Demokratische Spielregeln

Zum Bericht "Ruwerort als Standplatz für die Müllwagenflotte" und Kommentar "Anonym ist schlechter Stil" (TV vom 25. September):

Seitens der ART-Verwaltung und der politischen Gremien aus Stadt und Landkreis wird ein neuer Standort für die Verwaltung und den Fuhrpark des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) gesucht. Die beiden bevorzugten Standorte sind in Trier-Nord oder Mertesdorf. So beschreibt es der Artikel.

In Mertesdorf ist ein rund 20 000 Quadratmeter großes Gelände oberhalb des Ortes vorgesehen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubaugebiet mit Kinderspielplatz und vielen jungen Familien als Neubürgern. Mit den geplanten Gebäuden und einem Fuhrpark von mehr als 50 schweren Sammelfahrzeugen im Rücken wird sicher mancher potenzielle Käufer im Neubaugebiet abspringen.

Neubürger, die dort bereits gebaut haben, dürften sich betrogen fühlen.

Der seit Jahren "staatlich anerkannte Erholungsort Mertesdorf" mit einer alles überragenden Industrieanlage hoch über dem Ort? Das wirkt grotesk.

Im TV-Artikel wird von einer "anonymen Resolution mit Unterschriftenliste" gesprochen, die im Ort die Runde mache. Warum anonym?

Mich besuchte ein im Ort bekannter Bürger, um Unterschriften gegen ein Vorhaben zu sammeln, das ohne Mitsprache der Bürger verwirklicht werden soll. Allerdings erzählte er mir, dass mancher Bürger zwar gegen das Vorhaben sei, doch anonym bleiben wolle.

Im "alten" Ort wie auch im Neubaugebiet formiert sich Widerstand gegen das geplante Projekt der ART oberhalb von Mertesdorf. Die Bürger fühlen sich bei der Standortwahl übergangen.

Die Mertesdorfer Bürger werden - so darf man annehmen - die geplante "Einwohnerinformation" am 6. Oktober nutzen, um eine Beteiligung nach demokratischen Spielregeln einzufordern.

Winfried Blasweiler, Mertesdorf

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