"Den Ernstfall proben"
Noch sind die Ermittlungen zum Busbrand bei Mertesdorf nicht abgeschlossen. Fest steht jedoch, dass es im Vorfeld keine Beschwerden beim Kreis oder dem Verkehrsverbund VRT über Mängel am Unglücksfahrzeug gegeben hat. Unterdessen regt Tüv-Regionalleiter Stefan Michaely an, den "Ernstfall" zu proben.
Trier. Die Berichterstattung des Volksfreunds über Missstände im Schülerverkehr hat dazu geführt, dass die Kreisverwaltung eine Schwachstellenanalyse vorgenommen hat. Ferner haben Kreis und Verkehrsverbund (VRT) ein Beschwerde-Management eingeführt. Laut Kreis-Sprecherin Martina Bosch sind im Vorfeld des Busbrandes keine Beschwerden eingegangen, obwohl mehrere Schüler sagten, es habe schon länger in dem Gelenkbus "brenzlig" gerochen (der TV berichtete).
"Wir können Fahrgäste nur eindringlich dazu ermuntern, diesen Service in Anspruch zu nehmen", sagt Martina Bosch. Nach Beschwerden werde überprüft, ob die Probleme einmalig seien (Bus zu spät oder wegen früheren Unterrichtsendes zu voll) oder grundsätzlicher Natur. Abhilfe habe man bereits einige Male schaffen können, etwa durch den Einsatz eines größeren Busses von Saarburg nach Orscholz oder den Einsatz eines zweiten Busses freitags für Ganztagsschüler in Saarburg.
"Beschwerde Schülerbeförderung" heißt der Button auf der Webseite des Kreises ( www.trier-saarburg.de), der mit einem Klick zum Formular mit Name, Anschrift und Beschwerdegrund führt. Dass Kritik an Fahrplänen, Busausstattungen und dem Verhalten des Personals nicht selten sind, sieht man an diversen Einträgen in Internet-Fahrgast-Foren zum Öffentlichen Personennahverkehr im Saar-Lor-Lux-Raum.
Nach Auffassung von TÜV-Regionalleiter Stefan Michaely haben Behörden durchaus die Möglichkeit, im Schülerverkehr "die Spreu vom Weizen zu trennen". Der Kreis etwa nutze die Möglichkeit, die Prüfbücher mit den Ergebnissen der alljährlichen Hauptuntersuchung und der quartalsweise vorgeschriebenen Sicherheitsprüfung einzusehen. Um die Folgeschäden von Unfällen so gering wie möglich zu halten, schlägt Michaely vor, den "Ernstfall" mit Fahrern, Fahrgästen und Rettungskräften regelmäßig zu proben. Schulen hätten die Möglichkeit, sich und ihre Schüler kostenlos von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und der RMV über das Verhalten am und im Bus ausbilden zu lassen.
Meinung
Mängel melden!
Der Landkreis hat durch die Schwachstellenanalyse und die Einführung des Beschwerde-Managements bewiesen, dass ihm ein sicherer Schülerverkehr wichtig ist. Freilich hat sich dadurch am Kernproblem nichts geändert: Bei öffentlichen Ausschreibungen von Linien bekommt der günstigste Anbieter den Zuschlag. Weder der Zustand der Fahrzeuge noch die Qualifikation der Fahrer werden dabei berücksichtigt. Umso wichtiger ist es, dass Fahrgäste Fehler und Mängel unverzüglich melden. Das ist immer noch die beste Prävention. a.follmann@volksfreund.de