Den Ernstfall geprobt

TRIER-EHRANG. Statistisch gesehen kommt es in Deutschland alle 14 Tage zu einem Brand in einem Krankenhaus. Um im Falle eines Falles gerüstet zu sein, Handlungsabläufe zu optimieren und eventuelle Schwachstellen zu finden, machte das Marienkrankenhaus in Trier-Ehrang eine Brand- und Katastrophenschutzübung, bei der das Szenario vollständig mit Einsatzkräften vor Ort geübt wurde. Es war die erste Katastrophenübung dieser Größenordnung in einem Trierer Krankenhaus.

Ständig waren am Samstagvormittag in Ehrang Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen zu sehen und hören. Der Grund war eine so genannte Vollübung im Marienkrankenhaus, bei der sämtliche erforderlichen Einsatzkräfte vor Ort waren. Wenn es in einem Krankenhaus brennt, ist das für die Helfer und die meist gehandicapten Patienten eine besonders heikle Situation. Wie aber soll eine Katastrophe unter möglichst lebensnahen Umständen in einem Krankenhaus nachgestellt werden, ohne die anwesenden Patienten zu gefährden? Schwelbrand mit starker Rauchentwicklung

Das Marienkrankenhaus simulierte am Samstag die komplette Evakuierung einer Station bei laufendem Krankenhausbetrieb. Möglich wurde dies auf der Tagesstation A 1, die am Wochenende normalerweise nicht belegt ist. 25 Jugendliche verkörperten die Opfer, die leichte bis schwerste Verletzungen haben sollten. Bei der Übung wurde von einer Situation ausgegangen, in der infolge eines Schwelbrands ein offener Brand mit starker Rauchentwicklung entsteht. In der Tat waren dank Disko-Nebels Räume und Gänge in dieser Abteilung im Erdgeschoss mit dichten Qualm gefüllt. Den Helfern stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Rund 150 Einsatzkräfte waren vor Ort: der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Ehrang, die Berufsfeuerwehr Trier, die Schnelleinsatzgruppen (SEG) Mosel-Eifel, das DRK sowie die Rettungskräfte des Marienkrankenhauses. Gleich mehrere Ziele wurden mit der Aktion verbunden. Die Überprüfung des internen Alarm- und Einsatzplanes, die Zusammenarbeit zwischen dem Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr und der Krankenhaus-Einsatzleitung, die Einbindung des neuen Einsatzleiterwagens, Kommunikation und Logistik beim Bergen und Versorgen der Verletzten wurden bei der Übung nachgestellt. Beobachter an wichtigen Stellen postiert

Beobachter verschiedener Institutionen waren an strategischen Stellen positioniert, um den Handlungsablauf zu dokumentieren. Das in Vor- und Nachbereitung sowie im Ablauf sehr aufwändige Szenario zog etliche Zuschauer an, die die Rettungsaktionen auf Distanz mitverfolgten: Die Evakuierung der Verletzten, ihr Versorgen auf einer Verletztensammelstelle, das rasche Einrichten eines Verbandsplatzes, der Abtransport zu Krankenhäusern. "Gelungen" und "sehr zufriedenstellend" sei die Übung verlaufen, resümierte nach drei Stunden Feuerwehrdezernent Georg Bernarding in einer Abschlussbesprechung. Er hoffe, dass auch die anderen Trierer Krankenhäuser mit Brandschutzübungen in dieser Größenordnung nachziehen würden. Erste Denkanstösse gab Carl-Stefan Schmitz, der als Leitender Notarzt des Kreises Trier-Saarburg, Ärztlicher Direktor und Chef des Anästhesie- und Intensivmedizinischen Abteilung gleich dreifach belastet war. Es müssten mehr Ärzte für den Katastrophenschutz bereit gestellt, Helfer deutlicher gekennzeichnet werden. Nach einer Aufarbeitung werde man Erkenntnisse auswerten und, falls erforderlich, Konsequenzen ziehen, sagte der Kaufmännische Direktor des Marienkrankenhauses, Stefan Eiden. Nach einer Analyse werden die Auswertungen bekannt gegeben und im Trierischen Volksfreund veröffentlicht, so der Leiter der Berufsfeuerwehr Trier, Herbert Albers-Hain. Er begrüßte die Übung, die in dieser Komplexität in Trier noch nie während seiner 16-jährigen Tätigkeit stattgefunden habe.

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