Den Krieg noch nicht vergessen

Den Krieg noch nicht vergessen

PFALZEL. "Noch nicht vergessen" – so lautet der Titel eines Buches von Adolph Steines, das seit wenigen Tagen in Pfalzel erhältlich ist. Darin beschreibt und zeichnet der aus Pfalzel gebürtige Kunstschmied seine Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Angefangen hat das Projekt mit sechs Zeichnungen. Mit dem Bleistift brachte Adolph Steines Bilder zu Papier, die über 60 Jahre lang unauslöschlich in seinem Kopf verankert sind. Bilder aus den Jahren des Krieges und der Nachkriegszeit. Beim Zeichnen fielen Steines immer mehr Erlebnisse aus seiner Kinderzeit ein, die er auch in Worte fasste. Zunächst allerdings nur für den persönlichen Gebrauch, vielleicht auch, um Freunden und Bekannten aus jenen Tagen anschaulicher berichten zu können. "Aber dann kam mir die Idee, dass diese Erinnerungen vielleicht von mehreren Menschen geteilt werden", erzählt Adolph Steines. So ergänzte, sortierte und erweiterte er seine Arbeit und konzipierte sein Buch über die Zeit zwischen Heiligabend 1944 und Silvester 1945. Es ist ein ganz persönliches Buch, das der 68-Jährige in Wort und Bild geschaffen hat. Der Leser lernt auf den über 80 Seiten die Pfalzeler Familie Steines kennen, erfährt von der Gefangenschaft des Vaters und den Schwierigkeiten von Mutter und Großmutter, die Familie zu ernähren. Vor allem aber lernt er den Jungen Adolph kennen in seinen Ängsten und Sorgen, aber auch in seiner Begeisterung für jedes sich abzeichnende Abenteuer. Menschen, die ums Überleben kämpfen

Die Erinnerungen beginnen mit dem Heiligen Abend 1944 und den kärglichen Vorbereitungen für ein ebensolches Weihnachtsfest. Doch mitten in die Vorfreude bricht das Heulen der Sirenen, die Familie sucht Schutz im Keller des Nachbarhauses, während die Bomben auf das eigene Heim und große Teile des Ortes fallen. Und dabei hatte Adolph Steines sich doch so über die Bleisoldaten gefreut, die ihm Soldaten kurz vor dem Alarm geschenkt hatten. Immer wieder verweist der Autor selber darauf, wie unvorstellbar aus heutiger Sicht verschiedene Begebenheiten und Situationen sind. So schildert er etwa unter dem Titel "Klannen" das Sammeln aller nur irgendwie verwertbaren Schätze des Waldes und der Felder. Eindrucksvoll verdeutlicht werden die Berichte durch die Illustrationen des Künstlers. 18 Bleistift-Zeichnungen zeigen Menschen, die ums Überleben kämpfen, Kinder, die in der Not und trotz des Elends das Abenteuer suchen und in vielfältiger Weise auch finden. Erhältlich sind die in festem Einband gebundenen Erinnerungen zum Preis von 16,50 Euro in Pfalzel bei Schreibwaren Marita Hand, in der Filiale der Sparkasse, im Friseursalon Christina Schwan sowie bei Ortsvorsteher Werner Pfeiffer. Am Samstag, 7. Mai, wird Adolph Steines sein Buch im Amtshaus in der Residenzstraße öffentlich vorstellen. Wie sehr der Autor sich seinem Heimatort verbunden fühlt, zeigt eine besondere Geste: Den Gewinn, der aus dem Verkauf erzielt wird, stellt Adolph Steines dem Stadtteil für Investitionen zur Verfügung. "Ich möchte mit meinen Erinnerungen nichts verdienen, sondern sie mit Interessierten teilen, damit diese Erlebnisse nicht in Vergessenheit geraten."

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