DEMOKRATIE
Zur Berichterstattung über die niedrige Wahlbeteiligung in Trier:
Nie habe ich mich so fremdgeschämt wie nach diesem Wahlergebnis. Nicht mal ein Drittel der Wahlberechtigten haben es für nötig befunden, ihrer Bürgerpflicht zur Wahl nachzukommen und ihren neuen Oberbürgermeister zu wählen. Denjenigen oder diejenige, der/die für die Geschäfte der eigenen Stadt (nicht Mainz oder Berlin) in den nächsten Jahren verantwortlich ist. Peinlich! Was kann es da für Ausreden geben? Das Wetter: Es war schön am Wahltag, ideal, den Sonntagsspaziergang mit einem Gang an die Urne zu verknüpfen. Wer sagt, dass er den Tag lieber für einen Ausflug nutzen wollte: Ich bezweifle, dass zwei Drittel der Wahlberechtigten von 8 bis 18 Uhr (das sind die Öffnungszeiten der Wahllokale) die Stadt verlassen haben. Im Übrigen hatte auch jeder die Möglichkeit, per Briefwahl im Vorfeld abzustimmen. Zu kompliziert? Es musste sich nur für einen von drei Kandidaten entschieden werden. Der Wahlzettel hatte Din-A4-Format! Und wer sich nicht entscheiden kann: Jeder hat doch wohl ein Thema (Theater, Schule, Verkehr, Kindergärten und so weiter), welches ihm besonders wichtig ist. Und dann wählt man halt denjenigen oder diejenige, der/die am ehesten die eigene Meinung vertritt. Termin vergessen? Wenn irgendwas in der Stadt, Presse und so weiter wohl präsent war in den vergangenen Wochen, dann diese Wahl. Selten gab es so einen unübersehbaren Wahlkampf. Wir haben den Tag der Deutschen Einheit begangen. Vielleicht bringen sich die Trierer mal in Erinnerung, dass es andere Nationen gibt, in denen es keine freie Wahlen gibt. Vielleicht nehmen Bürger das als Ansporn, an der Stichwahl am 12. Oktober teilzunehmen. Dann müssen sie sich nur noch für einen von zweien entscheiden. Stephanie Rippa, Trier