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Den Eltern geht die Puste aus - Streik der Kita-Erzieherinnen geht weiter - Keine Verhandlungen zwischen Kommunen und Gewerkschaften

Den Eltern geht die Puste aus - Streik der Kita-Erzieherinnen geht weiter - Keine Verhandlungen zwischen Kommunen und Gewerkschaften

Oma, Nachbarn, Urlaubstage: Die privaten Ressourcen, aus denen die vom Kita-Streik betroffenen Eltern die Betreuungslücken derzeit ausgleichen, sind langsam erschöpft. Vor der Kita Trimmelter Hof haben etwa 60 Eltern protestiert, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

347 Kinder sind in den vier städtischen Kindertagesstätten - Trimmelter Hof, Tarforst, Feyen und dem deutsch-französischen Kindergarten auf dem Petrisberg - vom Arbeitskampf der bei Kommunen beschäftigten Erzieherinnen betroffen. Seit Mitte Mai streiken etwa 60 der 75 Beschäftigten der vier Einrichtungen.

Mit Hilfe von Eltern und Praktikanten werden in der Kita Trimmelter Hof fünf Notgruppen aufrechterhalten mit rund 90 Betreuungsplätzen, die sich die Kinder aller vier Einrichtungen teilen müssen. Anders als im Normalbetrieb öffnen die Notgruppen allerdings nicht um 7.15 Uhr sondern erst um 8 Uhr.

Nach neun Tagen Streik geht den Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder selbst organisieren müssen, langsam die Puste aus: Die Belastbarkeitsgrenzen von Omas, Nachbarn, Freunden, die die Kinder stunden- oder tageweise übernehmen, sind erreicht. Manche Eltern haben freigenommen, wollen aber nicht den kompletten Jahresurlaub für den Streikausgleich verwenden.

Ein Ende des Streiks ist nicht absehbar. Zurzeit ruhen die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften Verdi sowie Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf der einen und den Verbänden kommunaler Arbeitgeber (VKA) auf der anderen Seite. Ende April hatten die VKA den Gewerkschaften eine Gehaltssteigerung für Kita-Leitungen und Erzieherinnen mit besonderen Aufgaben wie Sprachförderung oder Inklusion eine Gehaltserhöhung um bis zu 430 Euro angeboten. Die Gewerkschaften fordern Gehaltserhöhungen in dieser Größenordnung allerdings für alle Erzieherinnen. Beide Seiten werfen sich vor, die Verhandlungen zu blockieren.

Am 28. Mai treffen sich die Verbände kommunaler Arbeitgeber - in denen auch die Stadt Trier organisiert ist - zu ihrer Mitgliederversammlung. "Wir hoffen, dass unser Anliegen dann Hauptthema sein wird und die Verbände uns anschließend ein verhandelbares Angebot machen", sagt Ingo Klein von der GEW Trier. So lange kein solches Angebot vorliege, werde der Streik andauern.

Die Eltern haben größtenteils Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieherinnen. "Sie sollen mehr verdienen, ja, aber dass die Erzieherinnen verlangen, gleich vier Tarifstufen höher eingruppiert zu werden, erscheint mir doch etwas hoch. Die Forderungen müssen realistisch bleiben", sagte eine Mutter bei der Demo vor der Kita Trimmelter Hof.

Der TV hat mit weiteren Eltern gesprochen. In der Fotostrecke finden Sie Ihre Meinungen zum Streik, und wie sie damit umgehen.Hintergrund zum Streik der Erzieherinnen: Löhne, Meinungen, Ziele, Zukunft

 Auf der anderen Seite hätten die Eltern und Kindergartenkinder gerne ein baldiges Ende des Streiks. TV-Fotos (10): Friedemann Vetter
Auf der anderen Seite hätten die Eltern und Kindergartenkinder gerne ein baldiges Ende des Streiks. TV-Fotos (10): Friedemann Vetter Foto: Friedemann Vetter

Die Stadt Trier fragt derzeit zum zweiten Mal den Betreuungsbedarf bei den Eltern ab. Die Rückmeldungen sollen am Dienstag vorliegen. "Abhängig davon wird die weitere Organisation der Notbetreuung erfolgen", sagt Rathaus-Pressesprecher Ralf Frühauf. Da die weitere Streikbeteiligung der Erzieherinnen "offen und nicht planbar" sei, könnte derzeit allerdings keine Aussage über den weiteren Umfang der Notbetreuung gemacht werden.

