische Vorlaufzeit", erklärt Katja Siebert-Schmitt, Geschäftsführerin des freien Trägervereins Waldpänz. Die fünf Mitarbeiterinnen würden derzeit zum Beispiel in Erster Hilfe für Unfälle in Wald und Natur geschult. Zum 1. Juli sollten dann die ersten fünf Kinder aufgenommen werden. "Sukzessive sollten die beiden Gruppen aufgestockt und nach den Sommerferien vom Halbtags- auf Ganztagsbetrieb umgestellt werden", sagt Siebert-Schmitt.
Doch daraus wird wohl nichts: Denn für den Ganztagsbetrieb ist nach Planung und in Absprache mit Sozialdezernentin Angelika Birk ein Holzhäuschen mit Sanitär- und Ruheräumen notwendig. Doch für dieses will das Trierer Bauamt keine Baugenehmigung erteilen.30 Meter Abstand nötig


Grund: Das Forstamt, das für den Weißhauswald zuständig ist, hat in einer Stellungnahme Bedenken geäußert: Selbst bei bester Kontrolle der Standfestigkeit der Bäume könne nicht ausgeschlossen werden, dass Bäume plötzlich umfallen - zum Beispiel, weil nach einem starken Regenguss der Boden aufweicht und nachgibt. Das Forstamt bezieht sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts von 1993, nachdem Gebäude mindestens 25 bis 30 Meter Abstand zum Waldrand haben müssen. "Es gibt zwar in Rheinland-Pfalz kein Gesetz, das diesen Mindestabstand baurechtlich vorschreibt. Aber wer näher an die Waldgrenze bauen will, der muss dafür selbst die Haftung übernehmen", erklärt Forstamtsleiter Gundolf Bartmann auf TV-Anfrage. Diese Verantwortung tragen will die Stadt offenbar nicht: "Der vorgesehene Standort im Weißhauswald ist für den Waldkindergarten nicht genehmigungsfähig", erklärt die städtische Bauverwaltung.
Waldkindergartenleiterin Siebert-Schmitt kann das nicht verstehen: "Es gibt Wege, die Haftungsfrage zu klären, auch andere Kommunen haben das geschafft - aber das Trierer Bauamt will diese Wege nicht gehen." Dass Gefahren nicht gänzlich ausgeschlossen werden könnten, sei klar: "Aber wenn man dieses Argument vorschiebt, dann dürfte man kein Kind mehr nach draußen lassen - Gefahren gibt es überall, und im Waldkindergarten nicht mehr als bei einem normalen Waldspaziergang.""In welcher Welt leben wir?"


Der Waldpänz-Verein fühlt sich von der Stadt boykottiert. "Es ist alles vorbereitet, 22 Kinder stehen auf der Warteliste - und dann erfahren wir vergangenen Mittwoch vom Bauamt, dass das mit dem Jugendamt geplante Holzhäuschen nicht gebaut werden darf. Da fragt man sich schon, in was für einer Welt man lebt?"
Das Bauamt verteidigt sich: Der Antrag des Vereins auf Baugenehmigung sei Ende Januar eingegangen, das Forstamt habe am 16. April seine Stellungnahme vorgelegt, in einem Gespräch zwischen Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und der Forstverwaltung hätten sich Ende Mai die Bedenken bestätigt. "Bevor diese Fakten alle auf dem Tisch lagen, konnte keine Entscheidung getroffen werden", erklärt Rathaussprecher Ralf Frühauf.
Der Kita-Betrieb soll trotzdem am 1. Juli anlaufen - vorerst allerdings halbtags. Nach einer Standortalternative, die Ruheräume und damit den Ganztagsbetrieb möglich machen, werde gesucht, teilt die Stadtverwaltung mit.Meinung

Gemeinsam statt gegeneinander
Da hat man in der Stadtverwaltung wohl etwas zu spät bemerkt, dass ein Waldkindergarten im Wald zu Hause ist. Oder - noch wahrscheinlicher - Sozialdezernentin Birk und Baudezernentin Kaes-Torchiani haben mal wieder ihre Animositäten gepflegt und nicht miteinander gesprochen. Die 30-Meter-Abstandsregel hätte sonst viel früher auffallen müssen - und die Suche nach einer Lösung viel früher starten können und nicht erst ein paar Tage vor Beginn des Kita-Betriebs. Vielleicht muss Oberbürgermeister Klaus Jensen auch in diesem Streitfall zwischen seinen beiden Beigeordneten das Heft in die Hand nehmen und die beiden Frauen an ihre Pflicht erinnern: gemeinsam für das Wohl der Stadt zu arbeiten und gemeinsam für die Umsetzung des vom Stadtrat beschlossenen ersten Trierer Waldkindergartens zu sorgen. c.wolff@volksfreund.de