Die Elternausschüsse der vier städtischen Kitas appellieren per Brief an Triers Sozialdezernentin Angelika Birk, sich für ein baldiges Ende des Streiks einzusetzen. Die Notbetreuungssituation für die 347 Kinder habe sich "dramatisch zugespitzt", "politisches Handeln sei geboten beziehungsweise längst überfällig", fordern die Elternausschüsse. "Wir verstehen den Wunsch der Erzieherinnen nach angemessener Vergütung ihrer Arbeit", heißt es weiter, doch Leidtragende seien nicht, wie sonst bei Streiks üblich, die Arbeitgeber, sondern die Kinder. "Und es trifft Eltern, die jeden Tag verzweifelt versuchen, eine Betreuungsmöglichkeit zu finden, die ihren Familienurlaub einem Streik opfern müssen, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben oder Verdienstausfälle in Kauf nehmen müssen."

Sozialdezernentin Angelika Birk zum Kita-Streik: "In den Staaten Europas, die wie Deutschland Krippen, Kindertagesstätten und Horte nicht nur als Betreuungs-, sondern als zentrale Erziehungs- und Bildungseinrichtung sehen, werden als Vergleichsmaßstab die Grundschulen herangezogen. In Deutschland hingegen wurden vor vielen Jahren bei der Einführung des Tarifrechts im öffentlichen Dienst die erzieherischen Berufe deutlich herabgestuft. Dieser Nachteil wurde erst 2009 wieder ausgeglichen. Aber eine Aufwertung dieses Berufes, die den tatsächlichen Anforderungen und Belastungen entspricht, steht immer noch aus. Wenn die Kommunen für Erzieherstellen in Kitas auch künftig noch Nachwuchs finden wollen, müssen sie dem Anliegen der Gewerkschaften Rechnung tragen."

Das Gehalt von Erzieherinnen im öffentlichen Dienst liegt laut den Verbänden der kommunalen Arbeitgeber zwischen 2367 und 3289 Euro brutto. Würden die Gewerkschaften ihre Forderung nach einer Höherstufung um vier Tarifgruppen in vollem Umfang durchsetzen, würden Erzieherinnen künftig zwischen 2590 Euro und 3974 Euro verdienen.

Der Landeszuschuss an den Gehältern der rund 70 Erzieherinnen in den vier städtischen Kitas liegt je nach Gruppenart zwischen 30 Prozent (normale Kindergartengruppe) und 45 Prozent (Krippengruppe). Die Stadt ist angehalten, 17 Prozent der Personalkosten über Elternbeiträge zu erwirtschaften. Erst zum Jahresanfang hat die Stadt die Elternbeiträge daher - je nach Netto-Einkommen teilweise erheblich - angehoben. Aus der Elternschaft gab es Proteste gegen diese Erhöhung (der TV berichtete). Bislang liegen der Stadt seitens der Eltern keine Rückforderungen der Kita-Beiträge für die Streiktage vor, an denen die Betreuung ausfällt. "Eine Verpflichtung zur Rückerstattung ist nach Informationen des Städte- und Landkreistages auch nicht gegeben", teilt die Stadt auf TV-Nachfrage mit.

Im Streik sind lediglich die Erzieherinnen der kommunalen Kitas. Beschäftigte in Kitas in freier Trägerschaft, zum Beispiel der Kirche, haben ein eingeschränktes Streikrecht. In Trier gehören nur vier der insgesamt 67 Kitas der öffentlichen Hand. In den übrigen 63 Einrichtungen arbeiten weitere rund 800 Erzieherinnen. "Erzieherinnen im Dienst der Kirche verdienen meist etwas weniger als im öffentlichen Dienst", sagt Gewerkschafter Ingo Klein. "Die 800 Trierer Erzieherinnen, die an Kitas freier Träger arbeiten, schauen allerdings gespannt auf unseren Arbeitskampf, weil sie wissen, dass der Kirche und auch Trägervereinen nicht viel anderes übrig bleiben wird, als bei den Gehältern nachzuziehen." woc

Ab Dienstag bleiben noch mehr Kitas im Kreis Trier-Saarburg zu